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Es war ein ereignisreiches Wochenende für Österreich. Am 10. Oktober wurde Peter Handke der Literaturnobelpreis verliehen, einen Tag später hat das Organisationskomitee der INEOS-159-Challenge verkündet, dass das Ereignis am Samstag steigen wird, und am Sonntag war dann auch noch Graz Marathon.

Aber schön der Reihe nach. Wenn jetzt einige Leser zurecht einwenden, dass der Literaturnobelpreis auf der Website eines Laufclubs eigentlich nix verloren hat, solange ihn nicht endlich Haruki Murakami kriegt: O.K. Aber ich als Buchhändlerin kann trotzdem nicht dran vorbei.

…und Murakami kriegt ihn hoffentlich nächste Jahr. Denn alleine schon für sein Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“, hätte er den Preis verdient. Sollte es LäuferInnen geben, die dieses Buch noch nicht im Regal stehen haben – bitte unbedingt lesen.

Unser Peter Handke ist wahrscheinlich der unsportlichste Literat den dieses Land je hervorgebracht hat. Seine sportlichste Betätigung ist Schwammerl suchen und der sportlichste Titel den er je geschrieben hat ist „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ und auch darin geht´s nicht um Sport. Nicht einmal ansatzweise. Trotzdem habe ich einige Titel aus seinem jahrzehntelangem Schaffen gefunden die sich wunderbar in diesen Bericht einfügen - allen voran „Versuch über die Müdigkeit“.

Sehr passend zum INEOS 159 Event, das tatsächlich am 12.10 in der Prater Hauptallee über die Bühne gegangen ist. Viele von uns waren dort. Allen die nicht dabei waren sei gesagt: Ihr habt echt was versäumt. 60.000 begeisterte Menschen, die komplett aus dem Häuschen waren, als Eliud Kipchoge, mit seinen Begleitern es tatsächlich geschafft hatte die 42km unter zwei Stunden zu laufen. Der Lärmpegel war dermaßen hoch, dass die „Chronik der laufenden Ereignisse“ danach ein Pfeifen in meinen Ohren verzeichnete, von dem ich Stunden später noch befürchtet habe, dass es als Tinnitus bleibt. Handke hätte spätestens jetzt den „Versuch über den geglückten Tag“ geschrieben.

Auch das Gedränge durch das ich musste, um schnell nachhause zu kommen war unglaublich. Eindeutig „Das Ende des Flanierens“. Nach meiner „langsamen Heimkehr“ bin ich unmittelbar in den Zug gestiegen um nach Graz zu fahren. Meine Mitreisenden waren mein Mann Michael, und Alex.

Ich habe mich außerdem mit Peter, einem sehr schnellen Läufer aus dem Team Vegan verstärkt. Der wiederum hatte seine Freundin Monika und Hund Bella mit dabei. Peter, der den Marathon normalerweise in 3h 30min absolviert, hatte sich bereit erklärt mit mir durch Graz zu laufen und darauf zu achten, dass ich keine „falsche Bewegung“ mache.

Nach der Ankunft haben wir erstmal unser Hotel bezogen und sind dann zur Startnummernabholung gepilgert. Dazwischen haben wir uns noch „Langsam im Schatten“ ein Bier auf der Murinsel gegönnt.

Nach einem gemütlichen Abendessen hatten wir an der Hotelbar noch eine kleine Vorbesprechung um den Streckenplan zu studieren. Alex hat in einem anderen Hotel gewohnt, und ist deshalb früh schlafen gegangen - sehr vernünftig. Denn beim Frühstück am Sonntag habe ich es bereut, dass ich „gestern unterwegs“ war.

„Weil das Wünschen noch geholfen hat“ hatten wir Traumwetter. Zumindest für mich. Alex fand den Sonnenschein nicht so toll, denn bei 25° hat er das Gefühl „Das Gewicht der Welt“ auf seinen Schultern zu tragen. Manuela und Sigi waren auch für den Marathon gemeldet. Die zwei haben wir allerdings erst auf der Strecke getroffen. Bis „zur Stunde da wir nichts voneinander wussten“ mussten wir bis zum Kilometer fünf laufen. Dort sind wir uns das erste und einzige Mal begegnet. Wobei, stimmt nicht ganz, Manuela hat mich noch einmal bei circa km35 gesehen. Da war meine Wahrnehmung aber schon etwas getrübt.

Aber schön der Reihe nach: Vom Start weg hat uns der Pacemaker für die 4-Stunden gleich mal stehen gelassen und ist in einem lockeren 5,20min/km los getrabt. Die verwirrte Läuferschar, die er zurückgelassen hatte, war doch ziemlich verunsichert und hat sich deswegen Peter und mir angeschlossen. Peter hatte somit nicht nur ein Schäfchen zu betreuen, sondern gleich eine ganze Herde. Als erfahrener Läufer hat er aber alle bestens umsorgt. Zuerst mit der Bestätigung, dass der Pacemaker zu schnell und unser Tempo das richtige ist, und danach bei jeder Labestation. Vier Becher Wasser links, vier Becher Iso rechts, und dazwischen hat er sich noch ein paar Bananen in die Arme geklemmt. So hat er die ganz Horde auch noch einen Kilometer nach der Labe versorgt. Und wenn gar nichts mehr gegangen ist, hat er sogar noch diverse Gels hervorgezaubert. Auf diese Art und Weise sind wir wunderbar in der geplanten Zeit bis zum km35 gekommen. Um diese Zeit habe ich dann aber schon das „Gedicht an die Dauer“ verfasst und ab km37 kam dann Der große Fall“. Die letzten fünf Kilometer waren verdammt hart und entsprechend langsam. Mit 4h 3min haben wir das Ziel erreicht. Da ich aber am Start eher mit einer Zeit von 4h 10min gerechnet hatte, war ich trotzdem furchtbar stolz. Auch Manuela ist mit 4h 11min früher angekommen als geplant. Nur Alex hatte etwas Verspätung. Die Mischung aus dem Halbmarathon in Bregenz in 1h 58min nur eine Woche davor und den doch recht warmen Temperaturen forderten ihren Tribut.

Ein durch und durch erfolgreiches Wochenende!

 

Mozart 100    2019        Ein Bericht von Sigi

Ich wache auf, mir ist sehr heiß, ich greife nach dem Wecker, es ist 3°° Uhr Früh. Leise stehe ich auf und öffne das Fenster, doch die erwartete Abkühlung bleibt leider aus, denn der Himmel ist bewölkt und das Thermometer zeigt noch immer 27° Außentemperatur. Verärgert schließe ich das Fenster, denn schon wieder gibt’s große Hitze bei einem Laufbewerb, jetzt erwischt es mich schon zum 5. Mal in Folge. Nach einem kurzen Frühstück geht’s per Taxi zum Kapitelplatz. Im Startbereich ist es noch sehr ruhig, denn wir sind sehr früh dran. Manuela, Heidi und ich setzen uns ins Zelt, dort treffen wir Igor, der noch mit der Wassersuche beschäftigt ist. Teilnahmslos sitze ich am Tisch, ich vermisse die Aufregung und es fehlt das Kribbeln im Bauch vor einem solchen Wettkampf. In mir brennt die Leidenschaft einer Schildkröte, es fehlt das Feuer im Herzen. Plötzlich werde ich aus meiner Lethargie gerissen, denn es ist kurz vor 5°° Uhr und die Läufer drängen lautstark in den Startbereich. Ich verabschiede mich von Manuela, drücke sie noch einmal ganz fest und gehe erst in den allerletzten Minuten an den Start. Das Startsignal ertönt und die Menge setzt sich in Bewegung. Gemächlich laufen wir durch die engen Gassen zur Salzburger Stadtgrenze, in Richtung Hellbrunner Allee. Ich beginne das Rennen sehr langsam, fast am Ende des sehr großen Teilnehmerfeldes. Meine Motivation für diesen Bewerb hält sich heute in Grenzen und das spüre ich auch an meiner Leistungsfähigkeit. Das Lauftempo ist niedrig, der Pulsschlag ist hoch, eine wirklich tolle Kombination, wenn man vorzeitig aus einem Ultrabewerb ausscheiden will. Ich überhole zwar immer wieder andere Läufer, aber was mir fehlt, ist die Freude am Laufen. Ich leide unter der schwülen, drückenden Hitze, an die ich im heurigen Jahr leider nicht so gut angepasst bin, denn mein Lauftraining war mit dem Eintreffen der Hitzewelle leider zu Ende. In der Glasenbachklamm ist es zwar ein bisschen kühler, aber die Trägheit des Geistes hat sich auch auf meine Beine übertragen. Schwerfällig wie ein alter Bär bewältige ich den ersten Anstieg. Es fühlt sich an, als hätte ich ein 15 Kilo Wimmerl auf meinem Rücken und nicht meinen leichten Laufrucksack.

Ich erreiche den CP1 in Hinterwinkel als 310ter, der Gesamtwertung. Vor der Wasserstelle, einer kleinen Quelle, hat sich eine lange Schlange von Läufern gebildet. Ich bleibe stehen und überlege ob ich mich anstellen soll, oder nicht. Ich prüfe meinen Wasservorrat, dann laufe ich weiter. Plötzlich höre ich hinter mir eine bekannte Stimme, es ist Igor. Auf seine Frage ob ich im Stau gestanden bin antworte ich nur mit einem Lachen. Wir laufen gemeinsam weiter. Nach einer kurzen Asphaltstraße kam dann ein schön zu laufender Single Trail zum Plötz Wasserfall. Beim Anstieg auf den Gitzenberg spüre ich einen Schmerz in meiner linken Leiste, und das nach nicht einmal 20 Kilometer Laufstrecke. Ich muss besser auf meinen Laufstil achten, kleinere Schritte, ein bisschen in die Knie gehen, Hüfte nach vor, Schultern runter und ich muss vor allem versuchen, meine Stimmung zu verbessern.

Bei meinem Eintreffen in CP2 in Hof-Lebach bin ich Mental ziemlich angeschlagen und bei jedem Schritt schmerzt meine Leiste. Zu allem Überfluss spüre ich nun auch noch die Sehnenansätze in meiner rechten Kniekehle, Tendenz steigend. Die Chance das Ziel zu erreichen schätze ich mittlerweile nicht mehr sehr hoch ein. Ich denke sogar daran, den Bewerb vorzeitig zu beenden. Noch immer hadere ich mit dem heißen Wetter. Die erste wichtige Erkenntnis an diesem Tag, an meiner mentalen Einstellung für diesen Lauf muss ich dringend arbeiten und die zweite Erkenntnis, falls ich doch noch vorhabe diesen Bewerb zu finishen, dann wird das noch ein langer, harter Tag. Ich quäle mich weiter, über die hügelige Strecke. Nach zwei kurzen, leicht technischen Anstiegen, laufe ich nun am Südufer vom Fuschlsee-Rundweg entlang. Ich versuche die durchwegs gute Stimmung von den anderen Läufern für mich zu nutzen, und siehe da, es scheint mir zu gelingen. Meine physischen Probleme sind fast verschwunden und meine Gemütslage wird zusehends besser. Mit Wohlgefallen beobachte ich meinen Stimmungswechsel. Nach fast 30 Kilometer auf der Strecke habe ich plötzlich Vergnügen am Laufen, nun bin ich auch Mental im Rennen angekommen. Der Spirit vom „Mozart 100“ hat mich erreicht.

Voller Zuversicht erreiche ich den CP3 in Fuschl am See. Nach einer kurzen Trinkpause und Vorräte auffüllen geht’s flott weiter. Über idyllische Wanderwege und nach 300 Höhenmeter komme ich am romantischen Eibensee vorbei. Nach einigen technischen bergab und bergauf Passagen erreiche ich über einen Forstweg, die nächste Labestelle.

Ich bin im CP4 Winkl angekommen und habe bereits 47 Kilometer geschafft. Trotz der Hitze fühle ich mich mittlerweile pudelwohl. Weiter geht’s durch dichten Wald und technisch schwierige Single Trails, steil nach oben auf den Schafberg. Auf dem 4 Kilometer langen Anstieg, müssen 750 Höhenmeter bewältigt werden. Der Anstieg fällt mir überraschend leicht, ich bin schnell und kann immer wieder andere Läufer überholen. Der Trail bergab in Richtung St. Wolfgang, ist schwierig, denn die Strecke verläuft über stufiges und loses Geröll, die Gefahr zu stürzen ist groß und zum ersten Mal in diesem Rennen werde ich überholt. Ich bleibe konzentriert, gehe kein Risiko ein und laufe diese Passagen nicht mit vollem Tempo. Nach einem Kilometer ist die Strecke wieder deutlich besser laufbar. Ich erhöhe mein Lauftempo, und beim Überholen stoße immer wieder auf Läufer, welche diverse Kampfspuren, an den Armen und Beinen mit sich herumtragen. Meine Zurückhaltung, auf dem schwierigen Streckenteil, hat sich scheinbar bezahlt gemacht. Ich erreiche Ried bei St.Wolfgang völlig unversehrt. Der erste lange An- und Abstieg sind geschafft. Nach dem langen und doch recht schnellen Lauf bergab, spüre ich meinen Magen. Von den vielen möglichen Ursachen, denke ich, dass ich nur zu wenig getrunken habe. Ich reduziere mein Lauftempo und trinke meine beiden Soft Flask leer. Die Strecke verläuft flach, entlang vom Wolfgangsee, vorbei an der Falkensteinwand nach Fürberg. Mein Magen hat sich inzwischen beruhigt und mir geht’s wieder gut. Noch einmal Glück gehabt.

Sehr zufrieden und als 85ter in der Gesamtwertung erreiche ich den CP5 in St. Gilgen. In der Labestation fülle ich meine Trinkflaschen. Ich trinke sehr ausgiebig und esse einige Bananenstücke. Danach kühle ich meinen Körper unter einer Dusche. Der Blick nach Süden zeigt das Zwölferhorn in seiner vollen Größe, meine persönliche Königsetappe bei diesem Bewerb, es erwarten mich 970 Höhenmeter verteilt auf 7 Kilometer Streckenlänge. Mit Respekt starte ich in diesen schweißtreibenden Streckenteil. Nach 450 Höhenmeter bergauf, erreiche ich trotzdem sehr  relaxt die Sausteigalm auf 1.100 Meter Seehöhe. Da ich keine Wegmarkierung finde warte ich auf andere Läufer. Erst der dritte Läufer kennt den Weg. Ich hänge mich an die 3 Mitstreiter. Der Anstieg auf den Gipfel des Zwölferhorns ist sehr steil und die Sonne brennt schon seit Stunden in den oberen Teil der Strecke, aber mit der Herausforderung scheinen meine Kräfte und auch mein Mut zu wachsen, ich erhöhe das Tempo. Ich überhole Läufer um Läufer. Kurz vor dem Gipfel bleibe ich stehen. Ich blicke mich um und genieße den phantastischen Ausblick über die Salzburger Seenwelt. Ganz plötzlich, es trifft mich wie ein Schlag, meine Gedanken sind bei Sigi und Günther. Ich erlebe eine traurig, schöne Zeitreise in die Vergangenheit. Mit der einen oder anderen Träne in den Augen erreiche ich das Gipfelkreuz vom Zwölferhorn. Noch ein kurzer Blick zurück, meine Traurigkeit fällt ab. Beflügelt von meinem Erlebnis, und mit einem Lächeln im Gesicht, fege ich mit hohem Tempo über den steilen, mit scharfkantigen Steinen gespickten Weg, runter bis zur Arnikahütte. Nach einer sehr kurzen Trinkpause geht’s weiter. Die Strecke beginnt mit einem schmalen, technischen Waldweg und geht weiter über Forstwege und Almen in die Ortschaft Kühlleiten. Bei den schwierigen bergab Passagen, muss ich mich wieder voll aufs laufen konzentrieren, dadurch habe ich in der letzten Stunde wieder sehr wenig getrunken und nichts gegessen. Auf den letzten drei Kilometern vor Fuschl am See spüre ich eine leichte Schwäche die in mir hoch kommt.

Den CP6 in Fuschl am See erreiche ich etwas angeschlagen. Die Muskulatur meiner Beine fühlt sich aber nach 80 Kilometer, noch sehr gut an. Mit ausgiebig trinken und essen sollte die Sache wieder ins „rollen“ kommen. Nach einem zu langen Aufenthalt in der Labestelle geht’s weiter. Am Ortsende von Fuschl biege ich ab zum Fuschlsee- Rundwanderweg, aber diesmal entlang vom Nordufer. Der Himmel hat sich indessen völlig verdunkelt, schwere Gewitterwolken hängen über der Landschaft. Der Wind frischt auf und der Himmel öffnet seine Schleusen und das ziemlich heftig. Innerhalb von wenigen Sekunden bin ich nass bis auf die Knochen. Zwei Kilometer vor dem CP7 komme ich wieder zu einem Streckenabschnitt an dem ich keine Markierung sehe. Ich halte kurz inne, und frage mich, soll ich auf einen Läufer warten? Im Strömenden Regen laufe ich dann doch weiter. Ich erkundige mich bei Passanten ob denn das die Laufstrecke für den Mozart 100 wäre. Ich bekomme immer wieder bestätigt, die Strecke passt. Nach ca. zwei Kilometer lande ich an einem Straßenstück mit drei Möglichkeiten, und das Ganze ohne Markierung. Verflixt noch mal, ich bin falsch gelaufen. Also gut, jammern hilft nix, schnell zurück zur letzten Markierung. Nach 15 scheinbar endlos langen Minuten, stehe ich wieder an der Stelle, von der ich annehme, dass ich mich verfranzt habe. Ein Läufer kommt vorbei, er kennt die Strecke. Wir biegen ab, in einen kleinen unscheinbaren Waldweg. Nach wenigen Metern gibt’s eine Markierung, ich bin wieder auf der richtigen Strecke. Obwohl der Läufer vor mir eigentlich langsamer ist als ich, bleibe ich hinter ihm, zu groß ist die Unsicherheit mich erneut zu verlaufen.

Nach 10 Minuten erreichen wir CP7 Hof-Lebach, 90 Km sind gelaufen. Ich hole meine Regenjacke aus dem Rucksack und ziehe sie an, es ist zwar noch warm, ich habe aber die Befürchtung im strömenden Regen zu stark auszukühlen. Mit einem leicht angeknacksten Selbstbewusstsein, geht’s weiter. Ich trauere um die verlorene Zeit von meinem kleinen Ausflug abseits der Strecke. Aber es hilft nix, passiert ist passiert. Nur nicht zu viel darüber nachdenken, sowas kann immer wieder vorkommen. Dank Igor, trage ich heute zum ersten Mal in einem Bewerb, Laufstöcke mit. Sie haben mir an diesem Tag bereits gute Dienste geleistet. Jetzt beim zweiten Anstieg auf den Gitzenberg sichern sie mir das durchkommen. Die Strecke ist steil, schlammig von Baumwurzeln durchzogen und durch den Regen so was von rutschig. Beherzt und mit viel Elan nehme ich die Herausforderung an und kämpfe mich über die matschige und fordernde Strecke. Durch die Gewitterwolken und dem starken Regen habe ich auf den engen und nun auch sehr dunklen Waldpfaden ziemliche Probleme mit der Bodensicht und komme sehr oft ins Stolpern. Da hilft nur, die Beine höher heben als sonst und auf die Körperspannung achten. Auf den schnellen bergab Passagen rutsche ich immer wieder aus und komme ins straucheln. Mit flinken und kräftigen Stockeinsätzen kann ich aber verhindern, dass ich stürze und mich ins dichte Unterholz verabschiede.

Abgekämpft, aber gutgelaunt erreiche ich CP8 Koppl-Kehlbauer, 101 Km sind geschafft. Es klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber diese Etappe hat wirklich Spaß gemacht. Ich ziehe meine Regenjacke aus und verstaue sie im Rucksack. Trinken, Bananen essen und Gels bunkern. Schnell verlasse ich die Labestation. Der Anstieg auf den vorletzten Berg, dem Nockstein entwickelte sich zu einem Kampf mit den Elementen. Ich befinde mich bereits kurz vor dem höchsten Punkt vom Nockstein, als über mir die Hölle losbricht. Zum wiedereinsetzenden, strömenden Regen, kommt nun auch noch ein Hagelschauer mit Gewitter. Blitz und Donner kommen ohne Verzögerung, das Gewitter befindet sich direkt über mir. Ich kann die Ladung der Luft förmlich spüren, Angst steigt in mir hoch. Ich muss schnell weg von hier, runter von diesem Berg. An der Stelle des vermeintlichen Weges hat sich ein über 20 cm tiefer Bach gebildet. Holzstücke, Erde und Geröll werden von der starken Strömung mitgerissen. Mit Vollgas und ohne Rücksicht auf Verluste laufe ich durch die schmutzige Brühe nach unten in Richtung Nocksteinklamm. Plötzlich bleibe ich hängen, mit dem linken Fuß, ein Stein. Ich reiße ihn los und dieser Bastard landet prompt auf meiner rechten großen Zehe. Meinem Naturell entsprechend, fluche ich was das Zeug hält, bis mir die Luft wegbleibt, aber ich laufe weiter und will nur runter von diesem sch… Berg. Als ich auf der Gersbergalm ankomme ist das Gewitter vorbei und der Regen hat fast aufgehört. Bei jedem Schritt teilt mir meine rechte große Zehe mit, dass es an der Zeit wäre sich endlich um sie zu kümmern. Aber das muss leider warten. Nach einer leicht zu laufenden bergab Strecke komme ich in den Salzburger Stadtteil Gnigl. Nur mehr ein Kilometer bis zur letzten Hürde, dem Kapuzinerberg. Über unzählige Stufen geht’s rauf zum Franziski Schlössl, dem höchsten Punkt von dieser Erhebung, mitten in Salzburg. Mit der Gewissheit das Ziel am Kapitelplatz, in der nächsten viertel Stunde zu erreichen, genieße ich den langsamen Abstieg über die Imbergstiege. Mein Blick schweift über die Stadt, der Ausblick über Salzburg in den frühen Abendstunden, einfach phantastisch. Ich erreiche die Steingasse, Leute jubeln und weisen mir den Weg. Ich überquere die Staatsbrücke. Ich laufe ein, in die Rathausgasse und mein Herz macht einen Freudensprung als ich Manuela erblicke. Gemeinsam laufen wir in Richtung Ziel. Der Lauf durch die Altstadt wird zu einem Triumpf Lauf. Überall Menschen die jubeln und applaudieren. Der Empfang am Kapitelplatz ,,großartig“.

Im Ziel angekommen heißts erst mal Manuela und Heidi drücken, denn ich bin ziemlich spät dran. Die beiden haben sich schon Sorgen gemacht. Da kommen auch noch Josef, Heinz und Erich auf mich zu, eine freudige Überraschung. Ich bin schon seit Stunden mit nasser Kleidung unterwegs, darum möchte ich mich rasch umziehen. Wir suchen einen Platz im fast vollen Zelt. Wir belegen einen Tisch im hintersten Winkel. Nachdem ich wieder trockene Sachen anhabe und über den Lauf nachdenke, bin ich nach der ersten Euphorie doch enttäuscht. Meine tatsächliche Laufzeit liegt weit über meiner angepeilten Zielzeit. Ich ahne noch nicht welchen Wert diese Zeit noch haben sollte. Für mich steht in diesem Moment fest dieser „Mozart 100“ sieht mich nie mehr wieder. Die Siegerehrung war bereits voll im Gange, ich bekam sie aber nur am Rande mit. Plötzlich wurde mein Name aufgerufen. Ich konnte es zuerst nicht glauben, aber Manuela und Heidi forderten mich auf, nach vor, zur Bühne zu gehen. Ich zwängte mich durch die Menschenmenge, in Richtung Bühne. Da standen auf der linken Seite der Moderator und daneben ein zweiter Mann mit einer Medaille in seinen Händen, auf der rechten Seite stand ein Treppchen mit einem strahlenden Mann darauf. Ich betrat die Bühne und bekam eine Medaille umgehängt, ungläubig aber voller Freude stieg ich auf das Podest. Bei diesem Bewerb gab es drei Klassenwertungen und ich hatte es tatsächlich geschafft, in meiner Klasse den zweiten Platz zu erlaufen, nur sieben Minuten hinter dem Sieger.

Als ich wieder an unserem Tisch Platz nahm, hatte ich mit meiner Laufzeit für diesen Rennen Frieden geschlossen, und war glücklich den Bewerb überhaupt gefinisht zu haben. Die äußeren Bedingungen waren scheinbar wirklich sehr hart, denn von den über 500 Startern aus 60 verschiedenen Nationen konnten nur 280 Läufer das Rennen finishen. Nach einem Bier verließen Manuela, Heidi und ich, hochzufrieden aber sehr müde das Zielgelände und fuhren in unser Hotel.

Und irgendwann, segn ma uns wieder!                                      

 

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