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LAUFalternative mit Zukunft

Bericht Manfred Reither - Bad Füssing-Marathon


  
Bad Füssing im bayerischen Länderdreieck, nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt, bietet jeweils Anfang Februar -
und das seit 1994 - mit einem 10-KM-Lauf, einem Halbmarathon, und einem Marathon eine erste Standortbestimmung
für ambitionierte Straßenläufer. Im Laufe der Zeit wurden aus einer Marathon-Runde später zwei (je 21,1 km) und jetzt
sind es  sogar vier Runden (je 10,5-km), zu bewältigen. - Mit rund 2000 Teilnehmern, gleichmäßig auf drei Distanzen
verteilt, konnte ein seht gutes Nennergebnis über die Jahre erzielt werden. - Viele Österreicher nützten auch heuer wieder
die Gelegenheit, um in unmittelbarer Nachbarschaft etwas Abwechslung ins Wintertraining zu bringen.
 
Fünf Bauernhäuser der Gemeinde Safferstetten, das war Bad Füssing vor dem Krieg. Eine Ölbohrung brachte 1938 "nur"
Schwefelwasser zutage. Was damals nutzlos war, wurde ab 1945 zum Gold für die Region. Der kontinuierliche Aufbau nach
dem Krieg zum Kurzentrum manifestierte sich 1995 mit rund 3,8 Mio. Übernachtungen/Jahr. Dies alles bei immer noch
bescheidenen rund 6000 Einwohnern. - Und die fiebern jedes Jahr mit, wenn in ihrer Heimat die europäische Marathon-
Saison beginnt.
 
Auf der klassischen Marathon-Distanz waren heuer rund 400 Teilnehmer am Start. Und sie alle erwarteten einen halbwegs
schnellen Lauf in die neue Saison. Immerhin eilt der Strecke der Ruf voraus, schnell zu sein. - Und das nicht ohne Grund:
Bis auf ein paar leichte "Wellen" ist der Marathon-Kurs völlig eben, verläuft auf einer flachen Überlandstrecke, vorbei an
Gehöften, Kirchen und kleinen Dörfern. Neun Verpflegstationen an der Strecke. - Vor (Samstag) und nach dem Lauf am
Sonntag kostenloser Besuch des Johannesbades lassen keine Laufwünsche offen.
 
Die kurzweilig zu laufende Runde (4x) durch Bad Füssing, Kirchham und Pocking weckt natürlich keine City-Marathon-Gefühle.
Als Läufer bist du bei diesem Marathon eins mit der Landschaft. Kirchenglocken aus der Ferne übertönen deine, an diesem
Tag (1. Februar 2015), teilweise schneegefederten Schritte. Einzig die Gendarmen und Feuerwehrmänner an den bestens
abgesicherten Kreuzungen geben dir mentalen Treibstoff, sprich Applaus. Eine ruhige Sache, das ist man im Winter von den
vielen langen Einheiten ohnehin gewohnt.
 
Leistungslimitierend war diesmal teilweise der Schneeboden und zusätzlich etwas Wind, der dem flüssigen Schritt früher als
sonst ein Ende bereitete. Statt eines lockeren Abdrucks stand der Versuch, nicht zu stark wegzurutschen, im Vordergrund
der läuferischen Bemühungen! - Außentemperaturen von -2 Grad Celsius waren noch relativ angenehm, im Vergleich zu
wesentlich tieferen, des Winters.
 
Für das Gros der Teilnehmer stand die Endzeit allerdings nicht wirklich im Mittelpunkt ihrer sporlichen Interessen. Zurecht:
Ein voll gelaufener Marathon Anfang Februar auf rutschigem Terrain scheint wenig sinnvoll. Als Aufbauwettkampf/besserer
Long-Jog, sehr verhalten gelaufen, erfüllt er jedoch trainingsmethodische Überlegungen! - Genau mit dieser Vorgabe bin
ich diesen Marathon gelaufen. - Mit dem Schnitt, etwa 6 Minuten und einer Endzeit von 4:10:44.95. In der Gesamtwertung
der 211. Platz und der 3. Platz in der M70. - Sehr wohl eine Überraschung, aber das darf man nehmen und zufrieden sein!
Als Durchschnittsläufer Beifall einheimsen zu dürfen, habe ich schon immer als ein Geschenk betrachtet. - Gleichmäßig
und ohne an Grenzen zu stoßen, lag ich nach 5 km bereits hinter der, "mit 3:45" angepeilten Führungs-Gruppe. Deren
5:18er Schnitt wollte ich nicht mitgehen und begnügte mich vorderhand mit dem Tempo, "noch unter 6-Minuten".
Resumee: "Ein idealer Trainingslauf! - "Der Lehrer für alle Dinge ist die Erfahrung!" - EST RERUM OMNIUM MAGISTER USUS -
(Caesar, De bello civili 2,8,3).
 
Nach Manfred Steffny, "Marathontrainig", Seite 65, 1987: Von ihm in "SPIRIDON 3/77, vorgerechnetes Zahlenspiel, geht
von dem Herz-Kreislauf-System als lebensbegrenzenden Faktor aus. Das Herz eines 70jährigen (Lebenserwartung von 1977) -
schlägt rund 2,57 Milliarden mal. Gehen wir davon aus, dass nicht das Lebensalter schicksalhaft bedingt ist, sondern die
Zahl der Herzschläge, so hat ein Marathonläufer, der mit 40 Jahren bis an sein Lebensende läuft, statt des Pulsschlages von durchschnittlich 70 Schlägen pro Minute nur 50 und entlastet damit die Herzleistung beträchtlich. Um auf 2,57 Milliarden
Schläge zu kommen, müsste er 82 Jahre alt werden. M. Steffny führt weiter aus: "Meine kecke These: er wird es auch. -
Beim lebenslangen Lauf (durchschnittlich 50 Schlägen Ruhepuls) kommt man erst mit 98 Jahren auf 2,57 Milliarden Schläge."
 
Daneben ändern sich durch das Marathonlaufen eine Reihe von Lebensgewohnheiten. Der ältere Marathonläufer wird
ebenso Nichtraucher sein wie kein starker Trinker, er wied ungesunde Speisen und übermäßiges Essen meiden. Schon durch
die positive Einwirkung des Trainings auf das vegetative Nervensystem seinen erholsamen Schlaf finden, er wird den Motor
seines Autos ähnlich pfleglich behandeln wie das ihm letztlich verwandte eigene Herz-Kreislauf-System. - Wer Jahrzehnte
Marathon läuft, setzt sich dem zivilisatorischen Streß weit weniger aus, um so mehr, wenn er es beim eigenen läuferischen
Tun an Verbissenheit fehlen lässt, mit der genügenden "Altersweisheit" an die immer wieder neue Aufgabe herangeht, und
sich so nicht dem Wettkampf-Streß wie ein junger Sportler aussetzt. Er macht schließlich Erlebnis-Urlaub mit viel Bewegung
statt sich der ungesunden Dauereinstrahlung südlicher Sonne passiv auszusetzen. So ändert der Marathonlauf ganz allein die Einstellung zum Leben überhaupt! - "Durch Mühen (wörtl.: Raues) zu den Sternen!" - PER ASPERA AD ASTRA - (Hesoid, um
700 v.Chr., griech. Dichter, Werke und Tage 290).