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Freunde des Laufsports Austria
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Stadtspazierer Nr. 2 - 29. April 2016

Bericht Philipp

 

Unser zweiter Stadtspazierer „Das Rote Wien“ – diesmal kamen alle FreundInnen des Laufsports bereits im Laufgwand zum Treffpunkt! – startete beim Gedenkstein für die Errichtung des Wiener Stadions, der demnächst an einen geeigneteren Ort versetzt werden wird.

Erste Station war der Hanuschhof, benannt nach dem Sozialminister der Ersten Republik Ferdinand Hanusch, in dem wir die Skulptur eines nackten Jünglings als Symbol des „Neuen Menschen“ interpretierten, für den die Wiener Sozialdemokraten die neuen Wohnbauten schufen: in architektonisch erster Qualität, für damalige Begriffe große Wohnungen mit Bad und Klo in (!) der Wohnung, nicht am Gang! Mit großen Grünflächen, Freiräumen, Sozialeinrichtungen wie Kindergarten, Wäscherei, Greißlerei, Versammlungssaal, und selbstverständlich mit dem Sektionslokal der SPÖ. Vorbei am Erdberger Hof mit seinen schönen Architekturdetails liefen wir weiter zum Rabenhof (von Heinrich Schmid und Herrmann Aichinger erbaut) mit seinem Theater und seinen weiten Innenhöfen.

Architektonisches Kontrastprogramm war das Haus Wittgenstein, das der Philosoph Ludwig Wittgenstein für seine Schwester Margarethe Stonborough-Wittgenstein errichtete: ein modernes, sachliches Gebäude, schmucklos, mit klaren Proportionen. Dass dieses Haus erhalten geblieben ist, verdanken wir der Volksrepublik Bulgarien – heute befindet sich im Haus die Kulturabteilung der Botschaft der Republik Bulgarien.

Am Dannebergplatz besuchten wir das Denkmal für Robert Danneberg, den führenden Juristen der Sozialdemokratie, der die gesetzlichen Grundlagen für die kommunalpolitischen Leistungen der Gemeinde Wien schuf. Robert Danneberg starb in Auschwitz.

Im Arenberg-Park, benannt nach den Fürsten Arenberg, von deren Schlösschen noch ein kleiner Pavillon, heute Kaffeehaus, steht, bestaunten wir die Hinterlassenschaften des Dritten Reiches, die Flaktürme.

Über den Schwarzenbergplatz mit dem Denkmal für die Rote Armee liefen wir die Argentinierstraße hinauf am Funkhaus mit seiner spannenden Baugeschichte (ursprünglicher Plan von Schmid–Aichinger, während des Baues 1934 überarbeitet von Clemens Holzmeister) vorbei zum Berta von Suttner-Hof, wo wir die Skulptur „Mutter mit Kind“ von Siegfried Charoux betrachteten. Die Wiedner Hauptstraße hinauf und vorbei am Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, gegründet von Otto Neurath im Jahr 1925, in der Vogelsanggasse hinüber zur Reinprechtsdorferstraße, entlang dem Theodor-Körner-Hof aus den 1950er-Jahren (benannt nach dem Wiener Bürgermeister und Bundespräsidenten), wo ein paar Kids mit uns flott mitliefen, kamen wir zum ältesten Wiener Gemeindebau, dem Metzleinstaler Hof, und zum Matteottihof (wie der Rabenhof von Schmid und Aichinger), und weiter im Grünbereich in der Mitte des Gürtels zum Reumannhof, dem vielleicht schönsten Gemeindebau.

Unser Stadtspazierer endete an der Rechten Wienzeile beim früheren Sitz des Vorstandes der Sozialdemokratie und dem Vorwärts-Verlag mit den beeindruckenden Skulpturen von Anton Hanak am Dach.

 

Wir hatten Glück mit dem Wetter: es war trocken und sonnig, bloß gabs immer wieder kalte Windstöße. Für die etwas mehr als 10 km (ich bin die Strecke vorher mit dem GPS gelaufen) brauchten wir wegen der Geschichte und Gschichterln und der Diskussionen doch mehr als 2 Stunden. Also wars ein Spazierer! Und keine Hetzerei!

 

Danke an alle, die mitgelaufen sind! Es hat Spaß gemacht!

Bis zum nächsten Mal!

Philipp