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Mein Erster 24-Stundenlauf in Irdning

 Bericht von Helmut Treitler

 

Es ist der 20.12.2010 um 17:00 im Vereinslokal Schüttel. Treffen mit Christian um den Trainingsplan für das Projekt „erster 24er in Irdning“ zu starten. Christian öffnete seinen Timer, auf den er im Monatsplan die wöchentlichen km-Umfänge notierte. Noch kurze persönliche Tipps und los ging es. Anfangs hatte ich Bedenken, diese Umfänge mit aller Konsequenz umzusetzen.

 Im Jänner startete ich mit 100 km Wochenumfang.  Eisern hielt ich mich an den „Plan“, der in Spitzenwochen einen Umfang von mehr als 200 km pro Woche haben sollte. Klingt schrecklich, war aber nicht so schlimm. Der systematische Aufbau garantierte, dass ich in der Vorbereitung nie den Gedanken hatte, das Projekt „Irdning“ abzubrechen.  Auch holte ich mir bei meinen Trainingsläufen wie in Wals(6-Stunden-Lauf), Welsch Marathon und speziell die Neusiedlerseerunde wertvolle Erfahrungen ab, da bei diesen Läufen immer etwas geschah, das für mich neu war. Diese Effekte konnte ich mir in Irdning zum Nutzen machen.

 08.07.2011: Anreise nach Irdning. Treffen mit meinen FdL-Freunden beim Zeltplatz im Areal. Aufbau der Zelte bei unserem Standplatz und danach Abholung der Starunterlagen. Obwohl ich nun der Tatsache konfrontiert war, dass es für mich nun kein Entrinnen mehr gab, war ich noch immer nicht nervös. Da ich bis jetzt noch keine Erfahrung mit einem 24-er hatte, gab es auch für mich keinen Grund eine Anspannung zu verspüren. Ich freute mich lediglich auf die neuen Erfahrungen, die auf mich zu kommen sollten. Bis jetzt bin ich noch nie in solche Bereiche vorgedrungen.

 09.07.2011: Die vergangene Nacht hatte ich gut und halbwegs viel geschlafen. Nach dem Frühstück gönnte ich mir auf dem Weg zur Strecke noch ein leicht verträgliches Mittagessen. Bei unserem Standplatz eingetroffen, platzierte ich meine Sachen für den Lauf. Noch kurze Anleitungen und los ging es zum Starbereich mit Pauline und Christian. Dort angelangt, trafen wir viele der bereits bekannten Ultras. Shakehands und die besten Wünsche gegenseitig folgten. Um Punkt 14.00 ging es bei strahlenden Sonnenschein mit ca. 34 Grad endlich los. Christian und ich hatten die Strategie, so schnell als möglich am Ende des Feldes zu sein. Unglaublich, dass Pauline auch dabei war und sich nicht von den Manövern der Anderen beindrucken ließ. Kurz vernahm ich folgende Aussage von Pauline: „Wenn die(Christian u. ich) nicht sein würden, würde ich viel schneller laufen.“?!?!?! Mit dem gewählten Tempo gelang es relativ schnell, uns am Ende des Feldes einzureihen. Bereits in der dritten Stunde begann ich kurze Gehphasen einzulegen, um ja nicht zu schnell zu werden. So konnte ich die Hitze vor dem Sonnenuntergang sehr gut überstehen. Als dann die Nacht einbrach, die Temperaturen sehr angenehm wurden, verfiel ich in einen meditativen Laufschritt. Ich kann echt behaupten, die Nacht extrem genossen zu haben. Bereits vor Mitternacht konnte ich meinen Namen auf der Anzeigetafel sehen, was bedeutete, dass ich mich bereits unter die Top10 vor gearbeitet habe.

 10.07.2011: Unbeeindruckt von der zwischenzeitlichen Platzierung versuchte ich mein Tempo zu halten. Aufgrund der Tatsache, dass ich nun doch schon einige Runden intus hatte, konnte ich auch einige Fanclubs entlang der Strecke aufbauen. Das stellte eine Abwechslung dar. Auch bei den Zusehern bemerkte ich erste Verschleißerscheinungen.  Unabhängig davon, war es immer wieder eine Freude bei unserem Platz vorbei zu kommen. Die Unterstützung war absolut perfekt. Wünsche für folgende Runde wurden prompt und ohne Hinterfragen erledigt. Das war echt professionell. Um 02:00 vollzog ich den von mir geplanten Schuhwechsel. Runde für Runde näherte ich mich dem Morgengrauen und ich konnte beobachten, dass ich in der Platzierung weiter nach vor gekommen bin. In der Früh war es ziemlich bewölkt und ich hoffte, dass das auch so bleiben wird. Leider verzogen sich die Wolken. Ungetrübter Sonnenschein mit stark steigender Temperatur folgte. Ab 09:00 gab es entlang der Stecke keinen Schatten mehr. Also genau die Verhältnisse, die ich gerade am Vortag noch gut bewältigen konnte, nun aber nicht mehr hinnehmen wollte. Mit der Müdigkeit und der massiven Sonneneinwirkung entschied ich mich, ins Gehen überzugehen. Damit blieb ich zumindest in der Vorwärtsbewegung. Unsere Freunde der Mega-Staffel übernahmen die rundenweise Betreuung. Obwohl ich in einen Delirium-artigen Zustand war, ich auch teilweise meine gute Erziehung vermissen ließ, wich mir keiner von meiner Seite. Als Verstärker konnte ich noch unseren hypernervösen Kurt beobachten, wie er mit seinen Listen auf und ab marschierte.  Da begann ich mein Ziel der angepeilten 200 km zu verschieben. Ich konnte und wollte nicht mehr in den Laufschritt verfallen. Ich hielt meinen „schnellen“ Spaziergang aufrecht.  Viele unserer Megastaffel-Runners haben versucht, mit motivierenden Worten zu mir durch zu dringen. Teilweise mit sehr heftigen Reaktionen meinerseits. Sorry nochmals an alle!!! War nicht so gemeint und ich war in einer für mich noch nie dagewesenen Ausnahmesituation.  Dank eures Pushens konnte ich meinem Ziel näher kommen, wofür ich mich bei jedem einzelnen von euch bedanken möchte.

Wenn da nicht noch der Kurtl mit seinen Listen gewesen wäre. Er war es, der die ohnedies sehr kuriose Zwischenauswertung noch mit seinen Kommentaren eine massive Spannung verpasste. Da ich mich nie mit Platzierungen auseinandersetzte, war mir sein „Herumfuchteln“ ziemlich egal. Ich wollte nur mehr finishen. Mittlerweile verschob ich mein Ziel in Richtung der unter 200 km-Marke, da ich nichts mehr zusetzten konnte. Jedoch 20 Minuten vor der Schlusssierene beim Passieren der Rundenzähler bekam ich von meiner Zählerin die Information, dass ich nur mehr eine Runde benötige, um die 200 km zu knacken. Nach kurzer Rücksprache, wie sicher die Info sei, fasste ich den Entschluss, diese eine Runde noch zu pushen. Sehr zum Leidwesen von Christoph (wog sich in Sicherheit und war mit FlipFlops unterwegs;-))) und dem von der Rennleitung abgestellten“3“-er. Mit der für mich schnellsten Runde knackte ich die 200 km. Mit Tränen in den Augen passierte ich die Zeitnehmungsmatte und erreichte auch noch den „überdrübersuperhyterischen“ FdL-Platz. Ab da brannten auch noch die Sicherungen bei mir durch und ich schwebte voller Emotionen über diesen Streckenteil.

 Nach der Schlusssirene wurde ich von meinem persönlichen „3“-er zur Siegerehrung begleitet. Ich konnte es gar nicht fassen. Über 200 km und auch noch auf dem Stockerl zu „stehen“ war mehr als ich in meinen kühnsten Erwartungen erhofft hatte. Bei der Siegerehrung auf dem roten Sofa angekommen, genoss ich es sehr, Pauline ganz oben zu sehen und zur ihrer Linken Platz zu nehmen. Der „we are the champions“-song lies allen Emotionen freien Lauf und  ich werde diesen Moment nie vergessen.

 Ich gratuliere vor allem Pauline zu ihrer extrem trollen Leistung. Ich weiß es und bin mir sicher, dass sie noch nach oben genug Potential hat. Weiters gratuliere ich der „Freunde des Laufsports“-Megastaffel inklusive Anhang, die nicht nur persönlich toll harmoniert hat, sondern auch uns (Pauline und mir) extreme Unterstützung gegeben hat. Ich kann mich da nur den Worten von Pauline anschließen. Ohne eure Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, diesen Erfolg einzufahren. Danke nochmals für Alles und ich bin jetzt schon wieder soweit, dass ich einen 24-er mit Sicherheit wieder absolvieren werde, da bei einer derartig unterstützenden Gruppe nichts schief gehen kann.