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 100 Meilen Berlin

Klaus Sauerkrenn 

So ganz zufällig bekomme ich die Information von einer Laufveranstaltung entlang der Berliner Mauer, die 160,9 km lang sein sollte. Ich beginn zu recherchieren und werde immer mehr Feuer und Flamme für diesen Wettbewerb. Es sollte der Abschluss meiner Ultrasaison 2014 sein.  

Alles kam anders, ich ließ aufgrund meines Fitnesszustandes meine Hauptbewerbe sausen, auch für den Mauerweglauf hatte ich keine Lust mehr. Nach längerem Hin und Herüberlegen, entschied ich mich den 100MeilenLauf in Berlin doch zu absolvieren. 

Aufgrund der kurzfristigen Entscheidung, waren mir AirBerlin und ÖBB bereits zu teuer, ich entschied mich für eine Busfahrt von neun Stunden, welche angenehmer waren als befürchtet, man konnte sogar zeitweise schlafen. 

Startzeit:  6:00 Uhr . Durch das gut ausgebaute U-Bahnnetz ist es kein Problem, den Startbereich zeitig zu erreichen. Der Start läuft klassisch ab – Aufstellung, Startschuss, loslaufen! Vor mir 160,9 km, 27 Verpflegungsstationen. Die ersten 20 km führen durch die Stadt, von Kreuzung zu Kreuzung, man hält bei jeder roten Ampel. Da am Vorabend beim Briefing mehrmals auf die Disqualifikation bei Nichteinhalten der STVO hingewiesen wurde, war das Stehenbleiben eine Selbstverständlichkeit. Nach 25 km verlässt man das urbane Gebiet, man läuft in einen Waldweg, auf asphaltierten Wegen, jedoch auch auf unbefestigten Pfaden wie auch auf Kopfsteinpflaster. In dieser Zeit traf ich auf Cornelius, ein Spartathlet, der vorhatte das gleiche Tempo wie ich (6 min) zu laufen. Die Strecke war super! Bis 110 km liefen wir maximal durch Wohngegenden ohne Verkehr. Ich hatte mit meiner Betreuerin Michaela vereinbart, sie an drei Stellen zu treffen. Die erste Stelle bei 58 km, das zweite Mal bei 90 km. Die Zeitnehmung erfolgte über ein Armband, welche man bei jedem Verpflegungspunkt an einen Sensor halten musste. Nach dem Verpflegungspunkt bei 90 km, war ich mir nicht sicher ob meine Zeit erfasst wurde, ich entschloss mich zur letzten Zeitnehmung zurück zu laufen und verließ somit meine Laufkollegen Cornelius. Ein schwerer Fehler, den ich 50 km bereuen sollte. Es war mir nämlich nicht möglich zu Cornelius aufzulaufen und ich fand keinen geeigneten Laufpartner, sodass ich mehr als 5 Stunden alleine gelaufen bin. Während meinen “einsamen“  fünf Stunden,  wurde mir erst bewusst, welchen Vorteil es hat, permanent am Rad begleitet zu werden. Dieses oder eine abgesprochene Laufgruppe mit gleichem Tempo, würde ich auch für jeden zukünftigen Starter empfehlen. Bei 127 km war der letzte vereinbarte Treffpunkt mit meiner Betreuerin Michaela. Sie versorgte mich mit einer Warnweste und Stirnlampe, welche ab diesem Zeitpunkt Pflicht war. Außerdem berichtete sie mir, dass Cornelius nur mehr einen kurzen Vorsprung hatte. Getrieben von neuer Energie durch diese Info, brach ich die letzten 35 km an und es sollte mir wirklich gelingen bei 140 km Cornelius wieder zu treffen. Er beklagte sich über einen Einbruch, ich nahm etwas Tempo heraus und wir liefen die letzten 20 km gemeinsam. Die letzten 6 km waren wieder durch Stadtgebiet sehr kompliziert zu laufen. Cornelius hat als Einheimischer mit seinen Ortskenntnissen große Vorteile. Selbstverständlich nach so einer gemeinsamen Laufpartnerschaft wurde die Ziellinie parallel überquert.  

Nur kurze Zeit des Glücksgefühls brachen große Schmerzen und ein Schwindelgefühl über mich hinein. Leider war die medizinische Versorgung im Zielbereich nicht vergleichbar mit denen von den gewohnten heimischen Ultralaufveranstaltungen. Zwei anwesende Sanitäter waren vollkommen überfordert, kein Arzt vor Ort sondern auf der Strecke, keine Decken. Ich beschloss sofort ins Hotel zu fahren, da mir der Fußweg zur U-Bahn jedoch viel zu weit war, bestellte meine Betreuerin ein Taxi.  

Erst nach und nach begriff ich, dass ich die Strecke in 16:31 geschafft habe. Der  9. Gesamtplatz und 3. AK-Platz wurde mir erst nächsten Tag bewusst, weshalb ich mit meiner Betreuerin viel mehr Freude an der Siegerehrung hatte. Ziemlich unerwartet begann die Siegerehrung mit dem geschichtlichen Hintergrund des Mauerweges. Peter Fechter, ein Todesopfer der Berliner Mauer, wurde dieses Rennen gewidmet. Nach einem kurzen, sehr emotionalen Video über den kalten Krieg, war die Stimmung im Saal sehr gedämpft und nachdenklich. Spätestens nachdem die ersten Medaillen übergeben wurden, war jedoch die gewohnte Euphorie wieder im Raum.  

Fazit: Ein empfehlenswerter Lauf, der jedoch viel Vorbereitung bezüglich Betreuung, Verpflegung und vorzeitige Streckenerkundung benötigt.