Herzlich Willkommen
Freunde des Laufsports Austria
Lauftreff jeden MO und DO
Treffpunkt 18:25 h - Prater Hauptallee—Stadionparkplatz

NW - PW jeden MI 10:00 h Eingang Stadioncenter
Leiden pur!!!
Bericht von Helmut Treitler
 
…so wurde der Termin für den 12 Stundenlauf in Vogau in meinem Terminkalender benannt. Nun ist endlich der Tag gekommen, auf den ich monatelang hingearbeitet habe. Bereits am Freitag angereist, holte ich mir meine Startnummer und begab mich in meine Unterkunft um ja rechtzeitig ins Bett zu kommen. Dies tat ich auch und ab 04.00 Uhr morgens war es vorbei mit meiner Bettruhe. Irgendwie schien da wieder die innere Uhr zugeschlagen zu haben, da das die Zeit ist, mich für die bereits gewohnte Kahlenbergrunde vorzubereiten. Nur dauert es an diesem Tag ein bisschen länger. Locker und komplett entspannt, genehmigte ich mir ein leichtes Frühstück und begab mich in Richtung des Starts. Alles Wichtige für meine 12 Stunden deponierte ich bei unserem Zeltplatz. Endlich war es so weit und der Startschuss erfolgte. Ich hatte mir drei Ziele auferlegt: Durchlaufen, mindestens 100 km und Traumergebnis 115 km. Mit eiserner Disziplin versuchte ich mein Tempo zu finden, was mir auch relativ rasch dadurch gelang, da ich auch immer wieder vom perfekten Betreuerteam Rückmeldung bekam, wie die Rundenzeiten sind. Übermotivierte Mitläufer zogen gleich auf und davon und ich dachte mir, dass die Zeit sicher kommen wird, viele von denen wieder zurückzurunden. Dass das bei einigen schon nach den ersten 3 Stunden der Fall war, überraschte mich. Spätestens da wusste ich, dass meine Taktik aufgehen müsste. Bis auf zweistündige Muskelschmerzen gab es in den ersten 6 Stunden keine Probleme. Wichtig für mich war, ausreichend zu trinken und Nahrung zu mir zu nehmen. Das tat ich auch. Nach 7 Stunden stieg Christian Ulreich bei mir ein und übernahm meine persönliche Betreuung. Auf meine Frage, ob er gedenke, mich bis zum Ende der 12 Stunden zu begleiten, bekam ich eine positive Rückmeldung von ihm. Jedoch nur unter der Bedingung, dass ich das auch tatsächlich will. Einen Profi wie Christian an seiner Seite zu haben, ist mehr als perfekt und ich stimmte dem mit Begeisterung zu. Ich wusste, dass in den nächsten Stunden der übliche „Hammer“ kommen müsste. Die nächsten 2 Stunden waren kein Problem und ich konnte sogar behaupten, diese den Umständen entsprechend genossen zu haben. Ab der 9.Stunde machten sich leichte Magenprobleme bemerkbar, die jedoch erträglich waren. Zu diesem Zeitpunkt bremste mich Christian ein, damit ich mich regenerieren konnte, sofern das bei der Belastung möglich war. Ab da war die Betreuung durch Christian „lebensrettend“. Er übernahm das Kommando und reichte mir abwechselnd Gel, feste Nahrung und Getränke. Ich war echt froh, nicht mehr die Getränkeflaschen halten zu müssen und das war eine enorme Entlastung für mich. Dadurch konnte ich mich nur auf mich selbst konzentrieren. Nach 10 Stunden war die Marke 100 km erreicht und ab da wusste ich, dass heute mehr gehen sollte, als das Maximalziel zu erreichen. Die letzten 2 Stunden sind nur mehr Draufgabe, dachte ich mir und ich pushte mich Runde für Runde. Nun war nur mehr mein Wille gefragt und es kam bei mir nie der Gedanke auf, eine Gehpause einzulegen. Ich wollte unbedingt durchlaufen und bei dem bisherigen Tempo müssten heute 120 km möglich sein. Weiters war ich echt überrascht, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt keine Probleme mit meinen Beinen hatte. Das eingestellte „Uhrwerk“ funktionierte immer noch  perfekt. In der letzten Periode war ich besonders empfänglich für die aufmunternden Worte von Christian und es war auch immer wieder ein Genuss, bei unserem Zelt vorbei zu laufen, da die Anfeuerungsrufe von Runde zu Runde lauter wurden. Jetzt noch kämpfen und beißen und es wird schon gut gehen, dachte ich mir. Noch eine Runde. Noch eine Runde. Und bald wird es vorbei sein. Plötzlich zeigte mein Garmin 120 km!!! Da wollte ich schon aufhören und Christian meinte, dass wir noch weiterlaufen sollen, um möglichst nahe zu unserem Zeltplatz zu kommen. Sollte mir auch recht sein und wir wurden noch einmal eine Spur schneller. Knapp erreichten wir unseren Zeltplatz nicht, diese letzten Minuten waren jedoch ausschlaggebend, dass ich dann doch mit 120,4 km gewertet wurde. Glück gehabt!!! Völlig erledigt, legte ich mich nieder und wartete die Vermessung ab. Aus dieser Position wieder aufzukommen, war gar nicht so einfach, musste mir helfen lassen und erst jetzt schossen die Schmerzen so richtig ein. Ich war vor lauter Freude den Tränen nahe. Das war mein Tag.
Noch schnell ein paar Schluck Bier (das hatte ich mir echt verdient) und ab ins Quartier. Um einem möglichen Schüttelfrost vorzubeugen, nahm ich eine extrem heiße Dusche und legte mich mit 2 Decken ins Bett. Ein kurzer Schlaf von 10 Minuten reichte, um wieder halbwegs hergestellt zu sein. Der Termin der Siegerehrung drängte. Kurz vor 22 Uhr traf ich dort ein und die Siegerehrung stand unmittelbar bevor. Ich rechnete mit einer guten Platzierung und ich wurde extrem positiv überrascht, in meiner Alters-Klasse den 3. Platz erreicht zu haben. Als mein Name genannt wurde, gab es an unserem Freunde des Laufsports-Tisch einen Riesenaufschrei und die Gratulationen, die ich entgegen nehmen durfte, gingen mir echt unter die Haut. Das war sensationell und ich werde diesen Tag mit allen Details lange in Erinnerung behalten.
 
Danke an alle, die an mich geglaubt haben und mich so fantastisch angefeuert haben. Ihr wart echt toll und das gab mir Kraft, diese Hürde zu überwinden.
Mein besonderer Dank geht an Christian Ulreich, ohne den es für mich nicht möglich gewesen wäre, diesen Erfolg in der Form einzufahren. Er hat mich auch in der Vorbereitung mit seinen Tipps in Bezug auf Trainingsumfang und –intensität dort hin gebracht, um diese Leistung zu erbringen.