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Dirndltalextrem ist geschafft!

Es ist geschafft! Ich habe meinen ersten Wettkampf über hundert Kilometer in den Bergen beendet. Ich habe die 111 km mit den 5000 m Höhenunterschied und 3 Qualifikationspunkte

UTMB in 18h:51´ durchlaufen. Endplatzierung 23. Die Annäherung Das Abenteuer begann am Freitagnachmittag, mit dem Entschluss, bei großer Hitze, den Zug nach Obergrafendorf zu nehmen. Die Reise von Wien dauerte nicht lange, nicht einmal eine Stunde, jedoch die Strecke St. Pölten – Obergrafendorf mit der Mariazeller Bahn ist eine besondere. Eine private Eisenbahnlinie eschichtsträchtig, langsam, aber charakteristisch. In Obergrafendorf fand ich rasch das Tenniszentrum, wo, über der Bar, die Betten zum Schlafen waren. Der Schlafsaal war voll. Aber aufgrund der Hitze entschloss sich die Hälfte der Gäste im Freien zu schlafen. Der Organisator, Gerhard, in traditioneller Tracht, begrüßte mich persönlich so wie all die anderen Läufer. Die Ausgabe der Startnummer war eine Formalität. Nun musste ich entscheiden, welche Sachen ich bei den verschiedenen Checkpoints lasse. Die anderen Konkurrenten hatten einen Sack mit ihrem eigenen Namen, ich half mir mit irgendeiner Tasche, auf die ich mit einem Stift meinen Namen schrieb. Ich entschied mich beim CP3 (Kontrollpunkt 3) die Schuhe zu wechseln, beim CP5 das Trikot, wie auch beim CP8. Pünktlich um 17 Uhr begann das Briefing und um 18 Uhr die PastaParty mit den klassischen Spaghetti Bolognese. Der restliche Abend verging rasch mit dem Austauschen von Eindrücken mit den anderen Läufern. Es ist immer schön, die Ansichten und Geschichten über andere Wettkämpfe zu hören. Um 23 Uhr ging ich schlafen, der Saal war heiß, die Klimaanlage laut und Schlafen problematisch.

Der Ablauf

Um 4:30 Uhr wurde das Frühstück serviert, es war ein Privileg für die, die sich entschlossen hatten, bis dahin zu schlafen. Um 6 Uhr war alles fertig für den Start. Man hatte die Aussicht auf einen sonnigen Tag, Rekordhitze mit über vierzig Grad, aber ohne Gewitter. Auf der Strecke waren wir 54, aber am Ziel sah man nur 41 Läufer. In meinem Rucksack trug ich Wasser, GPS mit dem Streckenplan und Mützen. Nach dem Start wollte sich niemand die Geschwindigkeit diktieren lassen, so war der Rhythmus sehr gedämpft und ich fand mich an erster Stelle. Die Sonne war noch am Horizont und die Berge waren stimmungsvoll. Es war ein wahres Vergnügen, bei diesen Bedingungen zu laufen. Meine Taktik für den Wettkampf war: ruhig gehen, nie den Weg verfehlen und immer an den nächsten Checkpoint denken. Die Strecke war gut markiert mit senkrechten weißen und blauen Zeichen, am Asphalt mit grüner Aufschrift. Alle anderen Zeichen wurden ignoriert. Ich war jedoch froh, dass ich mein GPS (Garmin GPSMap 60CSx) mit der Karte und die Erfrischungspunkte mit mir mitgetragen hatte, den Weg zu verfehlen konnte jeden Moment passieren. Beim CP1 ging es, nachdem ich meine Karte gelocht hatte, gleich weiter. Zum CP2 begannen sich die Steigungen zu verändern und hier ging des Wasser aus. Nach einer kurzen Pause zum Nachfüllen des Sacks, ging es mit hoher Moral weiter. Vorläufig fand ich einen Anstieg auf einem leichten Weg, nahezu immer laufend. Weiter vorwärts wird sich das Geländeprofil stark ändern. Ich habe mich entschieden, die ersten CP mit den Straßen-Wettkampfschuhen zu laufen (Mitzuno Ronin 5), keine gute Wahl vor allem da meine Schuhe zum Wechseln (La Sportiva CLite 2) eine Nummer zu klein sind. Vor dem CP3 kam ich zum ersten Stück mit einem technisch anspruchsvollen Abstieg. Hier hat mich der Tagessieger das erste Mal, insgesamt drei Mal, überholt, er kam wie eine Rakete. Beim CP3 bin ich mit einem Lächeln auf den Lippen angekommen und habe die Schuhe gewechselt. Ich erfragte meine Position und habe als Antwort gehört, dass ich Siebenter bin. Ich sagte, dass das ein Fehler sein muss. Kein Fehler, denn da war ein einfacher Abstieg und danach eine Rechtskurve zum nächsten Anstieg. Hier sah ich die Abbiegung nicht und setzte am falschen Weg fort. Ein Blick auf das GPS um verbittert festzustellen, dass ich umkehren musste. Mit den neuen Schuhen fand ich mich nicht gut zurecht und ich begann die Anstrengung zu spüren.

Die große Hitze

Einzeln am CP4 angekommen, war es schon Mittag. Es war heiß und ich hatte einen Platz verloren. Der Anstieg zum Pichl gegen CP5 gestaltete sich in einer unnatürlichen Stille. Jetzt war ich am Pass, niemand unterwegs, nicht einmal einen Schatten konnte man sehen. Ein Geräusch einer entfernten Motorsäge brachte mich wieder auf den Boden. Das war ein Zeichen, dass noch enschliche Wesen existieren. Ich sah einen Brunnen, ich näherte mich

und entdeckte, dass dieser voll von Bierdosen war. Das war eine besondere Stärkung von Joe, der mit der Nummer 1 gestartet ist. Ich kühlte mich ein bißchen ab, aber ich ließ das Bier aus, trotzdem waren alle Dosen am Schluss  leer. Jetzt überholte mich der Tagessieger erneut, Er verwünschte seine Wegverfehlung. Ich fand Zeit für ein Bad in einem Teich. Das dritte und letzte Mal überholte mich der spätere Erste. Er hatte den richtigen Weg verloren und hatte einen Zorn auf sich, so dass er sich entschloss Alles zu tun, um doch noch zu gewinnen. Die Bestimmung wollte, dass er alleine gewinnen wird, weil der spätere Zweite auf den letzten 5 Kilometern, nach einem perfekten Wettlauf, den Weg verfehlt hat.

Einsam erreichte ich CP5. Dort nahm ich mir all die Zeit um wieder Energie aufzuladen. Inzwischen trafen viele andere Läufer ein.

Die dauernden Steigungen und Krisen

Zusammen mit zwei Anderen und im Schritt, kamen wir dem Anstieg zum Eisenstein entgegen. Große Steigungen, aber das Schritttempo war gut. Am CP6 spürte ich ein bißchen Zweifel in Bezug auf die beiden Anderen und ich entschloss mich rasch den schwierigen Abstieg anzugehen, die Kraftbrühe und das eiskalte Getränk auslassend. Ein schlimmer Fehler, insofern mich wenige Minuten später die leeren Batterien im Stich ließen. Dort schleppte ich mich dahin, wo die Anderen mit Vollgas gelaufen sind. Ich verfehlte neuerlich den Weg, die Abzweigung nicht beachtend, die auch Andrea Bocelli hätte sehen müssen.

Ich kam am Gipfel Hohenstein an, CP7 Km 74, vor 18 Uhr an. Doch dort musste ich wenigstens eine halbe Stunde zum Auffüllen der Energie in Ruhe bleiben. Immer bemüht einen annehmbaren Eindruck zu machen, damit sich die Wettkanpfhelfer nicht allzu große Sorgen machten. Ich jedoch hatte tatsächlich nicht den besten Eindruck. Nachdem ich ein Brot mit Speck gegessen und einen Radler getrunken hatte, ging es weiter. Den Ansporn, den ich mir gegeben habe, war „nunmehr ist es geschafft, es bedarf nur mehr eines Marathonlaufes“. Der Anstieg, der folgte ist in der Theorie sehr leicht, aber er erlaubte kein Laufen.

Am Ende des Abstiegs kam ich in einen Bach, der mich entlang der Strecke etwas erfrischte. Ich ging dort mit den Schuhen und Socken hinein. Ein paar Stunden später waren meine Füße so weich, nass und vollkommen weiß, sodass sie mir einen neuerlichen Wettlauf verwehrten. Jedoch hat mir inzwischen die Abkühlung gut getan und ich habe wieder begonnen zu laufen.

 

Die Wiedergeburt und die neue Krise

Ich fühlte mich wie neu. Beim CP8, nach 83 km Wettkampf, habe ich gegessen und es ging mit Schwung weiter, jedoch habe ich vergessen, dass ich die Kleidung zu wechseln hatte. Hier erkannte ich auch den Organisator der Lainzer Tiergarten-Strecke, der mir sagte, dass ich gut aussah. Ich erklärte ihm, dass das so sei, weil ich anständig trainiert für seinen Wettkampf bin. Er erwiderte, dass er auch im nächsten Jahr diesen organisieren werde. Es war fast schon dunkel, der Wille zu laufen fehlte nicht und in kurzer Zeit erreichte ich CP9. Jetzt musste ich mit der Stirnlampe auf dem ganzen Wegstück, wo das Trekking-Licht vermerkt war, unterwegs sein. Ein schöner Anblick. Wir waren zu dritt, die diese letzte Hürde in Angriff nahmen. Doch es begann mit einer Weide voll Kühen, die vom Trekking-Licht durchkreuzt wurde. Beim CP9 bin ich jedoch viel zu wenig stehen geblieben und nach einigen Minuten begann ich die Ermüdung zu spüren. Mir gelang es nicht mehr zu laufen. So war es bergab wie eben, so blieb ich alleine über. Die Füße taten mir weh. Alle zwei Minuten sah ich auf das GPS und der Checkpoint war immer noch dort. Bewegte ich mich? Schließlich erreichte ich CP10. Es sind elf zu durchlaufen. Jetzt fehlten nur mehr 8,5 km zum Ziel und ich nahm mir all die notwendige Zeit um mich zu erholen. Von diesem Punkt an war ich fest entschlossen nicht mehr nachzulassen und war sicher, erneut laufen zu können. Leider hat ein Kamerad, der sich auf einer Wiese eine Stunde ausgestreckt hatte, entschieden ein Auto zu besteigen und aufzugeben. Er schafft das nicht mehr, sagte er. Ich fragte ihm, ob er sich sicher sei. Er sagte ja und stieg ins Auto. Ich trank das soundsovielte Coca Cola und setzte schnell weiter fort. Ich wusste, dass ich laufen konnte, trotzdem mich die Füße zu einem lahmen Hund machten. Das Wasser und die engen Schuhe haben sie eigentlich so zugerichtet.

Ich hielt nicht mehr an

Eine kurze asphaltierte Steigung, ein Abstieg voll von Löchern und dann waren die letzten 4 km auf einem ganz geraden Radweg. Es schien mir unendlich, aber ich lief. Und stark, um  beinahe einen anderen Konkurrenten einzuholen. Er sagte, dass es nicht mehr gelingen wird zu laufen, aber stattdessen schien mir, als raste er. Uns trennten ganz wenige Sekunden, aber ich gewann nichts. Vielmehr verlor ich und musste dann loslassen, meine Anerkennung an ihn bei der Ankunft. Am Schluss machte der Fotograf, der bereits beim Nachhause gehen war, ein paar Fotos von mir wenige Meter vor dem Ziel. Um 0:51 Uhr, nach fast 19 Stunden nach dem Start, durchschritt ich das Ziel in einer grandiosen Festatmosphäre. Fabelhaft. Unglaublich, dachte ich, wie ich seit heute morgen um 6 durchlaufend, mehr als einhundertzehn Kilometer mit fünftausend Meter Höhenunterschied, auf den Füßen war. Eine zurückgelegte Kilometerzahl, die zu laufen mir nicht einmal in einer Woche jemals gelungen war. Und doch, einen Schritt nach dem anderen, ohne „Angst vorm schwarzen Mann“ zu haben, bin ich angekommen. Die Ausstrahlung des Wettkampfs ist nicht zu glauben. Nach der Dusche blieb mir im Ziel noch diejenigen zu feiern, die nach mir ankamen, die Eindrücke mit den anderen bereits angekommenen Läufern austauschend. Um 4:30 Uhr

fehlten nur noch drei, aber da ging ich schlafen.

Die Verabredung steht für das nächste Jahr.