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Veitschergrenzstaffellauf 2013                                                              

Ein Bericht von Sigi

Nach einem, für mich, läuferisch sehr erfolgreichem 2012er Jahr, das mit dem 6 Stundenlauf in Schwechat seinen absoluten Höhepunkt fand, stand für das restliche Jahr nur noch lockeres laufen ohne Trainingsplan am Programm. Als dann das geplante Training im Jänner wieder begann, war es sehr schwer für mich das regelmäßige Laufen (mind. 4 Mal in der Woche) wieder aufzunehmen.

So vergingen zwei harte Wochen, denn das Training fiel mir nicht leicht und ich musste mich dazu zwingen, mir die Laufschuhe anzuziehen. Ich fragte mich, wo ist die Motivation?

Nach kurzem Grübeln hatte ich die Lösung und ich wusste genau, wo ich sie fand - im „Laufshop“. Gesagt, getan. Schnell war etwas gefunden und gekauft. Ein neuer „Brooks PureFlow“ sollte mein

Problem lösen. Und siehe da, es funktionierte. Zumindest fast, denn irgendetwas fehlte noch immer. Ich brauchte natürlich ein Ziel. Aber auch das war relativ schnell gefunden.

Da wäre der „Ötscher-Ultramarathon“ oder der „Veitscher Grenzstaffellauf“. Die Wahl fiel, wer hätte das gedacht, auf die Veitsch, da in diesem Jahr Österreichische Berglaufmeisterschaften am Programm standen und ich mich dort mit den besten Österreichern messen durfte. Ich weiß es eh, Bescheidenheit ist eine Zier.

Von nun an machte das Training wieder richtig Spaß, egal ob alleine oder in den verschiedenen Trainingsgruppen der FDL. Die Formkurve und auch meine Erwartungen, was den Wettkampf auf der Veitsch betraf, stiegen rasch an. Im März beim FDL- Wochenende in Neusiedl, waren einige Testläufe angesagt. Die Daten auf meinem Garmin waren in Ordnung, ich war sehr zufrieden.

Anfang Mai stand dann der Welschmarathon als Longjog am Programm. Alles bestens gelaufen.

Nun steigerte ich mein Training auf bis zu 120 km in der Woche, mit dem Schwerpunkt auf Gelände und Bergläufe. Wobei ich aber penibel darauf achtete, den gesamten Wochenschnitt der gelaufenen km in den letzten 3 Monaten vor dem Wettkampf unter 90 km zu halten.

Nach einem tollen Wochenende mit einigen FDL in Velden, kam ein, für mich sehr ungewohnter Rückschlag. Ich bekam ganz plötzlich starke Magen-Darm Probleme, die mich für ca. 1 Woche außer Gefecht setzten - laufen unmöglich!

Nach meiner Zwangspause war das Laufen für mich nicht mehr so wie es war. Meine Beine fühlten sich an wie aus Blei und ich rang bei jedem Schritt nach Luft. Mein erster Gedanke war: „Das war’s. Veitschlauf ade!“

Jetzt hieß es die Nerven zu bewahren und zu versuchen, die gute Form einigermaßen zurück zu gewinnen. Ich hatte ja noch 17 Tage, um mich auf Vordermann zu bringen.

Mit der Devise „In der Ruhe liegt die Kraft“ kam meine Energie zumindest teilweise zurück und ich war mir fast sicher, dass eine neue persönliche Bestzeit möglich wäre.

Und da war er nun, der 29.06.2013 - Tag der Wahrheit.

Aufstehen um 5 Uhr, ein kurzes Frühstück und ab ins Auto. Nach 1:40 Stunden Fahrt waren Manuela und ich im Dorf-Veitsch angelangt. Es war schon viel los. Nach dem Abholen der Startnummer, konnte ich die tolle Stimmung so richtig genießen und saugte sie auf wie ein Schwamm. Es war einfach großartig!

Wir hatten prächtiges Laufwetter, Sonne mit Wölkchen, nicht zu heiß und die Strecke war trocken. Da lacht das Läuferherz und schreit: „Yippie wann geht‘s endlich los?“ Mittlerweile waren auch Heidi und Sigi aus Gleisdorf eingetroffen, ebenfalls bestens gelaunt. Sigi hatte zwar einen missglückten Start am Veitschkonto, aber jede Menge guter Ergebnisse im heurigem Jahr vorzuweisen. Einen Welschmarathon in 3 Stunden 21 Minuten zum Beispiel. Nach kurzer Begrüßung war es an der Zeit, uns umzuziehen und für das Rennen fertig zu machen...

So, nur mehr 5 Minuten bis zum Start. Ich verabschiede mich von Manuela. Sie wünscht mir noch alles Gute und ich gehe langsam und völlig ruhig zum Startbereich. Es ist 9 Uhr, los geht’s. Es ist eine wahre Freude jetzt und hier loszulaufen. Nach 1,5 km Asphaltstraße kommt der erste Anstieg auf den Hochreiter und ich merke sofort die Beine sind heute gut. Ein kurzer Blick auf die Pulsuhr bestätigt mein subjektives Empfinden - Puls 155, alles bestens. Viele Läufer ziehen an uns vorbei, aber Sigi und ich lassen uns nicht beirren und laufen konsequent unser Tempo. Nach 5 km bergauf, werden wir nicht mehr überholt und bereits nach weiteren 2 km beginnen wir vereinzelt zu überholen.

Nach der ersten Bergwertung dann das erste Bergabstück. Wir bewältigen km um km und kommen immer höher in Richtung Rotsohl. In der ersten Wechselzone zeigt meine Uhr 1 Stunde und 35 Minuten. Ich bin hoch zufrieden, denn wir haben bereits 16,5 km geschafft und es läuft sehr gut!

Mittlerweile hat sich vor Sigi und mir ein kleines Grüppchen gebildet. Wir sind eine Schar von 7 Läufern, die dasselbe Tempo laufen und das schon seit fast einer Stunde. Nach ca. 2,5 Stunden sind wir nun am berühmt-berüchtigten Teufelssteig angekommen. Wir sind auf einer Höhe von 1600 m. Zu meinem Erstaunen stelle ich plötzlich fest, dass es mir immer schwerer fällt, das Tempo der Gruppe zu halten. So war das aber nicht geplant. Aber was soll’s, ich muss rauf aufs Graf Meran Haus! Als Sigi und ich das Schutzhaus erreichen, bin ich, na sagen wir mal, nicht in Hochform. Ich genehmige mir 2 Becher warmen Tee und ein paar Trockenfrüchte. Sigi geht’s scheinbar deutlich besser als mir und er übernimmt folglich auch sofort die Führung.

Ich habe auf dem technisch anspruchsvollen Almpfad große Mühe ihm zu folgen. Mir ist kalt, ich bekomme keine Luft und die Oberschenkel schmerzen. Ich muss auch auf sehr kurzen Steigungen kleine Gehpausen einlegen. Immer wieder stolpere ich, treffe die Steine nicht. Was ist nur los mit mir? Ich bin ratlos und enttäuscht, tapse durch die Gegend wie Petzis Großvater.

Aber so schnell gebe ich dann doch nicht auf, also kämpfe ich mich an die enteilte Gruppe heran. Danach bin ich total erledigt. Die nächsten paar km versuche ich irgendwie an den Läufern vor mir dranzubleiben und zu meiner Überraschung, gelingt es mir, mit Fortdauer des Rennens, immer besser. Wir sind nach einigen Bergabeinheiten höchstens noch 1 km von der 2. Wechselzone entfernt und ich kann es kaum glauben, aber das, was ich in diesen Momenten mache, fühlt sich wieder wie laufen an.

Nach der Ankunft in der 2. Wechselzone, stehen trinken und Trockenfrüchte essen am Programm. Meine Zeit für das zweite Teilstück ist 1 Stunde 43 Minuten. Ich bin doch ein bisschen enttäuscht.

Sigi kommt eine halbe Minute später, er hatte ein Problem mit seinen Schuhen. Nach dem kurzen Aufenthalt in der 2. Wechselzone bin ich wie verwandelt. Ich habe wieder Kraft und das will ich auf den letzten 21,5 km auch zeigen!

Weiter geht’s. Sigi übernimmt wieder die Führung, aber nicht sehr lange. Ich habe plötzlich das Gefühl, als wäre ich gerade erst gestartet. Ich erhöhe das Tempo, überhole ihn und laufe was die Beine hergeben. Es kommen immer wieder steile Bergaufpassagen, aber jetzt ist nur mehr laufen angesagt. Die Anzahl, der zu laufenden km bis ins Ziel, schmelzen rasch und der Lauf macht wieder richtig Spaß. Ich überhole Läufer um Läufer und freue mich auf jede einzelne Steigung, denn da gibt’s wieder was zum Einsammeln.

Ungefähr 5 km und 500 hm vor dem Ende des Laufs, beim Mirl-Bauer, ist der Blick frei auf den Zielbereich. Ich bin beeindruckt und auch sehr bewegt von diesem Anblick. Und wie heißt‘s immer? Das Beste kommt zum Schluss! Eine schöne Forststraße, 10% Gefälle, 4 km Länge, viele Kurven und 2 schnelle Beine… einfach geil! Ich laufe diese Strecke, als wäre der Teufel hinter mir her. Da sind dann noch 1,5 km Asphaltstraße durch das Dorf-Veitsch bis ins Ziel. „Geschafft“! Manuela fällt mir vor Freude gleich an der Ziellinie um den Hals. Ich genieße diese eindrucksvollen und bewegenden Momente sehr! Meine Laufzeit 5 Stunden 1 Minute und 25 Sekunden - nun ja, was soll ich sagen? „Hurra ein Traum!“ Nach solch einem durchwachsenen Rennen fühlt es sich an wie ein Sieg. Mein guter Freund Sigi trifft 20 Minuten später im Ziel ein und ist nun natürlich ein echter „Ultra“.

Ich gratuliere ihm auf diesem Weg herzlichst! Gratulation auch an Igor fürs durchbeißen.

Liebe Grüße und viel Spaß beim laufen       

Sigi