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Wenn 10 Frauen in der Ferne laufen, dann gibt’s was zu erzählen …
Bericht von Michi Loschy
 
Am 7.Mai 2010 zogen 10 Frauen aus, um Prag und den Marathon zu erkunden. Diese waren Erika, Fritzi, Uschi, Elisabeth, Sabine, Martina, Gisela, Brigitta, Michi H. und ich, Michi L.
Gemeinsam trafen wir uns auf der Expo um die Startnummern entgegen zu nehmen. Da es auch jede Menge preisreduzierte Laufbekleidung gab, wurde fleißig eingekauft.
Erwähnenswert ist die Expohalle mit seiner sehr schön verzierten Kuppel, welche im Abendlicht besonders schön leuchtet.
Bereits bei der Rückfahrt kam es zur 1. Fahrscheinkontrolle in der U-Bahn, der Erika, Uschi und Elisabeth nicht standhalten konnten, da sie kein Ticket gelöst hatten. „Im Ausland fahren wir immer schwarz!“ Alle anderen hatten, nebst einer sehr widerstrebenden Fritzi, ein 24 Stunden Ticket gelöst.
Erika fuhr dieser Schreck dermaßen in die Glieder, dass sie mit allen zusammen gekratzten Münzen, ebenfalls ein 24 Stunden Ticket löste.
Wieder einigermaßen beruhigt, spazierten wir, gemeinsam mit vielen Marathonis, zur Karlsbrücke. Ein wunderschöner Anblick im wolkendurchzogenen Nachthimmel.
Bei der Heimfahrt fuhren wir mit rasant schnellen Rolltreppen, surfend, „fast bis zum Mittelpunkt der Erde“. In Prag liegen die U-Bahnen nämlich sehr tief. In Gedanken schon an ein warmes Bett, sahen Sabine und ich beim Aussteigen eine kleine, versteckte Menschenansammlung.
Sehr gescheit sagte ich zu Sabine: “Schau, dort kann man scheinbar Stoff kaufen.“, und schon standen wir in der schönsten Fahrkartenrazzia, bestehend aus mindestens 5 Männern, wie Gangster drein blickend.
Die fahrkartenlosen Elisabeth und Uschi waren schnell erfasst und sollten jeder sofort 700 Kronen (28€) bezahlen. Bei Weigerung  würde die Polizei geholt, die beiden mitgenommen, um dort jeder 1700 Kronen (68€) zu zahlen.
Der Kontrolleur ließ keineswegs mit sich verhandeln und rief sofort die „Polizei“? Alle legten ihre Scheine zusammen, um die beiden auszulösen. Die nicht kontrollierten Martina, Sabine und Gisela hatten sich hinter einer Säule versteckt, da sie an einen Überfall geglaubt hatten.
Sehr aufgewühlt trafen wir im Hotel ein. Jetzt aber schnell ins Bett. Während beide Michis, Brigitta und Uschi schnell das Land der Träume erreichten, hatten die Anderen noch ein weiteres Erlebnis. Fritzi wollte ihre Nachttischlampe einschalten und verursachte damit einen Kurzschluss auf ihrem Trakt. Sabine fand nicht mehr aus dem WC in der plötzlichen Dunkelheit und Martina putzte im Schein ihres Handydisplays ihre Zähne. Und Fritzi versuchte mit ihrem besten Englisch dem Portier ihr Problem zu schildern. Der Rest der Frauen versammelte sich sicherheitshalber am Gang des 5. Stocks. Nach ca. einer ¾ Stunde gab es wieder Strom und Fritzi gelobte die Nachttischlampe nicht mehr zu berühren, da die Glühbirne mit der Fassung verschmolzen war.
 
 
Samstag, 8.Mai 2010
 
Trotz der Aufregungen in der Nacht, erschienen alle pünktlich zum Frühstück. Heute wollten wir „gemütlich“ Prag erkunden.
Dazu teilten wir uns in 2 Gruppen. Erika, Uschi und Elisabeth zogen alleine, lt. Reiseführer los. Dieser führte sie am Museum Anton Dvorak vorbei, durch den Botanischen Garten, welcher ein weitläufiges Gelände mit blühenden Sträuchern in allen Farben ist. Weiter gings zum Emmaus Kloster, welches ein Dach aus Stahlbeton in Form gekreuzter Flügel hat. Den wohl verdienten Abschluss bildete ein Kaffeehausbesuch am Moldauufer im Kaffee Smetana.
Der Rest der Gruppe  besichtigte die Altstadt, den Altstädter Ring. Vorbei am Revolte Denkmal (Schlüssel Skulptur), an der Marathonskulptur. Nach einem vorgezogenen Finisherfoto im Start/Zielbereich, erreichten wir das Altstädter Rathaus mit seiner astronomischen Uhr. Zu jeder vollen Stunde setzt sich die Apostelprozession in Bewegung.
Der Blick vom Rathausturm war prächtig, und ließ uns ein Dachterrasssencafe erblicken. Alle waren sich sofort einig, jetzt ist Kaffeezeit!
Anschließend besichtigten wir die Teynkirche, welche Neu Schwanstein ähnelt.
Um 15 Uhr wurden wir zur Schifffahrt auf der Moldau abgeholt.
Vom Schiff aus, sahen wir weitere Prager Sehenswürdigkeiten, z.B. das Metronom, die Prager Burg mit dem riesigen Veitsdom, danach eine Nachbildung des  Eiffelturms, dem Petrin Turm. Nun fuhren wir unter der Karlsbrücke durch, auf welcher sich  Tag und Nacht 1000e Touristen befinden. Auf dieser Brücke gibt es eine Galerie von Heiligen. Unter anderem auch den Heiligen Johann von Nepomuk.
Nach der Schifffahrt fanden wir für Sabine endlich eine Bäckerei! Mindestens 2x waren wir hier bereits vorbei gegangen, denn um die Ecke war einer unserer Bankomaten! Diese wurde sofort von uns gestürmt.
 
 
Sonntag, 9.5.2010
 
Heute war es endlich soweit- Marathontag!
Die Aufregung war greifbar. Bereits um 8 Uhr verließen die beiden Marathonis und jeweils die beiden ersten unserer Staffeln das Hotel. Michi H. war diesbezüglich sehr erfinderisch gewesen. Jeder Starter erhielt einen gelben Müllsack, um sich bei diesen Wetterbedingungen(Wind und möglichem Regen) zu schützen. Damit sich die Staffelteilnehmer bei der Übergabe leichter treffen würden, hatte Michi aus Hüllen von Gefäßprothesen und den gelben Müllsäcken Fahnenstangen gebastelt.
Am Startplatz tummelten sich viele Teilnehmer, inklusive startender Kinder. Der Anfang der Strecke konnte nicht zum Sightseeing verwendet werden, da die Straße hauptsächlich aus kleinem Kopfsteinpflaster bestand. Weiters erschwerend waren ziemlich große Löcher im Straßenbelag; echte Fallgruben.
Marathoni Nr. 1, Sabine, ging es sehr gut. Nur zu Beginn plagte sie, wie immer, ihre Blase. Aber leider waren sämtliche der vielen aufgestellten Mobil-WCs versperrt! Sogar auf der Laufstrecke gab es versperrte WCs! Eigentlich eine Frechheit! Sabine beschloss einen WC-Katalog für Marathonläufe zu entwickeln! Anfangs war sie dicht hinter dem 4 Stunden Ballon zu sehen. Doch leider hielt sich der Pacemaker nicht an seine vorgegebene Zeit und wurde immer schneller und Sabine „fiel“, so glaubten wir, ordentlich zurück. Hätte auch nichts gemacht, denn der VCM-Marathon lag erst 3 Wochen zurück! Im Ziel angekommen, strahlte eine glückliche Sabine mit ihrer Zeit um die Wette- 4h 05min! Nochmals Gratulation, Sabine! J
Marathoni Nr.2, Martina, ging es anfangs nicht so schlecht. Doch dann bekam sie Kreislaufprobleme und musste sich geschlagen geben. Aber nicht, dass sie sich einfach am Straßenrand niederließ. Wohlweislich durchdachte sie eine gute Strategie um auf jeden Fall gefunden zu werden. Erst nachdem sie Michi H. auf der Strecke gesichtet hatte, gab sie sich ihrem Kreislauf geschlagen und rief sie telefonisch um Hilfe. Sie hat sich Gott-sei-Dank bald erholt und konnte uns bereits im Ziel empfangen.
Staffel Nr.1, bestehend aus Gisela, Michi H., Michi L. und Brigitta schlug sich sehr wacker. Gisela trat nach fast 4 Monaten, verletzungsbedingter Laufpause, zum 2. Mal ins Laufgeschehen ein. Hundert mal erklärte sie uns, nicht schnell laufen zu können und auch notfalls zu gehen. Auch ein Notfallsplan in Form von mir, Michi L. lag vor. Hätte Gisela abbrechen oder gar nicht laufen können, so hätte ich ihre Strecke dazu übernommen. Aber gar nichts war nötig, denn Gisela lief und lief und lief. Vielleicht nicht ihre Topzeit, aber noch längst sehr gut. Im Ziel strahlte sie jedenfalls sehr!
Auch Michi H. strahlte bei der Staffelübergabe über das ganze Gesicht. Auch sie hatte nach einem schweren Bandscheibenvorfall sich fleißig zu ihrer ehemaligen Form zurück trainiert! Bedingt durch die Erkennungsstangen mit den gelben „Fähnchen“, sahen wir uns schon von weitem! Nochmals, danke Michi!
Mir, Michi L., ging es ebenfalls bestens. An den Straßen gab es Musik und der Rhythmus lud zum Laufen ein. Wie es bei mir aber so ist, werde ich langsamer, wenn ich ohne Coach laufe. Somit hängte ich mich an einen Marathoni an und wir spielten gegenseitig Pacemaker. Schon von weitem sah ich die gelbe Fahnenstange, wo mir Brigitta bereits zuwinkte.
Auch Brigitta lief zügig und schnell. Sie musste ja immerhin 12,1km bis ins Ziel laufen. Dabei überholte sie viele bereits Gehende. Im Ziel schockte sie uns allerdings, als sie nur mit einer, nämlich ihrer Medaille, zum Treffpunkt kam. Laut Veranstalter sollte der Letzte alle Medaillen für seine Staffel bekommen. Dies musste noch geklärt werden!
 
Staffel Nr. 2, bestehend aus Uschi, Fritzi, Elisabeth und Erika ging es ebenfalls gut.
Uschi, laut ihren Worten, etwas aus der Übung, da länger nicht gelaufen, schlug sich wacker und war mit sich zufrieden.
Fritzi, stets zu Späßen aufgelegt, ließ beim Weg zum Start Michi H. nicht aus den Augen, damit sie ja nicht verloren ging in der fremden Stadt. Auch sie war mit ihrer Zeit zufrieden! Als Michi H. schließlich zum Rettungseinsatz für Martina antreten musste, setzte sie sich auf ihren Marathonstadtplan am Gehsteig um auf die 3. Staffelläufer zu warten. Nachdem ihr die Warterei zu lang wurde, schenkte sie Securitymännern vor einer Botschaft bei Kilometer 31 den Plan und rief mich an, damit wir uns treffen konnten. Ca. bei Kilometer 30,5 sahen wir eine erleichterte Fritzi auf uns zu kommen. Und was tat Fritzi bei der Botschaft? Sie holte sich ihren Plan zurück, denn der gehörte ja ihr und sie brauchte ihn noch! Das verdutzte Gesicht der Männer kann man sich vorstellen! Aber das ist unsere Fritzi! J
Elisabeth, über den Winter ebenfalls verletzt, dafür in letzter Zeit eher tanzend durchs Leben gehend, schlug sich ebenfalls sehr gut und war auch mit sich zufrieden. Nur sie war sich mit Uschi einig, 10km und kein Meter mehr. Aber stolz waren sie ja doch auf sich!
Die 4. und somit Zielläuferin ihrer Staffel war Erika. Gemeinsam mit ihr wartete ich auf ihre Ablöse. Als Wind und Wolken aufzogen, schlüpfte sie kurz entschlossen in ihren gelben Sack um sich warm zu halten. Langsam leerte sich der Staffelübergabeplatz und Erika wurde langsam nervös. Hatte Elisabeth aufgegeben? Saß sie irgendwo und plagten sie ihre Kreuzschmerzen? Nein, alles war ok und Elisabeth kam, müde aber stolz! Nun konnte Erika angasen und das tat sie auch. Voller Energie legte sie die 12,1km bravourös zurück. Sie wollte sich ursprünglich nicht wirklich verausgaben, aber es machte sie doch stolz, noch 3 andere Staffelläufer überholt zu haben. Und das mit diesem Abstand!
 
Als alle Läufer beim vereinbarten Treffpunkt ankamen, gab es zuerst viel an Erfahrung auszutauschen. Nun ging es ans Medaillen besorgen. Im Zielbereich fanden wir gleich einen Dolmetsch. Am Abend sollten bei einem Fest die Medaillen verteilt bzw. mit der Post versandt werden. So lange konnten wir nicht warten! Mit ein bisschen Scharm und Flunkerei bekamen wir unsere Medaillen sofort und konnten unsere Finisherfotos zur Genüge machen.
Nun stürmten wir den gegenüberliegenden Crepestand und kauften fast alle einheitlich Crepe mit Schoko und Banane. Es leben die Kalorien!
Den Abend verbrachten wir wieder getrennt. Erika, Uschi und Elisabeth gingen in ein Schattentheater, während die restliche Gruppe in einem Lokal auf der Kleinseite „schlemmte“. Immerhin mussten nicht nur unsere Erfolge, sondern auch der Muttertag gefeiert werden!
 
 
Montag, 10.5.2010
 
Heute fuhren wir alle gemeinsam auf den Hradschin. Das Wetter war Wolken verhangen, aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Bewaffnet mit Schirmen gings los.
Nach U-Bahn und Fußmarsch gelangten wir zur Prager Burg. Mächtig liegt sie auf dem Hradschin; sehr eindrucksvoll! Leider konnte sich beim Hinweg Brigitta nicht lautstark bemerkbar machen und so versäumten wir den Anblick wunderschöner Gärten! Das Burggebiet, bewacht von Soldaten mit stündlicher Wachablöse, beinhaltet den Veitsdom mit seinen mächtigen Türmen, den ehemaligen Königspalast, die St. Georgskapelle und den Sitz der Regierung.
Den Abstieg vom Hradschin tätigten wir durch den Cobenzl von Prag und gelangten zu einem Weinbistro. Die schräge Hanglage dürfte die Kellner allerdings von unserer Bedienung abgehalten haben, denn wir saßen ganz unten. So genossen wir nur die schöne Aussicht unten entspannten unsere Füße.
Am heutigen Montag wollten wir auch noch den Judenfriedhof und 4 Synagogen besuchen.
Heute befinden sich im jüdischen Friedhof nahezu 12000 Grabsteine dichtest aneinander gereiht. Pro Grab sollen bis zu 12 Personen begraben sein. Keine Ahnung wie man bei dieser Enge der Grabsteine Menschen begraben hat. Die bedeutendste, beerdigte Persönlichkeit ist Rabbi Löw.
Unseren letzten Abend verbrachten wir in einem mexikanischen Lokal, etwas laut, etwas verraucht, gut besucht. Das Essen schmeckte lecker und machte alle satt. Den Abschluss bildete zum wiederholten Male eine Gesamtrechnung. Dies vermiest einem schon ein bisschen den Abend, wenn du im gedämpften Licht, für 10 Personen das Essen auseinander dividieren musst! Trotzdem war es ein gelungener Abschlussabend.
 
 
Dienstag, 11.5.2010
 
Heute war Abreisetag. In kleinen Grüppchen wurde noch schnell besichtigt, geshoppt und schließlich abgereist.
Wir waren zwar eine bunt durch gemischte Gruppe, haben uns aber eigentlich sehr gut miteinander verstanden.
Auf ein Neues...