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Marathon Frankfurt

Klaus Sauerkrenn

Mein Herbstmarathon 2018. Ich glaube der gesamt 15. oder 16.,  Trotzdem für mich ein ganz Besonderer. Da ich mich seit nunmehr 2 Jahren intensiv damit beschäftige, meine Zeit am Marathon Minute für Minute schneller zu werden, gab´s für mich in dieser Zeit einige neue Bestzeiten wie HM, 10er, Tausender in für mich vorher unvorstellbaren Qualität, aber auch viele Rückschläge…Im Mai dieses Jahres hatte ich so einen Rückschlag, beim SBG-Marathon, KM 34 war er wieder mal da, der Mann mit dem Hammer. Ich hatte ihn bis dahin schon fast vergessen, aber es gibt ihn noch!

Gut, mit all dem abgehackt flieg ich mit Michaela nach Frankfurt,  ich habe den Sommer brav und fokussiert trainiert. Mein Ziel: die Tür zu sub3:00:00 so weit wie möglich zu öffnen, ich bin überzeugt von einer Zeit um die 3:02 herum.

Was mir aber im Kopf herumgeht: Ein Telefonat vom Vortag mit meinem Freund, Coach und Menthaltrainer. Manfred, selbst ein Läufer in Höchstform mit einer Zeit von 2:42 in Berlin, kennt meine Leistungen dieses Jahres, er weiß über mein Training und über meinen Status Bescheid.  Er gibt mir Tipps für den Bewerb, will aber dass ich 2:59:59 anvisiere.  Diesen Wünsch verwerfe ich jedoch gleich wieder, ich will mich nicht ein weiteres Mal verbrennen und bin mit einer Zeit knapp über 3 Std höchst zufrieden.

Die Zwei Tage in Frankfurt vor dem Marathon waren mehr als fad, da Michaela total verkühlt war und das Hotelzimmer kaum verlassen hatte. Somit wurde nichts aus dem Vorhaben die Stadt im Vorhinein als Touristen zu erkunden, lediglich zur Startnummernabholung am Vortag reicht es.

Sonntagmorgen.  Nach einem zeitlichen Frühstück und kurzem einlaufen  mit Steigerungen steh ich am Start. Es ist saukalt, schätze so um die 6 Grad, vielleicht etwas wärmer aber jedenfalls unter zehn. Zudem Windböen,  die mich am Weg zum Start fast zurückwarfen. Ich mische mich unter die Menschen und versuch mich in der Menge etwas zu wärmen. Ein paar Minuten vor  Start, wo sind eigentlich die Pacemaker? Verdammt! Erst jetzt bemerke ich dass ich einen Block zu weit hinten steh. Ich hab keine Chance mich vorzudrängeln und denke: NA SUPER!!!!  Erst drei Minuten nach Start passiere ich die Startlinie. Ich schmeiß mich sofort auf die Überholspur, aber erst nach ca. 4Km find ich in meine geplant Pace rein, befinde mich aber immer noch bei den Läufern vom Block 3, sodass ich die ganze Zeit am Überholen bin, meine Konzentration gilt dem vorbeischlängeln an den anderen Läufern.

Bei km 15 das Erste Mal eine Hochrechnung über meine Pace: Oh, zu schnell. Ich bemerke dass ich bei diesem Tempo unter 1:30 den HM passiere, was auf keinen Fall passieren darf. Ich nehme bewusst raus, erreiche eine Durchgangszeit knapp über 1:30. Okay, Schaden begrenzt.

Ich will das Tempo beibehalten, die ganze Zeit etwas Schiss vor den Km über 30. Immerhin hab ich noch nie in dieser Zeit diese km erreicht, wer weiß was noch kommt.

Aufgrund der Stimmung, den DJs und den Bands auf der Strecke verfliegen die nächsten Km nur so vorbei, ich erreich die 30 bei etwa 2:07, und erfreue mich an einem wunderbaren Detail:  die DJs ab dieser Strecke spielen ausschließlich Musik aus meiner Jugend, also DJ BOBO, 2 Unlimited und andere so schreckliche Sachen. Ich bekomm bei  dieser Musik ein HIGH- Gefühl,  komm mir 20jahre jünger vor und laufe mit einer Freude wie selten zuvor! Vergesse  total die Pace zu kontrollieren und jubele einfach bei jeder KM- Markierung.

Bei Km 35 ein Blick auf meine Uhr, beim Versuch die verbleibenden 7 Km zu addieren komm ich ins Grübeln. Ich denke:,, Das kann doch nicht sein!  Selbst bei einer 4:15er Pace finishe ich unter 3 Std… nö, sicher verrechnet…“

Die Rechnerei macht mich nervös, bin mir aber sicher dass ich meine Pace bis ins Ziel halten kann, weshalb ich die Uhr am Handgelenk umdrehe, ich will jetzt nichts mehr sehen!!!

Ich passiere die 40, kurz vorm 41er laufen die Pacemaker  für 3Std vor mir! Ich Schrei vor Freude! Kann es nicht glauben! Stimmt also doch! Jetzt wird es mir erst wirklich bewusst! Ich werde unter 3 Stunden finishen! Was für ein Gefühl, an den Pacemakern vorbei zu laufen! Ich starte meinen letzten Turbo, merke, wie mein Tempo schneller wird! Scheiss egal, es kann nichts mehr sein! Das Ziel ist in Sicht! Rein in die Halle, in der sich das Ziel befindet, an den letzten 200m links und rechts Cheerleaders, die Menge jubelt! Ich sprinte! BUMMM!

Ich bin über der Linie! Die Uhr am Ziel zeigt irgendwas mit 2:58! Ich umarme alle möglichen Leute im Ziel! Manche weinen!

Wir werden in den Verpflegebereich weiter geschoben,  eine Dame hängt mir eine Medaille um den Hals, ich umarme sie und erdrücke sie fast.

Als nach mir Leute ins Ziel kommen und sich erfreuen an einer Zeit unter 3Std, wo ich schon meine 3. Suppe getrunken hab, check ich erst dass ich deutlich drunter sein muss. Schließlich waren es 2:56:14!!