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25. Turin Marathon  am 13.11.2011

Bericht Alexander Karas

 Da mein 40`er immer näher rückt, hatte meine entzückende Gattin die glorreiche Idee den „alten“ Knacker noch nach Turin zu einem Marathon zu schicken. So wurden Ihrerseits hinter meinem Rücken drei Freunde kontaktiert, das Sponsoring aufgestellt und schon ging es am Freitag lächerliche 1050 km mit dem Auto nach Turin. Anzumerken ist, dass Turin nicht irgendeine Stadt ist, sondern „meine Stadt“ - hier wird der beste Fußball gespielt (Juventus), werden die besten Weine ausgeschenkt, die besten Mehlspeisen angeboten, der beste Espressi serviert und so weiter (wäre ja eine nimmerendende Liste) – so und jetzt auch noch ein Genusslauf durch Turin bzw. um Turin herum. Auf Turiner Boden wird nämlich nur ein Drittel des Marathons gelaufen. Vielmehr hat man eine große Runde durch das Umland abgesteckt, die noch sieben andere Gemeinden mit einbezieht.

Der Marathonkurs selbst ist geprägt von ziemlich langen Geraden – von den 42 Kilometern läuft man ungefähr 35 km nur gerade aus – also verlaufen konnte man sich nicht. Praterhauptalleeerfahren wie ich nun mal durch den Verein geworden bin, konnte mir dies natürlich nichts anhaben. Start und Ziel befinden sich auf der Piazza Castello. Bekannt ist uns dieser Platz durch die abendlichen Siegerehrungen während der Olympischen Winterspiele 2006. Erwährenswert ist auch das unverwechselbare Wahrzeichen von Turin – die Mole Antonelliana (gilt als das höchste Ziegelbauwerk der Welt), welches auch auf der italienischen Zwei-Cent-Münze verewigt ist,  und das Turiner Grabtuch – Sindone di Torino  Das Tuch wird in einer im Ende des 17. Jahrhunderts erbauten Seitenkapelle des Turiner Doms aufbewahrt. Es wird von vielen Gläubigen als das Tuch verehrt, in dem Jesus nach der Kreuzigung begraben wurde. Das Tuch bleibt eines der am meisten untersuchten Objekte in der Geschichte der Menschheit und eines der umstrittensten.

Bekannt ist Turin auch durch ca. über fünfzehn Kilometer lange (Einkaufs-)Straßen, welche an beiden Straßen durchgängig von Arkaden gesäumt sind und zum Flanieren anregen. Weiters befindet sich das weltweit zweitgrößte ägyptische Museum , das Museo Egizio, in Turin. Schon diese kurze Aufzählung zeigt, dass Turin keineswegs eine triste Industriestadt ist, sondern durchaus touristisches Potential hat. So und nun wieder zum Marathon.

Da ich verletzungsbedingt 2 Wochen vor dem Marathon nicht laufen konnte, war ich anfangs skeptisch überhaupt wieder den Piazza Castello zu Gesicht zu bekommen. Doch dank eines optimalen Vorbereitungstages am Samstag mit einem Tagesausflug ins Piemont mit mehrmaligen Weinverkostungen der drei berühmten Piemont Weine (Barbera, Barbaresco, Barolo) , einem fantastischem Risotto mittags , einer ebensoguten Pizza Frutti di mare mit einer Nachspeise in Form von Profitoreles abends konnte ich die Nacht vor dem Start durchschlafen und stand somit optimal ausgeruht am nächsten Tag beim Partenza/Start. 

 Die Wettervorhersagen waren ausgezeichnet – Frühtemperatur ca. 2 Grad, anfangs nebelig, dann sonnig mit einer Tageshöchsttemperatur von 14 Grad, kein Wind – besser geht es nicht.

 Eine Sängerin mit einer wahnsinnsguten Stimme sang die berühmte italienische Nationalhymne „Fratelli d` Italia“. Die meisten wartenden Läufer sangen natürlich lautstark und inbrünstig mit – Gänsehautfeeling pur. Um 09 30 Uhr erfolgte der Start. Da lediglich ca. 3000, jedoch ausschließlich, Marathonläufer am Start waren, passierte ich nach ungefähr einer Minute bereits die Startgerade und ab ging es über den Platz  zur Via Po, welche zum gleichnamigen Fluss führt. Am Poufer steht wenig später ein Denkmal für Giuseppe Garibaldi, wohl der populärste italienische Nationalheld überhaupt. Nicht umsonst findet man in fast jeder italienischen Stadt eine Via Garibaldi. Nach ungefähr 5 km verschwindet die Straße für einen knappen Kilometer in einem Tunnel, mit dem der kurze Abschnitt im Zentrum von Turin zu Ende geht.

 Erzählungswert sind auch die auf den ersten Kilometern in regelmäßigen Abständen vom Veranstalter verpflichteten, positionierten Schlagzeuger. Alleine, in Zweier- oder Mehrfachteams sorgen sie für regelmäßige rhythmische Untermalung.

 Es werden nunmehr die Vororte von Turin angesteuert – natürlich auf endlos scheinenden Geraden. In Erinnerung geblieben ist mir der Vorort Orbassano, wo am Marktplatz ein große Zahl Zuschauer für eine gute Stimmung sorgte. Generell läuft man einen großen Teil des Marathons eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch wenn Leute am Straßenrand gestanden sind, wurde man mit den Worten „BRAVI, BRAVI“ regelrecht angebrüllt. 

 Das letzte Drittel des Marathons wird vom Vorort Rivoli auf einer fast zwölf Kilometer langen (längste Gerade bei einem europäischen Städtemarathon?), in einigen Teilen als Allee angelegten, Straße ins Zentrum von Turin gelaufen. Ca. 7 Kilometer vor dem Ziel wird man letztens wieder von einer überdimensionalen Orttafel „TORINO“ über der Straße in Empfang genommen. In Turin selbst wird durch das rechtwinklige Straßennetz wiederum schnurstracks die Via Roma angesteuert, von wo aus dann schon der Piazza Castello ersichtlich ist. Der Schlussspurt geht dann über diesen Schlossplatz vorbei an dem Palazzo Madama  zum Arrivo/Ziel kurz vor dem Palazzo Reale.

 Bei meinen letzten Metern musste ich mich noch lautstark bei meinen drei Freunden, welche auf den Tribünen standen, bemerkbar machen, da sie mich noch nicht erwartet haben, denn auch meine Zeit ist durchaus erwähnenswert 03:57:32 (mein erster Marathon unter 4 Stunden) - die Krönung einer tollen Reise und das in meiner Stadt.