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Einmal durch die Hölle und zurück!

Bericht von Markus Fahnl vom 6-h-Lauf in Schwechat am 9.10.2010

 Es war soweit. Samstag halb sieben Uhr morgens, ich konnte die Nacht schon nicht gut schlafen und mein Magen machte was er wollte. Offensichtlich war ich doch nervöser als ich dachte. Aber gut, wie heißt es so schön „aufgeben kann man einen Brief“ also Augen zu und durch. Noch schnell versucht ein kleines Frühstück hinunterzuwürgen und los geht’s gen Schwechat. Um kurz vor 9 in Schwechat angekommen, sehe ich bereits viele bekannte Gesichter, einige sind sogar schon am Aufwärmen. Unerklärlich für mich, da ich ja so oder so 6 Stunden Zeit habe, irgendwann warm zu werden. Mittlerweile plagt mich ob meines massiven Trainingspensums das schlechte Gewissen, ja selbst ich habe ein Gewissen. Eigentlich hatte ich erhofft, mit meiner Anmeldung zum 6-Stundenlauf wieder Reize setzen zu können und entsprechend zu trainieren. Was habe ich getan?

Genau – nichts! Ein einziges Mal einen „Longjog“ über 17 km und dann sehr kurzfristig zum Halbmarathon in der Wachau zugesagt, das war dann auch schon mein Training. Zugegeben ein bisschen zu wenig. Nichts desto trotz, war ich motiviert und hatte mir selbst zwei Ziele gesteckt. Das erste Ziel war 6 Stunden durchzuhalten, wie auch immer und um jeden Preis weder vorzeitig aufgeben noch ein Steh-/Sitzpause einzulegen. Das zweite Ziel hingegen war wesentlich höher gesteckt, über 50 km sollten es werden. Ich bin noch nie weiter als 28 km am Stück gelaufen womit die 50 km Marke doch auch recht hoch gesteckt war und mehr ein Traum als wirkliches Ziel war. Doch nun zum Lauf selbst:

Also auf zum Start, jegliche Nervosität ist verschwunden, jetzt gibt’s nur noch eins – Draufhalten und nicht aufgeben. Im Startbereich gesellte sich Heinz zu mir und so sind wir gleich einmal einige Runden gemeinsam dahingejoggt. Ich bin heute noch ein wenig stolz auf mich, nicht zu schnell angefangen zu haben und konnte mein Tempo so einige Zeit gut halten. Nach einer guten Stunde – es ging erstaunlich gut – legte Heinz dann einen Zahn zu und ich konnte ihm einfach nicht mehr folgen. So verging Runde für Runde. Nach etwa zwei Stunden merkte ich dann aber doch den massiven Trainingsrückstand und mein Lotterleben. Die Beine begonnen zu ziehen und auch mein Rücken meldete sich bereits zu Wort. Durch die Anfeuerung meiner Freundin Raphaela, Romans Freundin Marietta und etlichen anderen im Start-/Zielbereich konnte ich aber auch diese ersten Problemchen vergessen. Rechtzeitig griff ich auch zu Gels und Iso-Drinks die mir sicherlich geholfen haben. Heinz hatte ich schon lange aus den Augen verloren und kurvte so eine Runde nach der anderen ab. Nach knapp

3 Stunden merkte ich aber, dass auch andere Teilnehmer nicht mehr so sehr lachten wie zu Beginn des Laufs und ebenfalls kämpften. Nicht das ich irgendjemandem Schmerzen wünschen würde, aber einfach die Tatsache nicht alleine leiden zu müssen, machte es mir ein wenig leichter. Nach ca. dreieinhalb Stunden kam dann der erste Hammer. Ich musste gehen. So spatzierte ich dann in sehr gemächlichem Tempo ca. eineinhalb Runden und ließ mich von den Fans und anderen Mitstreitern „bemittleiden“. Ca. zwanzig Minuten später startete ich einen erneuten Versuch zu laufen und es ging überraschend gut. Auch Roman Schmidt hat sich zeitweise zu mir gesellt und gut auf mich eingeredet, was tatsächlich wesentlich mehr wert ist als man vermuten möchte. Er musste zwar ein wesentlich langsameres Tempo laufen als er es aus seiner Staffel gewohnt war, dennoch bin ich ihm sehr Dankbar. Natürlich wurden die Rundenzeiten immer langsamer und langsamer, aber ich konnte

zumindest laufen und plötzlich hatte ich auch Heinz wieder vor Augen und so gesellte ich mich zu Ihm und wir „genossen“ ein paar gemeinsame Runden. Ab der fünften Stunde, dachte ich wirklich ans aufgeben, ich gesteh es. Ich wollte alles machen nur nicht noch einen einzigen Meter laufen. Meine Augen brannten von dem Salz in meinem Gesicht, mein Magen „spielte alle Stückerl“, meine Beine waren schwer wie Blei und mein Rücken schmerzte so sehr, dass ich kaum noch aufrecht stehen geschweige denn laufen konnte. Somit musste ich einfach wieder zurückstecken und gute zwei Runden einfach nur gehen. Die Stimmung im Start-/Zielbereich hingegen wurde immer besser, lauter, schriller, phantastischer. An dieser Stelle möchte ich mich gleich mal besonders bei meiner Freundin Raphaela, Christina, Marietta und Schmudti bedanken die mich wirklich die ganze Zeit über mit Getränken, Gels und Bananen versorgt haben und das zu 100% ohne Aufforderung. Irgendwie konnten die vier einfach in meinem Schmerzverzerrten Gesicht lesen, was ich jetzt gerade brauchte und das

nicht nur im Start-/Zielbereich sondern über die ganze Strecke verteilt. Es sind noch gut 30 Minuten zu laufen. Die Freude über das baldige Ende des Laufs ist eher gedrückt, da ich mir zu dem Zeitpunkt nicht vorstellen konnte auch nur eine Minute länger auf den Beinen zu bleiben. An den klitzekleinen Anstieg auf der großen Runden erinnere ich mich noch heute mit Schrecken. In Summe sind dort etwa 50 cm Höhenunterschied zu meistern, aber nach 36 Runden hatte ich keine Ahnung wie ich auch nur die kleinste Steigung meistern sollte. Aber wir taktierten, so wahnwitzig es auch klingen mag doch keiner wollte mehr eine große Runde laufen. Also war wieder ein wenig gemütliches Schlendern angesagt. Und so ging es sich aus, dass ich exakt 29 Minuten vor Ende den Start-/Zielbereich überquerte und nur noch auf der Tartanbahn laufen musste. Lange Zeit habe ich versucht stets ein Lächeln auf den Lippen zu tragen um ganz im speziellen unseren Kurt ein wenig zu ärgern, doch jetzt war alles vorbei. Die Kraft war weg, der Wille war weg, die Motivation war weg, das einzige das blieb und immer stärker wurde, waren Schmerzen, Verzweiflung und noch mehr Schmerzen. Und wieder ging ich, nur nicht stehen bleiben oder Aufgeben diese Freude wollte ich niemandem machen! Raphaela und Tina sind schon neben mir hergelaufen mit Getränken (Wasser und Iso) in der Hand. Und sie haben auf mich eingeredet wie auf einen kranken Esel. Nichts ging mehr, ich war einfach nur Blau. Noch 20 Minuten. Aus gutem Zureden wurden wüste Beschimpfungen die dann vielleicht doch gefruchtet haben. Langsam aber doch begann ich wieder zu laufen. Wobei laufen wohl das falsche Wort ist. Aktives gehen wäre wohl korrekter. Die Kraft war weg, aber der Wille, mein Ziel von 6 Stunden durchzuhalten wurde wieder geweckt. Und dann plötzlich hieß es: „10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, AUS!!!“ Ich blieb sofort stehen griff mir mit beiden Armen auf meine zerstörten Knie und ließ mich langsam auf die Tartanbahn fallen. Ich war einfach nur am Ende. Ich konnte mich zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal darüber freuen es hinter mich gebracht zu haben. Franz kam mir entgegen, in der einen Hand Bier, in der anderen Zigaretten. Ich habe mich noch nie so sehr auf einen Schluck kühles Bier und eine gemütliche Zigarette gefreut wie zu diesem Zeitpunkt!

Die Kulisse, meine Freunde, die Fans, die Veranstalter, die Veranstaltung als solches waren Rückblickend gesehen jeden Augenblick wert. Und so habe ich alle meine Ziele erreicht. 1) die 6 Stunden durchgehalten und 2) auch die 50 Kilometermarke konnte ich brechen. Nicht deutlich aber doch und so sind es 51,77 km geworden. Heute bin ich glücklich und kann mir sogar vorstellen wieder einen 6 Stundenlauf zu bestreiten, aber sicherlich nicht so untrainiert wie am Wochenende! Danke an alle die da waren und sich nicht von meinem Schmerzverzerrten Gesicht haben abschrecken lassen. Es war schön !