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 Ein Traum wird wahr! Der SPARTATHLON!!!

 Von Pauline Moshammer

 

Seit ca. 2 Jahren spukte mir das Gespenst „SPARTATHLON“ in meinem Kopf herum. 246 km in 36 Stunden mit 3.000 Höhenmeter – das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!!  

Am 24.9.2014 war es nach langer Überlegung so weit, denn was konnte ich schon verlieren? Die Tage zuvor traten immer Zweifel auf: konnte ich das überhaupt schaffen, wie lege ich das mit den Checkpoints (CP) an?, gibt es genug Möglichkeiten für Klopausen?,……..Viele Fragen, die mein Unternehmen immer wieder ins Schwanken geraten ließen. Aber da musste ich jetzt eben durch. 

Das Hotelzimmer war eine einzige Katastrophe, da man glaubte, die Autos würden neben den Kopf fahren – trotz Ohropax konnte ich die 2 Nächte kaum Schlaf finden. Kommentar meiner Zimmerkollegin, die am Donnerstag anreiste: “Bei diesen Temperaturen kann man ja nicht einmal das Fenster schließen“! – Problem war, das Fenster war zu!!! 

Umso näher der Start rückte, umso nervöser wurde ich. Um 6:00 Uhr holte uns der Bus ab, um uns zur Akropolis zu bringen. Oben begann es heftig zu regnen und jeder suchte sich irgendwo einen Unterschlupf. Das Wetter kann man sich halt nicht aussuchen. Aber zum Startschuss hörte es fast zum Regnen auf, man musste nur wahnsinnig vorsichtig wegen des rutschigen Pflasters sein. Los gings auf einen LANGEN Lauf!!!!!! 

Lustiges Detail zu Beginn: Bei km 11 hatte ich meine 2. Klo Pause und plötzlich sah ich den Schlusswagen vorbeifahren, der die Absperrungen wegräumte. Der Schock trieb mich zu einem kurzen Sprint an, und ab jetzt wusste ich, dass ich nicht zu viel trödeln durfte. 

Bei km 30 begann es wieder heftig zu regnen, innerhalb kürzester Zeit waren Kleidung und Schuhe durchweicht. Sobald die Sonne wieder rauskam, wurde die Kleidung zwar wieder trocken, aber die nassen Socken verursachten Blasen am Fußballen. Irgendwie musste es trotzdem weiter gehen.  

Die Strecke war jetzt schon sehr anspruchsvoll: ständiges bergauf und bergab, jeder, der mich kennt, weiß, dass dies absolut nicht meine Bedingungen sind. Ich war von mir selber überrascht, wie gut ich die „Hügel“ meisterte. Dazu kam dann noch starker Gegenwind. 

Bei Korinth gab es dann einen größeren CP; wo ich meine Blasen tapen ließ (leider nur den linken Fuß, da ich glaubte, der andere könnte es aushalten – war ein Fehler). Ich war so halbwegs in der Zeit, hatte ein Zeitfenster von 45 min., aber beim Weglaufen waren es nur mehr 30 min. – also ab jetzt etwas mehr Tempo! 

Weiter ging es von CP zu CP, bei km 100 hatte ich meine Stirnlampe deponiert - zwar etwas zu früh, aber sie störte mich nicht am Kopf. Bis Nemea  waren es noch 23 km, dort konnte ich endlich meinen 2. Fuß tapen lassen, die Blase wurde immer schlimmer. Endlich sah ich meinen „ Tapingmann“ und er versorgte meinen Fuß.  Jetzt war es schon stockdunkel, schnell noch ein paar Nudel und weiter ging die Reise. Glücklicherweise gab mir der Betreuer etwas Reservetape  mit – aber dazu später. 

Ab jetzt ging es fast nur mehr bergauf. Zwar liefen wir noch auf der Straße, aber das Feld zog sich dermaßen auseinander, dass ich manches Mal wirklich Angst in der Dunkelheit hatte. Ich hörte schon wilde Tiere in dem Gebüsch, vor Menschen hatte ich keine Angst, da mich mit diesem Gestank keiner angreifen würde!!!! 

Die Steigung nahm einfach kein Ende – kein Gedanke an laufen, aber gehen war okay. In meinem Kopf hatte ich nur die eine Devise „Ich bin hier, um zu Finishen“! Bis zur Mountain Base (159 km) waren es noch einige Kilometer und dort sollte erst die schlimmste Passage der Sangas-Paß (1.200 m) beginnen. Einerseits war ich froh, dass ich im Dunkeln die Höhe nicht sehen  konnte, andererseits tat es mir um die schöne Landschaft leid. Das Einzige, das wirklich gut sichtbar war, war die Straßenbeleuchtung der Autobahn, das sich wie ein oranges Band den Berg hochschlängelte. 

Endlich erreichte ich die Mountain Base – ab in die Jacke und Handschuhe. So schlimm, wie es kommen sollte, habe ich mir das nicht vorgestellt!!! Meine größte Angst war, dass ich auf den unebenen, steilen Geröllweg ausrutschen könnte und runterkullern würde. Es war zwar hervorragend beleuchtet, viele Männer standen zur Kontrolle am Weg, aber man musste höllisch aufpassen und voll konzentriert bleiben. Endlich geschafft – nicht zu lange aufhalten (Kälte und Wind) und runter gings – genauso steil und gefährlich. Meine Blasen schmerzten fast bei jedem Schritt. Einmal rutschte ich aus und landete auf meinem Allerwertesten, aber Gott sei Dank hatte ich Handschuhe an und schürfte mir nicht die Hände auf. 

Nach unendlich langer Zeit kam wieder eine asphaltierte Straße und ich konnte wieder normal laufen. 

Die Nacht hörte überhaupt nicht mehr auf und ich hoffte, dass meine Batterien nicht den Geist aufgeben würden. Aber alles geht vorbei. Langsam begann es zu dämmern, ich war relativ gut unterwegs, konnte mein Zeitfenster von ca. 1,5 Std. gut halten und hatte auch noch einen ordentlichen Laufschritt (außer natürlich bergauf). 

Doch plötzlich bei ca. km 180 bemerkte ich eine leichte Schieflage nach links – nur das nicht!!!!!! Irdning 2012 kam mir in den Sinn. Mit enormer Willenskraft und ständiger Konzentration („Richte dich auf, gib den Kopf nach rechts,…“) schaffte ich es doch so halbwegs gerade zu bleiben. „Nur nicht aufgeben, schau am Boden vor dir“ war mein ständiges Motto. 

Ich wusste, dass noch eine enorme Steigung auf mich zukam (bis 800m) und schon bald zog sich die Straße wie ein Kaugummi den Berg hoch. Nach jeder Kurve hoffte ich, dass es vorbei wäre, aber denkste – es zog und zog sich! Warum ist Griechenland nur so bergig? 

Ein weiter Einbruch kam 30 km vorm Ziel. Plötzlich brach die Blase am kleinen Zeh auf und der brennende Schmerz verhinderte jeden Schritt. Jetzt rettete mir das Ersatztape das Leben. Ich saß also am Straßenrand zog den Schuh und Socken aus und wickelte das Tape fest und den Zeh. Sofort kam ein Sheriff und fragte, was los sei und ob ich aufhören wolle! Nie im Leben!!! Erst wenn ich mich nicht mehr bewegen kann. 200 m weiter war ein CP und mit einer Schere schnitt ich die Kappe von den Schuhen. Frage der anwesenden Betreuer „Do you want to kill your shoes?“ – „Yes!!“ 

So konnte ich dann wieder so halbwegs weiterlaufen. 

Um 15:30 am Samstag hatte ich noch 12 km und jetzt wusste ich, dass ich es schaffen würde: 12 km in 3,5Stunden. Aber diese 12 km wurden die Schlimmsten. Die Schmerzen waren plötzlich enorm die Füße wollten einfach nicht mehr laufen. Ich hatte beim Gehen mehr Schmerzen, aber es ging einfach nicht mehr zum Laufen. 

Nächster CP – noch 9.1 km - in Bewegung bleiben!!!Schon war Sparta in Sicht, aber die Straße zog sich nur so dahin. CP 73 – noch 3,9 km und vom CP74 nur mehr 0.8 km!!!! Also musste ich nur mehr bis 74, dann wäre es vorbei. Aber bei 74 hörte ich  „only 2 km“!!! Nicht 0,8???? Das konnte nicht sein – aber so war es. Weiter die Straße, eine Kurve, wieder geradeaus. 2 junge Burschen begleiteten mich auf den Fahrrädern. Endlich die letzte Biegung und die Allee mit den Fahnen und den Menschen, die jubelten, lag vor mir. 

Das Gefühl kann ich nicht beschreiben, ich stand heulend vor dem Leonidas und berührte seine Füße. Ich war  zutiefst dankbar und so überglücklich – es gab keinen glücklicheren Menschen. Sollte ich jetzt tot umfallen, wäre es mir egal gewesen. Ich habe mir meinen größten Traum erfüllt!!!!All die Schmerzen können dieses Gefühl nicht im kleinsten trüben. 

Zum Schluss möchte ich noch die 100-te freiwilligen Helfer erwähnen. Sie standen stundenlang in der Kälte, im Regen oder im Dunkel. Trotzdem habe ich so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft kaum je erlebt: Hut ab vor diesen Menschen!!!!!!! 

Griechenland war eines der schönsten Erlebnisse in meinen Leben und ich kann dafür nur dankbar sein! 

 Pauline