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Swiss Iron Trail 2016

 

Dieses Jahr hatte ich wieder Lust auf einen langen Trail in den Alpen, deshalb habe ich mich schon im Winter für den Iron Trail T201 angemeldet. Auf dem Papier sind 201 Km und 11440 Höhenmeter rauf zu bewältigen, Start und Ziel sind in Davos, in der Schweiz. Vor hundert Jahren sind die Leute hier nach Davos gekommen um am Balkon zu liegen, jetzt muss ich sagen, dass niemand hierher kommt, um sich in die Horizontale zu begeben.  

Nach einer angenehmen Reise im Zug erreichen mein Freund Michele und ich schon am Donnerstag die Stadt Davos. Das Thermometer zeigt fast auf 30 Grad und als wir das Schatzalp Hotel besuchen (1800 Höhe), zeigen sich erste Kopfschmerzen, offensichtlich vertrage ich die Höhe nicht und mein Laaberg-Training zeigt die ersten Schwächen.  

Die Wettervorhersage ist für den Freitag ziemlich schlecht, Regen, Wind und Schnee ab 2400 Meter werden erwartet, aber es gibt kein Briefing, um Änderungen für die Strecke bekannt zu geben, wie ich in solchen Fälle schon erlebt habe.  

 Der Start am Freitag um 4:00 ist ziemlich surreal, es regnet so stark, dass niemand sich traut auf die Startlinie zu gehen. Irgendjemand merkt, dass die offizielle Uhr schon läuft und so gehen wir auch in den Regen, komplett in Gorotex gekleidet, Richtung Scalettapass auf 2600 Höhe. Die Landschaft ist hier wunderschön, keine Bäume, feucht, aber kein Schnee und einsame Trails. Wenn ein Kontrollpunkt kommt, bedeutet das normalerweise einen Abstieg, als erstes nach Bergün. Hier erfahre ich, dass sich von den 200 angemeldeten Startern mehr als vierzig Läufer für den Start am Samstag auf die kürzere Distanz von 121 Km umgemeldet haben. Ich merke, dass die Höhe ein Problem für mich ist und ich kann daher nur sehr langsam aufsteigen. Langsam zu sein ist aber hier nicht so schlimm, denn es stehen  64 Stunden zur Verfügung, um den Lauf zu beenden. Am frühen Nachmittag die erste Überraschung: Es gibt einen Temperatur-Sturz mit Wind und Eisschnee schon auf 2400 Meter Höhe. Mir wird plötzlich kalt, ich trage keine passenden Handschuhe und die Karbon-Stecken sind so kalt geworden, dass ich sie nicht mehr in den Hände halten kann. Aber wegen dem Wind bis zur nächsten Labestation traue ich mich nicht, den Rucksack zu öffnen und stecke lieber die Stecken unter die Jacke.   

In Samedan gibt es den ersten Drop-Bag, ich gönne mir auch eine Dusche und für die Nacht richtig gekleidet, starten wir Richtung Pontresina, wo auf halber Strecke sich der Segantini-Pass auf 2700 Meter Höhe befindet. Das Wetter oben ist mit Wind und Schnee so schlecht, dass ich in Pontresina eine halbe Stunde schlafe, obwohl ich wirklich keine Lust dazu habe. Aber der Fuorcla Surlej  mit seinen 2755 Höhenmetern steht als nächste Steigung am Programm und den werden wir in tiefster Nacht besteigen müssen. Endlich wird das Wetter besser und die ersten Sterne sind am Himmel zu sehen.   

 Mit Michele erreiche ich das idyllische Maloja, als es schon hell ist und wir legen uns sofort eine Stunde schlafen. Die Halbzeit ist erreicht und ab hier geht Michele alleine voraus. Ich bin zu langsam bergan und meine Atmung wird auch am Samstag nicht besser.   

Nicht nur das Wetter ist am Samstag schöner geworden, sondern auch die Strecke ist einfacher, obwohl sie teilweise sehr matschig und nass ist. Am Nachmittag erreiche ich die zweite Drop-Bag Station in Savognin, meine Stimmung ist gut, aber die Schuhe sind eigentlich zum Wegwerfen. Leider habe ich kein zweites Paar eingesteckt, so müssen meine Füße leiden. In Lantsch frage ich den Arzt ob er meine kaputten Füße „flicken“ könnte. Tatsächlich schafft er mit einem Stück Gummi, was die Schuhe nicht mehr leisten können. So verlasse ich die Labestation mit großer Zuversicht für den letzten „Marathonlauf“. Der Organisator zeigt alle fünf Kilometer die noch ausstehende Kilometerzahl an und wenn ich am ersten Tag mit einem Schild mit 195 Km darauf nicht sehr viel anfangen konnte, schaut es jetzt mit 45 Km viel besser aus.  

Am Sonntagvormittag habe ich den letzten Gipfel auf fast zweitausend -siebenhundert Höhenmeter hinter mich gebracht, sowie endlich auch die Probleme mit der Höhe. Vier Tage habe ich dafür gebraucht, mich zu akklimatisieren, aber endlich geht es gut auch mit mir bergauf. Die letzten fünf Kilometer sind ein Genuss: bei blauem Himmel und der Schatzalp vorbei, schnell runter nach Davos sausen. Ich erreiche überglücklich kurz vor 13 Uhr, nach fast 57 Stunden als 47-ster, das Ziel in Davos. Was für ein Lauf! Von 155 Startern haben nur 64 Läufer das Ziel erreicht. 

 Fazit: Der Iron Trail T201 ist ein Lauf mit traumhaften Landschaften, mit vielen Kilometern und Höhenmeter, aber mit sicheren und sehr gut markierten Wegen. Live Tracking, sehr gute Erreichbarkeit mit der Bahn und eine perfekte Organisation lassen nur wenige Wünsche offen. 

Alle Infos unter:  http://www.irontrail.ch/de/trails/t201/.    

 Igor Sarzi Sartori