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Mein 2. Stockholm-Marathon am 6.6.2010
Bericht von Gerhard Kaufmann
 
Nach 16 Jahren hatte ich mich voriges Jahr im Sommer 2009 bereits für den Stockholm Marathon 2010 angemeldet.  Das Kontingent von 20.000 NUR-Marathon  Läufer war bereits Mitte November 2009 voll.
Nachdem sich im Frühjahr herausstellte, dass meine Partnerin wegen der Arbeit keine Zeit hatte, plante ich den Lauf in einen ca. 2 wöchigen Motorradurlaub in Schweden ein.
Ich fuhr dabei mit dem  Autoreisezug von München nach Hamburg.  Ich merkte schon vor der Motorradfahrt nach München eine aufziehende Verkühlung und die 440km Fahrt am Dienstag Nachmittag  nach München bei 13 Grad Gegenwind und Regen war kalt und anstrengend. Danach spürte ich ein ziehen in Stirn und Ohren und auch die Nase begann zu rinnen. Die Symptome kenne ich bei mir. Dauert so 2 Wochen mit Höhepunkt nach 4-5 Tagen. Und in 4 Tagen ist der Marathon ?!?
Am Mittwoch kam am späten Vormittag in Hamburg die Sonne heraus, welch ein Genuß nach den letzten kalten Tagen zu Hause. Am Abend ging die Fähre von Kiel nach Göteborg.  Auf dieser konnte ich ein wenig mehr schlafen als im Zug fühlte mich aber in der Früh gerädert und schlapp.  In Göteborg angekommen, es  war sonniges windiges Wetter, wurde ich durch den Zoll gewunken. Danach stand die Polizei und hielt die Fahrer der Fahrzeuge auf und nahm Stichprobenartig Alkotests vor.  Auch ich war ein Auserwählter -  mein erster Alkotest nach über 20 Jahren, vielleicht weil ich so gerädert durch die Verkühlung wirkte?
Die weiteren zwei sonnigen Tage am Donnerstag und Freitag taten meiner Verkühlung gut. Am späten Freitagnachmittag erreichte ich das Haus meiner Zimmervermieterin in Stockholm. Da die U-Bahn in 5 min erreichbar war, fuhr ich mit dieser zum Abholen der Startnummer bzw. Pasta Party. Von der Logistik her ist der Stockholm Marathon sehr gut organisiert. Startnummer, Pasta Party, Start, Ziel alles innerhalb von 200m. Die Pasta Party und das Kleiderdepot waren in einem Nebenstadion des Olympiastadions untergebracht. Am Abend saß man dort - genoss die Abendsonne und bekam zum Schluss unbegrenzt zum Trinken und Pastaessen. Ganz locker gegenüber anderen Veranstaltern, bei der man nur mit Bons etwas bekommt.
Als ich am Abend nach der Pasta Party ins Olympiastadion, indem morgen der Zieleinlauf ist, hineinging, waren vielleicht 5 Menschen da und man konnte sich nicht vorstellen, das dieses morgen voll mit Menschen sein wird. Es wirkte so ruhig und erhaben auf mich in dem ca. 100 Jahre alten Bau, der anlässlich der Olympischen Spiele 1912 errichtet worden ist. In dieser Arena wurden 83 Leichtathletik Weltrekorde aufgestellt.
Am Sa früh Blick hinaus - wieder strahlender Sonnenschein wie in den letzten Tagen 20-25 Grad. Start um 14:00 - das wird warm, und auf meinen Gesundheitszustand bezogen, hart.  Nach einem Frühstück im Garten relaxte ich den Vormittag und machte mir dann noch eine kleine Portion Teigwaren. Zu Mittag kamen aber Wolken auf und die Freude stieg. Um 13:00 fuhr ich zum Start. Ich gab meinen Kleidersack ab und auch einen Behälter mit Wertsachen, da man 2 Aufkleber bekam (einen für Wertsachen und einen für Kleidersachen). Beim Ausgang aus dem Stadion wurde die Startnummer mit der Blockeinteilung kontrolliert, aber außerhalb haben dann einige Läufer wieder leider gemacht, was sie wollten. Ich reihte mich zwischen den 3:15 und 3:30 Zeitballons ein. Zum Start um 14:00 kam leider die Sonne wieder hervor. Mit Schwamm in der einen Hand und Taschentücher in der anderen, ging es  los. Nach ca. 300 Meter kam die Laufmenge kurz etwas ins Stocken, aber sonst konnte ich gut ohne Behinderung laufen. Beim Atmen hatte ich aber ein komisches Gefühl. Erster Kilometer 4:40 - überraschend gut - Puls im Bereich, den ich wollte. Die zweite und dritte Kilometer Markierung sah ich nicht - erst wieder die vierte. Es gab so viele Zuseher - reinste Gänsehaut. Am Vierten hatte ich dann 13:30 für die letzten 3 Kilometer. Ich begann zu rechnen und kam auf 4:30 -  zu schnell - ich reduzierte das Tempo und suchte jeden Schatten auf der Strecke.  Ich merkte aber beim Atmen,  dass es schwierig wird.  Die Bedingungen empfand  ich sehr unterschiedlich, einmal sehr warm, dann wieder kühl, dann wieder gegenwindig. Bei 4:45 fand ich dann ein Tempo, das vom Gefühl her vorläufig passte.
Nach ca. 9km das erste mal über die Västerbron Brücke. Da ist die Reichsbrücke dagegen flach. Vor allem der Einstieg ist steil. Und diese dann bei km 32 ein weiteres mal überqueren. Auf der Brücke kam der Puls erstmals über 160 und ich
spürte dass ab ca. 159 Puls das Gefühl zu wenig Luft zu bekommen aufkam.  Ab km 20 war ein Durchschnittspuls von 158 erreicht und die Kurzatmigkeit hoch - also Tempo reduzieren. Wir waren dann auf einem Abschnitt, der nur einmal gelaufen wurde. Dieser war schwieriger, hügeliger und es waren weniger Zuseher als im sonstigen Teil der Strecke, der zweimal durchlaufen wurde.
In diesem Abschnitt dachte ich daran, dass ich sonst bei so einer Verkühlung 1 Woche nichts mache und erst langsam trainiere und nicht gleich als erstes einen Marathon - Kopf schütteln - zu Hause wäre ich nicht gelaufen. Ich reduzierte also das Tempo wenn nötig, um mich nicht zu ruinieren, und auch wegen dem restlichen Motorradurlaub in Schweden.
Ab km 27 spürte ich ein Brennen im Ballen von der großen Zehe im linken Fuß das immer ärger wurde. Bei km 31 blieb ich stehen, stieg aus dem Schuh raus und wieder rein, schnürte leichter und ich ging dann noch eine Weile.  Als die 3:30 Gruppe kam, hängte ich mich an diese Gruppe an. Es ging das zweitemal über die Västerbron Brücke. Beim Runter laufen merkte ich schon, das das Tempo zu schnell war. So stehe ich keine 10 Kilometer mehr durch. Bei der nächsten Labestation nahm ich den Becher und ging dann 200m - das tat gut und ich kam wieder zu einem guten Gefühl von Atmung, bei dem ich wieder zu laufen anfing. Das Gehen machte ich jetzt bei jeder Labestation, weil mein Körper das brauchte. Was eine Verkühlung für Auswirkungen auf die Atmung (Luft bekommen) hat bzw. mit der Länge der Distanz merkte ich die Kurzatmigkeit immer mehr. Meine erste Erfahrung damit.
Bei der letzten Labestation ging ich dann etwas länger, damit ich die letzten 2,2 Kilometer bis ins Ziel läuferisch zurücklegen konnte. Die letzten 300 Meter im Stadion waren dann beeindruckend wegen der vollen Tribüne gegenüber dem Einlauf ins Stadion und auch im Gegensatz zu der Leere gestern Abend. Ich war auch froh, es endlich geschafft zu haben. Am Ende war die Zeit 3:33:35 und ein Durchschnittspuls von 154 gegenüber  bei sonstigen Marathons von 163.
Positiv war, dass ich doch auf meinen Körper geachtet habe und rechtzeitig reduziert habe, die vielen Zuseher und das Flair auf der ganzen Strecke. Ich habe insgesamt starke 3  Wochen die Kurzatmigkeit bei Anstrengungen gespürt und eine Laufpause eingelegt.
Ich werde sicher wieder am Stockholm Marathon teilnehmen mit hoffentlich bester Gesundheit.
INFO: nächstes Jahr ist der Termin der 28.5.2011.
2012 ist der olympische  Jubiläumsmarathon am 14.Juli 2012.  Vor genau 100 Jahren  1912 fand dieser in Stockholm statt. Siegerzeit damals 2.36:54. Ein Österreicher  Emmerich Rath finishte damals in 3:27 als 33. Die Temperatur damals 32 Grad und die Distanz war 40200 Meter.  Die Organisatoren wollen auf der alten Original Olympiastrecke diesen Marathon durchführen, dafür gibt es bereits über 5000 Interessierte Meldungen.