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Welschlauf 2010 ... oder Marathon mit drei Unbekannten

Bericht von Werner Millonig
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Welschlauf 2010 ... oder Marathon mit drei Unbekannten: noch nie 42,195 Kilometer gelaufen ... noch nie 1400 Höhenmeter in einem gelaufen ... noch nie mehr als 3,5 Stunden am Stück gelaufen.
Nach läuferischen Zielen suchend, kam ich eine Woche und einen Tag vor dem 1. Mai auf die Idee, nicht die Staffel beim Welschlauf mitzulaufen, sondern die gesamte Strecke allein zu bewältigen. Schnell noch gute Tipps von meinen erfahrenen Trainern und Laufkollegen einholen: Wohlfühltempo minus 15 Sekunden los starten, kleine Schritte beim bergauf laufen, Tempo aufwärts rausnehmen, genieße den Lauf!
Also derart gut gerüstet, stehe ich am 1. Mai um 3.30 Uhr auf, schau mir den Wetterbericht für die Südsteiermark an, es bleibt trocken, schwül und sonnig – na ja schönes Wetter, versuche ich Optimismus zu projizieren, aber gleichzeitig der Gedanke, werde ich es schaffen, wenn nicht ist es ja auch egal – nur schnell weg mit den latent negativen Bildern vom Scheitern in der Hitze und am Berg.
4.45 Uhr fahren drei der 4 Staffelläufer und ich los zur schönen Weinstraße in der Steiermark. Am Weg dorthin nur ordentlich trinken, zweimal - wie die kleinen Kinder - mussten wir zum Entleeren anhalten. Dann endlich in Ehrenhausen, dem Zielort. Ich muss schon wieder aufs Klo, daher gehe ich schnell zum Bahnhofsrestaurant. Erleichtert gehe ich raus, der Wirt fragt, ob ich die 10 km laufe – ich sage voller Überzeugung: Nein den gesamten Marathon! Er sagt in nettem steirischem Akzent: So schaust gar net aus. Wieder ein Anflug von Zweifel, ob meiner Entscheidung - schnell weg damit!
Dann in den Zielbereich und zum Bus. Durch den Ort gehend, denke ich zum ersten Mal: Sehr schön hier! Der Bus lässt nicht lange auf sich warten. Ich setze mich mit dem Startläufer der Staffel, der eigentlich ich sein sollte, hinter zwei extrem sportlich aussehenden Typen. Die Fahrt zum Startbereich dauert aber lange, denke ich. Etwas Ablenkung tut gut, eine Unterhaltung mit den zwei Läufern vor mir. Ich erzähle, dass dies mein erster Marathon ist und ich auch brav seit August trainiert habe und seit September 2008 stolzer Besitzer von Laufschuhen bin. Ein mildes Lächeln meiner Gesprächspartner und die Prognose, nach 10 km bei einer Labestelle zu stranden, dort zwei Viertel Welschriesling zu trinken und meine Laufschuhe für immer an den Nagel zu hängen. Schon wieder Zweifel, dass ist doch sonst nicht meine Art. – schnell weg damit! Ich werde es nicht nur probieren sondern machen!
In Wies - dem Startort - geht alles schnell, plötzlich stehe ich mit ein paar Hundert Läufern im Startbereich, der Pfarrer feuert den Startschuss ab, meine Gesprächspartner aus dem Bus zischen ab, ich denke kurz daran mitzulaufen, besinne mich und trabe los. Viele laufen schneller, bin ich zu langsam, es fehlt die Erfahrung. Die erste größere Steigung, ich überhole erstmals andere Läufer, denke noch die laufen eigentlich gar nicht, die gehen ja in den Steigungen. Egal ich bleibe in meinem Rhythmus. Abwärts überholen mich wieder viele der „Geher“. Ich denke kurz darüber nach und laufe weiter. Erste Labestelle; ich bleibe stehen und trinke gemütlich Wasser, schau ein wenig dem lustigem Treiben zu, fast vergesse ich weiter zu laufen, denke nur kurz daran, ich soll das hier genießen.
Weiter geht’s! Schon 10km, jede Labestelle genutzt, es ist ja schließlich sehr warm. Fast bei jeder Labestelle war auch eine Gartendusche aufgestellt, ich habe natürlich jede genutzt. Bergauf behalte ich meine Strategie zu laufen bei, aber es wird nicht leichter. Eine schöne Gegend, viele Pferde, viele Weingärten, sanfte Hügel alles so wunderbar grün.
Ich laufe weiter und habe so insgeheim das Zwischenziel die 21 km zu erreichen, da sind die ärgsten Steigungen geschafft.
Die Staffeln sind 20 Minuten nach uns gestartet, so bei etwas mehr als 13km überholen mich die ersten Läufer laut schnaufend. Meine befreundete Staffel überholt mich ebenfalls kurz danach. Ich denke die Burschen sind eh gut drauf. Jemanden zu kennen, der mir gut zuspricht ist trotz Überholmanövers sehr wohltuend. Danke Thomas. Die Labestellen sind super, überall ist es lustig, du musst fast stehen bleiben um dies zu würdigen.
Dann endlich 21 km – ich habe die Hälfte geschafft und auch noch die längsten steilsten Stücke, vom Streckenprofil, wusste ich ja, dass bei km 35 noch ein sehr biestiger Berg ist, dann geht es eher bergab bis ins Ziel - aber bis dahin sind es ja noch viele Kilometer. Circa nach 25 km – noch immer die gleiche Strategie: jede Labestelle und bergauf mit kleineren Schritten laufen. Plötzlich sehe ich meine Gesprächspartner im Bus – sie gehen – ich denke: man trifft sich immer zweimal, überhole und sage aber nichts, hinter mir höre ich noch: ist das nicht der aus dem Bus. Ich sage nichts und laufe weiter. Einer der beiden überholt mich bald wieder, aber wo ist der zweite.
Ich arbeite mich von km zu km vor, die Steigungen werden immer mühseliger, aber im Profil haben die doch nicht mehr so arg ausgeschaut. Die schnell aufwärts gehenden Personen, sind jetzt gar nicht mehr so viel langsamer – ist es vielleicht doch falsch, was ich mache. Ich laufe weiter.
Vor km 35 überhole ich meine befreundete Staffel, der Schlussläufer hat eine schwere Krise, ich versuche ihn zu motivieren, eigentlich hätte ich es mittlerweile viel nötiger als Hans. Komm mit! Lauf ein Stück, es geht nur mehr abwärts. Er kommt nicht mit und nach ein paar Hundert Meter entscheide ich, selbst weiter zu laufen. Ich schaue auf meine Garmin Uhr und habe abwärts die schnellste Zeit, die ich überhaupt an diesem Tag gelaufen bin - 5 Minuten 55 Sekunden den letzten Kilometer. Das ist geil ich laufe weiter. Noch immer jede Labestelle und Gartendusche nutzend, bewege ich mich eigentlich noch immer laufähnlich. Ich werde es schaffen!
Die letzten 7 km haben laut Profil keine signifikanten Steigungen, aber zwei sind es doch. Ich glaube erstmals, dass ich nicht über diese lächerliche Rampe komme. Ich kann nicht mehr! Unsinn! Jetzt ist es kurz vergessen, wie schön es hier ist und das Genießen habe ich mir auch anders vorgestellt. Aber ich habe fast 40 km bewältigt. Mach weiter! Ich denke kurz an den Kollegen aus dem Bus – vielleicht kommt er noch, jetzt wo ich mich nicht mehr wohl fühle. Schon geht es wieder abwärts. Ich laufe 6 Minuten, bin wieder motiviert. Eine kleine Steigung – wieder das gleiche Spiel. Vergiss es, da vorne ist die Tafel mit 41 Kilometer. Weiter geht’s!
42km! Jetzt finde ich sogar die Ortschaft und die Gegend wieder schön, Ich höre noch: Super Werner echt guat, meine Schnitzel sind jetzt auch fertig. Ich schaue mich um, erkenne den Wirten vom Bahnhofsrestaurant, der mir anerkennend zujubelt. Ich freue mich! Der Typ vom Bus ist auch nicht mehr aufgetaucht. Ich freue mich noch mehr!
Ziel! Mein erster Marathon ein wenig mehr als 5 Stunden, ist aber gar nicht so wichtig, ich fühle mich einfach nur mehr glücklich. Eine Medaille – vielleicht die wertvollste für mich! Ich sehe meine Frau und meine kleine Tochter und pack es nicht vor Freude. Bereits beim Wirten bei Bier und steirischem Backhendl ist es klar, nächstes Jahr bin ich wieder dabei und dann werde ich darauf hin trainieren und meine Zeit um einiges verbessern.
VCM 2010
ein Bericht Othmar Haushofer
 
Sonntag 6:00
 
Mit einer krächzenden Stimme und Halsschmerzen bin ich aufgewacht. Mein erster Gedanke war nicht gerade ideal für meine „ mentale Stärke und mein innerer Schweinehund wütete bis aufs äußerste…...soll ich oder soll ich nicht starten?
 
Als Startläufer einer Staffel war mir in kurzer Zeit klar, dass ich starte, nur dann kam die Entscheidungsfrage ½ Marathon oder doch den ganzen Marathon ?
 
Also ließ ich es darauf ankommen. Als typischer Überpünktlicher war ich bereits um 8:00 im Startbereich, meine Stimmung und Einstellung noch immer nicht im grünen Bereich, aber schlussendlich steckte mich die Wettkampfstimmung und das allgemeine positive Energiefeld im Startbereich an. Mit dem Gedanken, irgendeine Wertung schaffst Du, starte ich meinen 7. VCM und meinen 10. Marathon insgesamt.
 
Die ersten 5 km waren flugs wie dahin, bei km 8 vorbei am Schüttel – die ersten Freunde des Laufsports spornten mich ordentlich an (vielleicht sehen sie mich doch wieder heute  war mein Gedanke) - dann über den Ring hinaus weiter auf der Linken Wienzeile bis zu km 16 (Staffelübergabe) war geschafft. Mein erstes Ziel war erreicht, ich habe meine Staffel nicht hängen lassen.
 
Nochmals meldete sich mein innerer Schweinehund erst knapp vor dem Kunsthistorischen Museum („Othmar!!! Noch kannst du in den ½ Marathon wechseln„) wo man auch als Marathonstarter kurz umdisponieren kann, aber dann ergriff mich doch der Mythos im wahrsten Sinne des Worte voll, und ich entschloss mich den Marathon fortzusetzen. Stabile Zeiten, ein Puls von rd.120 bestätigten das gut getimte  Training, was ich im Rahmen des Lauftreffs bei den Freunden des Laufsports den ganzen Winter auf der Prater Hauptallee  durchzog.
 
Die Tipps von Christian bezüglich Nahrungsaufnahme während des Marathons waren ebenfalls Goldes wert. Meine Freunde am Schüttel sahen mich dann nach km 27 doch das 2. Mal vorbei laufen, und als bei km 30 sich der sogenannte Hammer nicht meldete, war der Weg frei durch „unser sogenanntes 2. Wohnzimmer" - Prater Allee – Lusthaus – km 35  und dann wieder hinaus auf die Schüttelstrasse. Meine Freunde sahen mich auch das 3. Mal (diesmal schon ein wenig geschwächt aber hochmotiviert). Km 40 kam relativ rasch und als ich wieder auf den Ring einbog, war ich glatt begeistert. Die letzten 2 km waren zwar kein Genuss, aber die Freude dem Ziel immer näher zu kommen, verwandelte mich zu einem Traumtänzer. Euphorisch waren die letzten 200 Meter bis ins Ziel und so konnte ich schlussendlich meinen eigenen Sieg über meinen inneren Schweinehund vermelden. (Oder vielleicht war er diesmal auch mein Partner? den zum ersten Mal war ich am Anfang nicht zu schnell und absolvierte einen durchgehend stabilen Marathon ... diesmal mit meiner persönlichen Bestzeit von 04:33:43 ….und das nach 10 jähriger Marathonkarriere).
 
In diesem Sinne vielen Dank an die Trainer (vor allem an Kurt, Christian und Monika) des Lauftreff und an den Verein Freunde des Laufsports. Mein nächstes Ziel hab ich mir schon gesetzt.

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