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Stadtwanderer für die FDL und FreundInnen im Juni

... eine besondere FDL-Innovation von und mit Historiker Philipp



Sehr viele FDL und FreundInnen sind dieser Einladung zu einer Serie von Führungen gefolgt ! Vier Spaziergänge der besonderen Art durch die City als Reigen der Geschichte Wiens vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Ein ganz besonderer Geschichtsunterricht – interessant, anschaulich und lebendig !

Das Gehörte und Gesehene hier zur Erinnerung noch einmal im Einzelnen:

3. Juni – Thema „Das Mittelalter“

Stadtmauer: errichtet unter Babenberger Heinrich II. Jasomirgott und Leopold, Lösegeld von Richard Löwenherz, Erdberg, Dürnstein
Wie breit war das Stadttor? Wer ging durch das Tor? Geschichten über die BewohnerInnen der Stadt

Stubenviertel: Bäderviertel – vom Luxus des Badens, Körperpflege im Mittelalter

Ignaz Seipel-Platz: Universitätskirche. Uni Wien gegründet 1365 durch frühen Habsburger Rudolf IV. Stifter, wurde mit 19 Jahren Herzog, wurde nur 26 Jahre alt, regierte 1358 – 1365
Septem artes liberales: Trivium: Grammatik Rhetorik Dialektik, Quadrivium: Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie
Scholastik gegen Hukmanismus: Erzhumanist Konrad Celtes in Wien, detto Regiomontanus Astronom
Heutige Jesuitenkolleg am Ort der alten Universität von den Jesuiten 1623 errichtet, Aula der Wissenschaften im 18. Jh. unter Maria Theresia
Gedenktafeln, Inschriften

Schönlaterngasse: Basilisk, Alte Schmiede, daneben Haus eines Arztes, Medizin im Mittelalter
Bäckerstraße bis Lugeck: Regensburger Hof, Augsburger Hof, Handelsniederlassungen, Stapelrecht - Name Lugeck nach Turm?
Denkmal Gutenberg – Ende des Mittelalters, grundsätzliche Änderung der Medienlandschaft, Wien erst 1492 erste Druckerei, Inkunabelzeit in Wien daher recht kurz
Hoher Markt: Handelsplatz; Handel in Wien: feine Textilien aus Flandern, gröbere Textilien aus Böhmen und Mähren, Salz, Metalle, Edelmetalle, Leder, Pelze, Gewürze, Schlachttiere, Getreide, Gemüse, Holz (Bauholz, Brennholz);
eigene Produktion in Wien: Wein, Handwerk und Dienstleistungen für den Eigenbedarf
Schranne: am Ort der heutigen Ankeruhr; Hinrichtungsarten
Ruprechtskirche: älteste Kirche Wiens, Salzamt
Judenplatz: Geschichte der Juden in Wien, erste Jude Schlomo 11. Jh. Münzmeister, Geldverleih, Kreuzzüge; Geserah 1421
Schottenkirche: Gründung durch iro-schottische Mönche Mitte 12. Jh., Heinrich II. Jasomirgott – Denkmal und Grablege (einziger Babenberger in Wien)
Graben
Stephansplatz: links vom Tor Brotlaib und Wiener Elle bzw. Elle
Riesentor: Knochen von Mammut über Tor (bis ins 18. Jh.), Gründungsgeschichte, Rundgang, Zahnwehherrgot, Magdalenskapelle, Friedhof, Bestattungsriten, Virgilkapelle unterirdisch

10. Juni – Thema „Barockes Wien“

Wegen des Barock kommen die Touristen nach Wien – Belvedere die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit

Barockzeit: ab Schlacht am Weißen Berg 1619 – Zeit der Gegenreformation und der Aufklärung – bis Ende des 18. Jahrhunderts – Tod Josephs II.1790  (Denkmal am Heldenplatz - Reiter in römischer Toga, ohne Steigbügel!)

Linienwall – 1704 von Prinz Eugen – Chef der Hofkriegskammer – errichtet außerhalb der Burgfriedensgrenze an der Geländekante gegen Kuruzen und Türken – Schimpfwort!
Kuruzen: aufständische ungarische Bauern und verarmter niederer Adel gegen Hasburger, bedrohten auch Wien
Linienwall zuerst nur Verteidigungsgrenze, Linienwall war zuerst nur Erdwall bzw. hölzerne Palisaden, dann geziegelte Mauer mit Graben davor – siehe Schnellbahn unter Gürtel; ab 19. Jh auch Steuergrenze – Verzehrsteuer, daher Industriegebiete außerhalb, da dort die Nahrungsmittel billiger waren und daher der Lohn für Arbeiter (=Reproduktionskosten) niedriger war; war bis Ende 19. Jh in Kraft, dann abgerissen, Gürtelstraße.

Vorbei am Eingang zum Botanischen Garten: gegründet 1753 auf Veranlassung von Franz Stephan I. von Lothringen, Gatte Maria Theresias. Großer Förderer der Naturwissenschaften – siehe Bild Franz Stephan von Lothringen im Stiegenhaus des Naturhistorischen Museums inmitten seiner Forscher! Wien damals ein Zentrum des wissenschaftlichen Fortschritts
Gerard van Swieten –Leibarzt der Kaiserin, Universitätsprofessor, Reform der medizinischen Ausbildung, gegen Vampirlehre
Nicolas Jacquin (1727- 1817) seit 1752 Arzt in Wien, wichtiger Forscher

Schmiedeeisernes Tor - Blick aufs Schloss
Prinz Eugen (1663 – 1736) – junger Offizier aus Savoyen, Teilnahme an Verteidigung Wiens 1683 (wichtige Jahreszahl !!), militärische Karriere, Stadthalter in Niederlanden, Oberbefehlshaber des Heeres 1703, „Generalleutnant“ 1708 = Stellvertreter des Kaisers;
diente drei Kaisern: Leopold I., Josef I., Karl VI.;
reichster Mann der Monarchie, Förderer von Kunst und Wissenschaft: Prunkbauten, Menagerie, Bibliothek – Verkauf der Bibliothek

Oberes Belvedere: Architekt Lucas von Hildebrandt, erbaut 1721 – 1723, als Vergnügungszentrum, Veranstaltungslokal

Militärischer Schmuck beim Schloss
Repräsentation: Franz Ferdinand lebte hier, Staatsvertrag wurde hier unterzeichnet (Manifestation der Geschichte Wiens als bedeutende politische und kulturelle Macht in Europa!!) , schönster Blick auf Wien – Nase, Leopoldsberg, Kampf um Wien 1683, Kirche am Kahlenberg – allen LäuferInnen bekannt

Theresianum: Am 18. Oktober 1614 kaufte das Kaiserhaus den „Schaumburgerhof“ vulgo „Pöglhof“. Kaiser Matthias (gest. 1619) ließ ein Lustschloss errichten, das 1623 fertiggestellt wurde und im Nordtrakt einen Theatersaal enthielt. Im weitläufigen Garten befand sich ein Bassin. Wohnort für Kaisergattinnen und –Witwen
Ab 1642 ist der Name „Favorita“ (Die Bevorzugte) nachweisbar.
1642 – 1655 durch Giovanni Battista Carlone zu einem Lustschloss mit Garten und Teich umgebaut. Vor 1683 wurde die Favorita sowie umliegende Gebäude, u.a. die Paulanerkirche, auf Befehl des Stadtkommandanten, Rüdiger Graf Starhemberg, niedergebrannt.
1686 Wiederaufbau unter Lodovico Ottavio Burnacini begonnen. Stilistisch ist sein Bau sehr einfach: er wiederholt immer wieder dieselben Achsen. Ohne „Komödienhaus“, Theater und Konzert im Festsaal oder im Garten statt.
Die Kaiser Leopold I., Josef I. und Karl VI. verbrachten hier die Sommer. Höfische Repräsentation, Prunk, Feste, Opern. Künstlerische Gesamtleitung Johann Josef Fux.
Lady Wortley Montague, Reisebriefe: 14. September 1716
Karl VI. verstarb in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1740 in der Favorita. Seine Tochter Maria Theresia, Kindheit in der Favorita, übersiedelte bereits sechs Tage nach dem Tod ihres Vaters in die Hofburg, Sommer in Schönbrunn.
1746 Jesuiten, Ritterakademie Collegium Theresianum

Joseph von Sonnenfels (1733 – 1817) – Verwaltung, deutsche Sprache
Karl Anton von Martini (1726 – 1800) – Bürgerliches Gesetzbuch – Vereinheitlichung der Rechtsprechung, Rechtsetzunag als ausschließliches Hoheitsrecht, Abschaffung der Körperstrafen (vgl. Mittelalter – nun Zeitstrafen statt Körperstrafen), weltliche Ehegesetze

Karlskirche – Karl VI. – Namensgebung: Karl Borromäus (Pestheiliger, aus einer der reichsten Familien Mailands); Allmacht, Vertretung des gesamten Weltkreises und der gesamten Geschichte: Karl V. plus ultra, zwei Säulen, Pantheon Rom, mittelalterliche festung, griechischer Tempel, Figurenschmuck, erstes postmodernes Kunstwerk

17. Juni - Thema „Wien im 19. Jahrhundert“

Praterstraße Beginn: Schlagbrücke war Übergang über die Donau (!) von der Stadt in den Prater. Jagdgebiet seit dem 16. Jh., für die Öffentlichkeit freigegeben von Joseph II. im Jahr 1766. Daher viel Verkehr.

Name: Jägerzeile wegen Ansiedlung der Jäger – Wirtshäuser, Musik
Zwischen Taborstraße und Praterstraße um 1800 drei noble Kaffeehäuser mit verglasten Balkonen  beliebte Aussichtspunkte auf Donau und Straße
Praterstraße 8: Wohnhaus Karl Renner: Staatskanzler 1.Rep., Präsident 2.Rep
Historistische Wohnhäuser Nr. 11 – 15
Praterstraße 10: klassizistische Fassade
Praterstraße 16: Arthur Schnitzler
Praterstraße 19: Haus Zum Jonas mit Kanonenkugel 1809 und Nestroy-Denkmal
Praterstraße 23: Palais Wenkheim: um 1780, Architekt Ehmann aus Stein an der Donau, erfolgreicher Architekt
Praterstraße: breite Straße mit Allee, offener Kanal in der Mitte mit offenen Zuleitungen aus den Häusern, davor kleine Brücken. Alter Baumbestand Ende des. 18. Jh. geschlägert – vermutlich kaputt wegen Abwässern.
Praterstraße 27: Zum grünen Jäger: hier lernten einander Lanner und Strauß Vater kennen; Reliefs
Gegenüber: Palais Rohan
Theater in der Leopoldstadt Ende 18. Jh.; Carl-Theater; Ferdinand Raimund – Theresia Krones; Johann Nestroy; Komödiengasse.
Gegenüber: Nestroy-Hof aus 19. Jh., ursprünglich Denkmal hier; heute Theater;
Tempelgasse: Tempel von Förster – Geschichte der Juden, Vertreibung und Ansiedlung in der „Leopoldstadt“, 3. Reich – „Reichskristallnacht“ = heute korrekt als „Progromnacht“ bezeichnet
Praterstraße 33: Alliiertenhof: Wiener Kongress 1814/15 Neuordnung Europas gemäß alten Prinzipien des Absolutismus: Treffen König Wilhelm III., Zar Alexander I. von Russland, Kaiser Franz I. von Österreich – Balkon mit Relief; Begrüßung- und Huldigungsrede von Bürgermeister Wohlleben (Gasse im 4. Bezirk)
Johann Strauß – Wien Museum; Donauwalzer
Gabor Steiner, Filmmusik in Hollywood
Praterstern: Nordbahnhof
1848: Praterstern Barrikaden im Oktober 1848, Niederlage der Wiener
Wilhelm von Tegetthoff (1827-1871): Seeschlacht bei Helgoland (Dt-dän.Krieg), bei Lissa 1866: dritter italienischer Unabhängigkeitskrieg, Rammtaktik; holte Leichnam Maximilians aus Mexiko heim

 

Wurstelprater: Attraktionen, Venedig in Wien, Schützengräben; Kinos und Theater, Zirkus, Schaubuden, Feuerwerke, Ballonaufstiege (Venediger Au – Name von „Venedig in Wien“)

 

 

„... einen Traum träumen“ – Kunstwerk von Susanne Zemrosser in der Passage von U1 zu U2

 


24. Juni – Thema „Das Rote Wien“

Amalienbad: errichtet 1923 – 1926, Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nagel, Vorzeigebau für ganz Europa. „Luxus“ – Schönheit, gediegene Materialien, aufwendige und liebevolle Gestaltung. Benannt nach Amalie Pölzer, erste Favoritnerin im Wiener Gemeinderat ab 1919 – 1924.
Schwimmhalle, Heilbäder, Wannenbäder, Duschbad.

Estes Bad im „Bäderprogramm“ (20 Bäder!) als präventive Gesundheitspolitik. Ziel: Der Neue Mensch: der gesunde, saubere, kräftige, geistig wache, anteilnehmende, solidarische Mensch – er braucht dafür: Gesundheitsvorsorge, Reinlichkeit, sichere, saubere Wohnung mit Wasseranschluss, Gemeinschaft, Mitmenschen, Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken und selbstverständlich ein Sektionslokal der SDAP

Beginn des Roten Wien: November 1919 – Ausrufung der Republik, neuer Wiener Bürgermeister Jakob Reumann 1853 – 1925, gelernter Drechsler, in Hainfeld zum ersten Parteisekretär gewählt, engagierte sich in Kommunalpolitik: Bau günstiger und besserer Wohnungen, Kranken- und Unfallversicherung, Arbeitslosenversicherung. 1917 erster Sozialdemokrat. Stadtrat für Soziales und Vizebürgermeister. Bürgermeister seit 1919 nach absoluter Mehrheit bei erster Wahl 1919. Rücktritt 1923, es folgte Karl Seitz, der bis Februar 1934 im Amt blieb – wurde in seinem Büro verhaftet.
Wien ab 1. Jänner 1922 selbständiges Bundesland.
Reumannplatz: Denkmal für die Opfer des Faschismus von Heinrich Sussmann. Namen der KZs, in denen Favoritner umkamen
Viktor-Adler-Markt - Viktor Adler
Laxenburger Straße – Name: Favorita-Laxenburg
Kurze Geschichte des Bezirkes, Amtshaus 1880er Jahre neogotisch
Zürcher Hof, Laxenburger Straße 49-57
Erbaut 1928-1931 von Emil Hoppe und Otto Schönthal, mit Konsum-Kaufhaus, Kinosaal, diverse Geschäfte. Name nach Stadt Zürich als Dank für Hilfe nach 2.WK.
"Fries der Arbeit" (1930), links die bäuerliche, rechts die städtisch-proletarische Arbeit von Siegfried Charoux (1896 - 1967) (vgl. Lessing- und Suttner-Denkmal)
Arbeiterheim Favoriten, Laxenburger Straße 8-10
Errichtet 1901-1902 von Hubert Gessner, finanziert durch Beiträge der ArbeiterInnen sowie Spenden und Veranstaltungserlösen, mit Hilfe der „Arbeiterzeitung“ und Victor Adler. 1902 eröffnet – Reden von Adler und Reumann – mit Veranstaltungssaal, Bibliothek, Kinderfreunde, Klubzimmer, Restaurant, erstes Kino im Bezirk, Wohnungen.
Parteitage im Arbeiterheim, letzter Parteitag Oktober 1933.
Schutzbund im Arbeiterheim – inaktiv wegen fehlender Befehle, von Nazis besetzt, dann von Sowjets. Später Hotel
Südtirolerplatz: Erstes Tieferlegung des öffentlichen Verkehrs 1955-1961, gleichzeitig Planungen der ÖBB für Schnellbahn. Kunstwerk Rudolf Hausner
Theodor-Körner-Hof Grünwaldgasse – Reinprechtsdorfer Straße, 9 Baugruppen mit 20stöckigem Wohnhaus
Theodor Körner 1873 – 1957: Kleinadeliger, Soldat (Pionier – Technische Militärakademie), Generalstabschef bei Isonzoschlachten. 1918 Eintritt in Volkswehr, dann Schutzbund, Diskussionen über Organisationsfragen mit Julius Deutsch. Verhaftung 1934, Rückzug nach Gloggnitz, Verhaftung nach Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Bürgermeister von Wien 1945 – 1951, Bundespräsident 1951 – 1957.
Julius-Popp-Hof: Errichtet von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger
Julius Popp 1849-1902, Schuhmacher, Freund Victor Adlers, Vorsitzender in Hainfeld 1888/89, verheiratet mit Adelheid Popp 1869-1939: Textilarbeiterin, Redakteurin der Arbeiterinnenzeitung, kämpfte für Schutz von Frauen und Jugendlichen, gegen Nachtarbeit, für Karenzzeit und Entbindungsanstalten, Gemeinderätin, 1919 – 1934 Nationalrätin
Herwegh Hof: Errichtet von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger (wie Rabenhof und Funkhaus); Georg Herwegh 1817-1875,
Matteottihof: Errichtet von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger; Giacomo Matteotti 1885-1924
Metzleinstalerhof: 1920 erster „Volkswohnbau“, 1923 von Hubert Gessner erweitert: Kleinwohnungen mit Innentoiletten, Zugänge zu den Stiegen vom Innenhof aus, nicht wie bisher von der Straße. Gegliederte Fassade in der Johannagasse. Lokal des Freidenkerbundes! – eine der vielen Organisationen der SDAP – u.a. Arbeiter-Abstinenzler-Bund
Reumannhof: Errichtet von Hubert Gessner. Denkmal Reumann – Fassadengestaltung, Arkaden mit Geschäften, detailreiche Gestaltung.

Ein tolles Ersatzprogramm für Zeiten wie diese - VIELEN DANK PHILIPP !

Danke den FotografInnen Marie, Wolfgang und Werner

fdl