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Es war ein ereignisreiches Wochenende für Österreich. Am 10. Oktober wurde Peter Handke der Literaturnobelpreis verliehen, einen Tag später hat das Organisationskomitee der INEOS-159-Challenge verkündet, dass das Ereignis am Samstag steigen wird, und am Sonntag war dann auch noch Graz Marathon.

Aber schön der Reihe nach. Wenn jetzt einige Leser zurecht einwenden, dass der Literaturnobelpreis auf der Website eines Laufclubs eigentlich nix verloren hat, solange ihn nicht endlich Haruki Murakami kriegt: O.K. Aber ich als Buchhändlerin kann trotzdem nicht dran vorbei.

…und Murakami kriegt ihn hoffentlich nächste Jahr. Denn alleine schon für sein Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“, hätte er den Preis verdient. Sollte es LäuferInnen geben, die dieses Buch noch nicht im Regal stehen haben – bitte unbedingt lesen.

Unser Peter Handke ist wahrscheinlich der unsportlichste Literat den dieses Land je hervorgebracht hat. Seine sportlichste Betätigung ist Schwammerl suchen und der sportlichste Titel den er je geschrieben hat ist „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und auch darin geht´s nicht um Sport. Nicht einmal ansatzweise. Trotzdem habe ich einige Titel aus seinem jahrzehntelangem Schaffen gefunden die sich wunderbar in diesen Bericht einfügen - allen voran „Versuch über die Müdigkeit“.

Sehr passend zum INEOS 159 Event, das tatsächlich am 12.10 in der Prater Hauptallee über die Bühne gegangen ist. Viele von uns waren dort. Allen die nicht dabei waren sei gesagt: Ihr habt echt was versäumt. 60.000 begeisterte Menschen, die komplett aus dem Häuschen waren, als Eliud Kipchoge, mit seinen Begleitern es tatsächlich geschafft hatte die 42km unter zwei Stunden zu laufen. Der Lärmpegel war dermaßen hoch, dass die „Chronik der laufenden Ereignisse“ danach ein Pfeifen in meinen Ohren verzeichnete, von dem ich Stunden später noch befürchtet habe, dass es als Tinnitus bleibt. Handke hätte spätestens jetzt den „Versuch über den geglückten Tag“ geschrieben.

Auch das Gedränge durch das ich musste, um schnell nachhause zu kommen war unglaublich. Eindeutig „Das Ende des Flanierens“. Nach meiner „langsamen Heimkehr“ bin ich unmittelbar in den Zug gestiegen um nach Graz zu fahren. Meine Mitreisenden waren mein Mann Michael, und Alex.

Ich habe mich außerdem mit Peter, einem sehr schnellen Läufer aus dem Team Vegan verstärkt. Der wiederum hatte seine Freundin Monika und Hund Bella mit dabei. Peter, der den Marathon normalerweise in 3h 30min absolviert, hatte sich bereit erklärt mit mir durch Graz zu laufen und darauf zu achten, dass ich keine „falsche Bewegung“ mache.

Nach der Ankunft haben wir erstmal unser Hotel bezogen und sind dann zur Startnummernabholung gepilgert. Dazwischen haben wir uns noch „Langsam im Schatten“ ein Bier auf der Murinsel gegönnt.

Nach einem gemütlichen Abendessen hatten wir an der Hotelbar noch eine kleine Vorbesprechung um den Streckenplan zu studieren. Alex hat in einem anderen Hotel gewohnt, und ist deshalb früh schlafen gegangen - sehr vernünftig. Denn beim Frühstück am Sonntag habe ich es bereut, dass ich „gestern unterwegs“ war.

„Weil das Wünschen noch geholfen hat“ hatten wir Traumwetter. Zumindest für mich. Alex fand den Sonnenschein nicht so toll, denn bei 25° hat er das Gefühl „Das Gewicht der Welt“ auf seinen Schultern zu tragen. Manuela und Sigi waren auch für den Marathon gemeldet. Die zwei haben wir allerdings erst auf der Strecke getroffen. Bis „zur Stunde da wir nichts voneinander wussten“ mussten wir bis zum Kilometer fünf laufen. Dort sind wir uns das erste und einzige Mal begegnet. Wobei, stimmt nicht ganz, Manuela hat mich noch einmal bei circa km35 gesehen. Da war meine Wahrnehmung aber schon etwas getrübt.

Aber schön der Reihe nach: Vom Start weg hat uns der Pacemaker für die 4-Stunden gleich mal stehen gelassen und ist in einem lockeren 5,20min/km los getrabt. Die verwirrte Läuferschar, die er zurückgelassen hatte, war doch ziemlich verunsichert und hat sich deswegen Peter und mir angeschlossen. Peter hatte somit nicht nur ein Schäfchen zu betreuen, sondern gleich eine ganze Herde. Als erfahrener Läufer hat er aber alle bestens umsorgt. Zuerst mit der Bestätigung, dass der Pacemaker zu schnell und unser Tempo das richtige ist, und danach bei jeder Labestation. Vier Becher Wasser links, vier Becher Iso rechts, und dazwischen hat er sich noch ein paar Bananen in die Arme geklemmt. So hat er die ganz Horde auch noch einen Kilometer nach der Labe versorgt. Und wenn gar nichts mehr gegangen ist, hat er sogar noch diverse Gels hervorgezaubert. Auf diese Art und Weise sind wir wunderbar in der geplanten Zeit bis zum km35 gekommen. Um diese Zeit habe ich dann aber schon das „Gedicht an die Dauer“ verfasst und ab km37 kam dann Der große Fall“. Die letzten fünf Kilometer waren verdammt hart und entsprechend langsam. Mit 4h 3min haben wir das Ziel erreicht. Da ich aber am Start eher mit einer Zeit von 4h 10min gerechnet hatte, war ich trotzdem furchtbar stolz. Auch Manuela ist mit 4h 11min früher angekommen als geplant. Nur Alex hatte etwas Verspätung. Die Mischung aus dem Halbmarathon in Bregenz in 1h 58min nur eine Woche davor und den doch recht warmen Temperaturen forderten ihren Tribut.

Ein durch und durch erfolgreiches Wochenende!