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Ende Dezember 2017 fasste ich den Entschluss, mir einen schon vor langer Zeit gehegten Wunsch zu erfüllen. Den Dirndltal Extrem Ultra Trail. Seine Eckdaten, stolze 5000 Höhenmeter verteilt auf 111Km. Die Vorbereitung für diesen doch sehr anspruchsvollen Lauf war für mich sehr viel Neuland. Von Ende Dezember bis in den Juli dauerte mein Training. In diesen sieben Monaten hatte ich viel Spaß beim Laufen. Die meiste Zeit verbrachte ich abseits befestigter Straßen, auf Laufstrecken im Gelände. Schotter, Geröll, Wiesen und Waldwege waren mein bevorzugtes Terrain. Ich schaffte es, mein hohes Trainingspensum verletzungsfrei und frei von diversen Infekten zu absolvieren.

In der letzten Woche vorm „Dirndltoler° wuchs meine Anspannung und mir kamen nun doch Zweifel ob diese Sache nicht doch eine Nummer zu groß für mich ist. Im Laufe der nächsten Tage legte sich meine Unsicherheit. Ich war hervorragend in Form und top motiviert. Die Vorfreude stellte sich wieder ein. Am Tag des Wettkampfs hatte ich ein sehr gutes Gefühl und ich freute mich schon auf mein großes Abenteuer. Manuela brachte mich frühmorgens zum Start. Es herrschte eine phantastische Stimmung im Startgelände.  Nach der Begrüßung von einigen bekannten Läufern machte ich mich daran meine Sachen, die ich auf der Strecke benötigte zusammenzupacken. Ich war völlig relaxt und voller Selbstvertrauen, ich hatte nicht den geringsten Zweifel diesen Bewerb zu finishen. Als ich gerade dabei war mir meine Schuhe zu binden hörte ich aus dem Startbereich ein leises fünf, vier, drei, zwei, eins, Start. Na da probierens schon das Startsignal, dachte ich. Da schoss plötzlich Manuela um die Ecke und rief ganz aufgeregt in meine Richtung „die sind schon alle weg“. 

Na gut, dachte ich mir, jetzt ist es wirklich mal Zeit, fertig zu werden. Nach einer ausgiebigen Bedrückung und einem dicken Kuss von Manuela gings los. Ich bog im Laufschritt um die Ecke auf die lange Startgerade und startete meine Uhr. Da war tatsächlich kein Läufer mehr zu sehen. Alle weg. Ein paar Zuschauer an der Strecke blickten mich verdutzt an. Hatte ich doch tatsächlich den Start verpasst. Ich musste schmunzeln. Die Strecke vom Start bis zum CP1 wollte ich für das „warm up“ nutzen. Schnell fand ich einen guten Laufrhythmus, langsam aber gut. Es dauerte einige Zeit bis ich auf die ersten Mitstreiter auflief und nach einem kurzen Smalltalk auch gleich überholte.

Als ich den CP1 neben der Kirche erblickte sah ich auf meine Uhr, zwei Minuten unter meiner Sollzeit. Meine Laufzeit passte perfekt zu meinem Laufgefühl, es fühlte sich an wie im Training. Der Einstieg in diesen Lauf war bestens gelungen. Ich füllte meine Wasserflaschen für die nächste Teilstrecke. Die nächsten Kilometer waren mir wohlbekannt, führten sie doch ganz nahe an meinem Zuhause vorbei. Bei Kilometer 12 schloss ich auf Igor auf. Wir liefen ein kurzes Stück zusammen.  Nach einem steilen Asphaltstück begann ein Forstweg, dann gings ein paar Km entlang der alten Römerstraße. Ich liebe diesen Teil der Strecke mit seiner großartigen Aussicht über das Pielachtal und den Blick auf den „1000 Dirndl-Berg“ der Gaisbühel. Von Umbach ging es über einen steilen Anstieg in Richtung Luft. Kurz vor dem CP2 wanderte mein Blick wieder auf meine Laufuhr. Drei Minuten unter Sollzeit. Es lief perfekt.

In CP2 warteten schon Manuela und Katharina auf mich. Die Freude war groß bei unserem zusammentreffen. Die Beiden halfen mir beim auffüllen meiner Vorräte und Getränke. Zwei Minuten später ging es weiter. Inzwischen war es ziemlich warm geworden. Mein Bedarf an Getränke, hatte sich bei einem Liter pro Stunde eingependelt. Nach einer dreiviertel Stunde warf ich einen Blick auf meine Zeitentabelle und erkannte sofort mein Missgeschick. Meine Laufzeit bis zum CP3 betrug eine Stunde und 25 Minuten. Das war fast um eine halbe Stunde länger als ich in Erinnerung hatte. Verdammt, ich hatte nur einen Liter Wasser dabei, das war viel zu wenig. Plan „B“ hieß Wasser sparen, was natürlich bei der Hitze böse Folgen haben kann. Ich hatte noch ungefähr zwanzig Minuten bis zum CP3 mir gings aber noch sehr gut. Dann plötzlich eine Weggabelung, ohne Markierung. Geradeaus bergauf oder leicht rechts und bergab? Ich stoppte und überlegte, welchen Weg soll ich nehmen?  Mein Bauchgefühl sagte „Sigi, lauf rechts“ mein Verstand sagte „wenn’s keine Markierung gibt geht’s immer geradeaus, ich entschied mich für rechts. Ich brauchte aber dringend eine Bestätigung, hatte ich mich richtig oder falsch entschieden, denn meine Soft Flask waren leer. Kurze Zeit später, eine Markierung. Ich war erleichtert. Wenige Minuten später hatte ich den CP3 in Plankenstein erreicht. Manuela und Katharina waren schon da und hatten Wasser und Iso für mich bereitgestellt. Die      Soft Flask wurden befüllt. Ich trank noch einen Becher Iso und einen Becher Wasser. Ein paar Worte wurden gewechselt und weiter gings auf der Straße, bergab nach Weißenbach.

Nach einem langen Anstieg im Klammergraben hatte ich den höchsten Punkt auf dieser Etappe erreicht. Von nun an gings bergab nach Frankenfels. Die Strecke nach Frankenfels kannte ich gut, und darum drückte ich auf die Tube. Nach 5 Stunden und 17 Minuten hatte ich den CP4 erreicht. Eine Punktlandung. Manuela, Katharina, und Herbert mein härtester Konkurrent im Pielachtalcup bereiteten mir einen herzlichen Empfang. An der Labe dann wieder Soft Flask auffüllen, ein bisschen was Essen und Trinken. Danach nahm ich mir noch ein bisschen Zeit für ein paar Fotos, war echt lustig.

Am Anfang von der längsten Etappe, dachte ich zu diesem Zeitpunkt zumindest, ging es mit einer sehr langen und teilweise sehr steilen Asphaltstraße los. Ich fand nach der kurzen Pause sofort einen guten Rhythmus und ich konnte auch die steilen Passagen ohne Gehpausen bewältigen. Ab dem Steinschaller Dörfl gab’s eine kurze bergab Strecke auf Schotter und danach gings in den Anstieg zur Taschlgrabenrotte. Die letzte Hürde vor dem CP5 sollte sich als höher erweisen als gedacht. Diesen Teil von der Strecke kannte ich noch nicht. Nach einigen Kilometern bergauf gelangte ich wieder einmal an eine Kreuzung ohne Markierung. Dieses Mal entschied ich mich geradeaus zu laufen. Nach einem Kilometer war der Weg aus. Das wiederum heißt „falsche Entscheidung“. Also zurück zur Kreuzung und den anderen Weg nehmen. Mein Gefühl sagte mir „Sigi, du bist falsch, du musst noch weiter runter“ Mein Verstand aber sagte „Sigi du musst rechts nach oben laufen sonst waren die ganzen Höhenmeter umsonst“ Also gut, dann weiter bergauf. Nach einem halben Kilometer die nächste Enttäuschung, der Weg war schon wieder aus. Verdammt, schon wieder Falsch. Nun, was solls dann lauf ich halt wieder runter, das kann ich ja recht gut. Nach einem kurzen Stück bergab, endlich eine Markierung. Ein schmaler Pfad ging nach rechts weg. Durch meine Angewohnheit auf langen, anstrengenden bergauf Passagen meinen Blick in Richtung Boden zu richten, hatte ich die Markierung übersehen. Nachdem ich wieder auf dem „rechten“ Pfad gelandet war, konnte ich sogar über mich lachen, obwohl mir mein Ausflug abseits der Strecke zwanzig Minuten gekostet hatte. Na was solls, so habe ich mein Startgeld besser ausgenützt. Der Anfang vom Abstieg nach Schwarzenbach, war steil und steinig, aber ich schaffte es recht flott. Mittlerweile war es sehr heiß geworden. Das Thermometer zeigte über 30° Ich spürte die Hitze aber kaum. Die Nahrungs- und Getränkeaufnahme funktionierte hervorragend. Mit 20 Minuten Verspätung, aber gut gelaunt erreichte ich den CP5 in Schwarzenbach. Einen schattigen gemütlichen Gastgarten. Ich war nun seit 7 Stunden und 7 Minuten unterwegs und hatte dabei 65 Km und 2700 Hm zurückgelegt. Mein Garmin zeigte mir einen Durchnittspuls von 135 Schläge pro Minute. Ich fühlte mich großartig. Ich checkte meinen Proviant und meinte es würde über die beiden Berge nicht reichen. Bis zum nächsten Dropbag in Schrammbach würde ich fast 4 Stunden brauchen. Darum fasste ich den Entschluss mich an der Labe zu bedienen. Diese Entscheidung sollte ich noch bitter bereuen. Während ich einen riesigen Erdapfel verschlang, füllten Manuela und Katharina meine Soft Flask. Nach einem sehr kurz gehaltenen Aufenthalt startete ich mit großer Euphorie in die Königsetappe 750 Hm verteilt auf 6 Km bis zum Eisenstein.

Nach dem ersten steilen Anstieg, als die Laufstrecke leicht abflachte, spürte ich einen leichten Druck in meinem Magen. Ich maß diesen Anzeichen aber keine große Bedeutung bei. Alle paar Minuten trank ich einen kleinen Schluck. Denn es war heiß, und die Laufstrecke befand sich seit Stunden in der prallen Sonne und war dementsprechend aufgeheizt. Innerhalb weniger Minuten änderte sich mein körperlicher Zustand aber auf äußerst dramatische Weise. Ich hatte das Gefühl als würde mir ganz langsam meine Energie abgedreht. Es war mir nicht mehr möglich zu laufen. Ich hatte einen Druck in meinem Magen, dass es schmerzte. Ganz plötzlich verkrampfte auch noch meine Wadenmuskulatur. Ich musste mich hinsetzen. Nach einer kurzen Pause versuchte ich aufzustehen, es gelang mir. Ich wollte weiter, weiter in Richtung Ziel. Langsam bewegte ich mich zum gegenüberliegenden Waldrand. Am Ende der Lichtung, nach nicht einmal 300 Meter musste ich wieder stoppen und ließ mich langsam auf die Knie sinken. Ich war völlig fertig. Ich musste ein paar Minuten durchatmen. Ich legte mich auf den Boden. Der Blick auf meine Uhr zeigte mir einen Puls von 175 Schläge pro Minute. Wahnsinn, und dass bei diesem Schneckentempo. Was ist passiert? Was ist los mit meinem Körper? Es war der Erdapfel, er liegt mir im Magen wie ein Stein. Mein Magen ist zu, da geht nichts mehr durch. Mein Körper nimmt keine Getränke mehr auf. Ich liege im Schatten. Mir wird kalt trotz der Hitze von über 30°. Ich krieche auf allen vieren in die Sonne. Ich lege mich auf den Rücken und starre nach oben in den Himmel. Am Himmel ziehen leichte Dunstschleier in meine Richtung. Ich erkenne den Mond, ganz leicht und denke an Manuela, sie wartet in Schrammbach im CP8 auf mich. Während ich den Mond betrachte wird mir klar, der Mond und Schrammbach haben heute etwas gemeinsam, beide sind für mich unerreichbar. Aus der Traum, das war’s, das Rennen ist vorbei. Ich bin traurig und enttäuscht. Mit Wehmut hole ich mein Handy aus dem Rucksack und rufe Manuela an, und sage ihr das ich nicht mehr weiterkann weder gehen noch laufen. Das Rennen ist für mich zu Ende. Ich melde mich wieder sobald es mir besser geht und ich wieder mobil bin. Ich nicke immer wieder ein. Immer wieder kommen Läufer an mir vorbei. Sie fragen mich ob ich Hilfe oder sonst was brauche. Ich brauche natürlich nichts, und mir geht’s natürlich gut. Ich schau mir nur a bisserl die schöne Gegend an. Plötzlich schüttelt mich jemand und brüllt mich an „was ist los mit dir“. Ich öffne die Augen und blicke in das Gesicht eines Läufers. Schon wieder eingenickt. Ich sage ihm ich brauche nur eine kleine Pause, sonst ist alles in Ordnung. Als er wieder Weg ist, blicke ich auf die Uhr. Ich liege bereits über eine halbe Stunde auf der Wiese. Mein Puls hatte sich wieder beruhigt. Mir geht’s wieder deutlich besser. Der Druck in meinem Bauch ist fast verschwunden. Mein Magen scheint wieder zu arbeiten. Ich trinke einen Schluck. Ich liege noch immer am Rücken mit geschlossenen Augen. Irgendwann setze ich mich auf und trinke noch ein paar Schlucke. Ich stehe langsam auf und blicke auf den oberen Teil der Strecke, dann wandert mein Blick nach unten, in Richtung Schwarzenbach. Einen Moment lang stehe ich regungslos da, dann gehe ich los, nach oben. Mein Kampfgeist ist wiedererwacht. Ich war wieder im Rennen. Nach ca. 1,5 km gab’s ein kurzes bergab Stück. Ich versuchte zu laufen, es gelang. Die Strecke bis zum CP6 auf den Eisenstein bewältigte ich abwechselnd laufend und gehend. Als ich am CP6 ankam war mir wieder kotzübel. Ich verschwand hinter der Hütte den ich hatte akuten Brechreiz. Es handelte sich um einen Fehlalarm. In der Labe nahm ich mir ein Cola. Setzte mich auf eine Bank nippte an meinem Cola, aber mein Magen rebellierte weiter. Ich probierte eine klare Gemüsesuppe. Aber da war nichts zu machen, mein Magen wollte sie nicht.

Nach 25 Magenberuhigungsminuten machte ich mich auf den Weg zum CP7 auf dem Hohenstein. Die nächsten 2 Km waren bergab und technisch zu laufen, es funktionierte erstaunlich gut. Den Anstieg zur Hütte am CP7 musste ich wieder gehen. Oben am Otto-Kandler Haus erwartete mich schon mein Freund Bernhard. Meine Freude war groß in hier zu treffen. Ich holte mir wieder ein Cola, denn das war offenbar das einzige Getränk welches mein Magen einigermaßen vertrug. Nach einer Pause von 15 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg.

Durch eine glückliche Fügung hatte ich vom CP7 bis zum CP8 eine Begleiterin. Michaela, eine gute Bekannte vom Pielachtalcup, kannte die Strecke und machte auf der fast 10 km langen bergab Etappe mächtig Dampf. Wir überholten mehrere Läufer. Ich fühlte mich mittlerweile wieder recht gut und wir unterhielten uns prächtig. Das Laufen machte wieder richtig Spaß. Als wir in Schrammbach eintrafen wurden wir mit großem „Hallo“ empfangen. Ich erblickte Manuela und Katharina. Corinna und Patrick waren auch gekommen. Meine Freude war riesengroß. Ich hatte den Mond erreicht.

Manuela fiel mir um den Hals und ich merkte ihre Erleichterung. Ich drückte sie ganz fest, denn ich wusste sie hatte sich große Sorgen um mich gemacht. Während ich alle begrüßte, schlürfte ich wieder ein Cola verdünnt mit Wasser. Nach 10 Magenberuhigungsminuten gings wieder weiter. Der nächste Anstieg, über die Morigrabenstraße mit 4 Km Länge und 450 Hm wartete auf mich. Ich konnte die Strecke ohne Schwierigkeiten durchlaufen. In 1 Stunde und 5 Minuten hatte ich die Gaiseben, den CP9 erreicht. Manuela und die Kids hatten noch nicht mit mir gerechnet. Laut GPS-Tracker war ich noch mehrere km vom CP9 entfernt. Ich gönnte mir nur einen sehr kurzen Aufenthalt.

Weiter gehts, auf den Kaiserkogel. Ich kenne die Strecke. Eine schwierige Strecke, aber schön. Ich mag sie und sie mag mich. Ich kann die komplette Strecke durchlaufen. Sogar die steilsten Streckenabschnitte werden laufend gemeistert. Oben auf der Kaiserkogelhütte hat man einen phantastischen Ausblick über das Pielachtal. Am Horizont kann ich St. Pölten erkennen und links davor Obergrafendorf, das Ziel. Heute hier oben zu stehen ist für mich ein Wunder. Meine Gefühle fahren wieder einmal Achterbahn. So, Schluss mit den Sentimentalitäten. Ich muss weiter, die Nacht kündigt sich bereits an, und ich bin ohne Stirnlampe unterwegs. Mit Vollgas gings runter vom Kaiserkogel. Kurz vor dem CP10 in Kammerhof meldete sich wieder einmal mein Magen. Das hohe Tempo vom Berg runter forderte seinen Tribut. Ich hatte es wieder einmal geschafft mir meinen angeschlagenen Magen erneut zu zerstören. Mir war sauschlecht. Kurz vor dem CP10 bremste ich meinen Lauf und ging die letzten 300 m bis zum CP10. Ich schaffte es gerade noch meine Kontrollkarte zu lochen. Dann gings schnell hinter das Zelt von der Labestation. Auf allen vieren in der Wiese kauernd, reiherte ich aus Leibeskräften. Das waren die Getränke von der letzten halben Stunde. Schade drum. Mein Körper hatte leider nichts davon aufgenommen. Die Betreuer an der Labe waren sehr bemüht, um mir zu helfen. Ich setze mich auf eine Bank im Zelt. Man reichte mir einen Becher Cola und ich trank in kleinen Schlucken. Nach 15 Minuten beendete ich meinen Aufenthalt im CP10 und begab mich wieder auf die Strecke. Ich war stark verunsichert, den ich wusste nicht ob ich meinen Körper jetzt noch einmal auf Touren bringen konnte.

Die letzte Etappe begann mit einem knackigen kurzen Anstieg, den ich gehend absolvierte. Als die Strecke flacher wurde, begann ich wieder zu laufen. Es funktionierte überraschend gut. Ich wurde mutiger und erhöhte mein Lauftempo. Ich musste mich beeilen, denn es dämmerte bereits und ich hatte noch ein kurzes dunkles Waldstück zu durchqueren. Meine Uhr zeigte 21 Uhr und 5 Minuten. Ich wollte es unbedingt vor halb zehn ins Ziel schaffen. Es waren noch etwa 4,5km bis Obergrafendorf. Eine knappe Sache, aber es könnte sich ausgehen, denn meine Beine waren noch immer sehr gut. Mittlerweile war es stockdunkel geworden, aber ich konnte die Lauftrecke gut erkennen. Ich konnte noch ordentlich Tempo machen. Ich genoss den Lauf durch die Stille der Nacht. Die Zeit bis Obergrafendorf verging wie im Flug. Der letzte Kilometer. Noch einmal links und einmal rechts, dann befinde ich mich auf der Zielgeraden. Ich blicke auf die Uhr, es ist 6 Minuten vor halb zehn. Ich habe es tatsächlich geschafft! Ich nehme das Tempo raus und trabe ganz langsam in Richtung Ziel. Meine Freude war zwar riesengroß, ich verspürte an dieser Stelle aber auch eine große Dankbarkeit und Demut.

Vor mir das Zielband, ich schlüpfte unten durch. Gerhard gratulierte als erster und überreichte mir eine Medaille und ein eiskaltes Bier. Manuela und die Kids kamen auf mich zu. Wir drückten uns. Ich setzte mich auf eine Bank und schlürfte mein Bier. Zehn Minuten später kotzte ich es wieder aus und legte mich für eine viertel Stunde in die Wiese. Danach gings mir wieder gut. Mittlerweile spürte ich aber die Anstrengungen des Tages. Es wurde Zeit für mich, ich brauchte dringend Ruhe. Müde, aber mit einer großen Zufriedenheit gings ab nach Hause.

Fazit: Oben, unten und wieder oben, es war ein guter Tag.

Liebe Grüße                                                                                                                                                         Sigi