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Frostiger LongJog am 11.02.2012

Frostiger Long Jog am 11.02.2012

Bericht von Kurt Ulreich

 Normalerweise wird über unsere Long Jogs nicht unbedingt berichtet da sie ein fester und daher nicht unüblicher Bestandteil unserer Trainingsarbeit, Trainingsvergnügen würde es besser treffen, sind. In diesem Fall aber doch, da dieser wöchentliche Lauf nun bereits zum zweiten Mal in ununterbrochener Reihenfolge unter nicht alltäglichen Bedingungen stattfand und ich darüber berichten möchte, wie man bei solchen Läufen Spaß haben und diese auch unbeschadet überstehen kann.

Also, ein Samstag wie jeder andere auch, nur dieses Mal halt  etwas anders. Die Tage davor wird wie üblich über unseren Kahlenbergverteiler, diesen gibt es zusätzlich zu unserem offiziellen Vereinsverteiler und wenn jemand  diese „Kahlenberginfos“ haben möchte, muss er sich bei Christian oder bei mir melden um im Verteiler aufgenommen zu werden, auskommuniziert wer am Samstag wann und wo läuft.

Üblicherweise gibt es den Kahlenberglauf um 05:00 Uhr und seit einiger Zeit zusätzlich um 06:00 Uhr über die kurze (27km) und  die lange (34km) Runde.

Ein Samstag dieses Mal etwas anders, bezieht sich auf die außergewöhnlichen Temperaturen und den nicht kalkulierbaren Bodenverhältnissen, daher  gab es zusätzlich auch einen Lauf auf der Prater Hauptallee in Kombination mit der Donauinsel.

Da sich für die Kahlenbergrunde um 05:00 Uhr niemand meldet, ein Teil läuft mit Christian die Hauptallee-Donauinselrunde (es wurden 37km daraus) eine weitere Gruppe mit unserem „Heinzi“  erst um 06:00 Uhr über den Kahlenberg läuft, beschließe ich  alleine zu laufen und bereits um 04:30 Uhr zu starten um die große Kahlenbergrunde zu laufen.

Um 03:45 Uhr steige ich bei minus 14 Grad in mein Auto um zum Clublokal am „Schüttel“ zu fahren, mich dort entsprechen zu kleiden und  zu starten. Mein erstes Erlebnis habe ich schon nach kurzer  Autofahrt, mitten auf der Straße kommt mir ein recht wackeliger Geselle entgegen der mich zum Ausweichen auf den Gehsteig zwingt.  Alles kein Problem, es ist kein Verkehr und wir haben beide Platz auf der Straße.

Im Clublokal angekommen, versuche ich mich entsprechend der Temperatur, am Kahlenberg hat es mit Sicherheit um die 17-20 Grad minus (es waren dann 18 Grad -), zu kleiden.

Das Zwiebelsystem ist angebracht und ich entscheide mich für zwei dünne  und eine dicke Schicht am Oberkörper sowie zwei Hosen (Winterlaufhose und eine dicke Trainingshose darüber),  Schihandschuhe, das Gesicht  mit einer dicken Schicht Fettcreme schützen, eine Sturmhaube und eine Haube auf den Kopf (die Optik ist egal) und raus ins Freie um bei 13 Grad minus meinen Lauf um 04.30 Uhr zu starten.

Gleich am Donaukanal fühlt es sich durch den leichten Gegenwind und der Nähe zum Wasser gleich einmal doppelt so kalt an und ich habe Schwierigkeiten  einen ökonomischen Laufschritt zu finden, das Gesicht friert mir trotz Schutz fast ein und ich stelle mir bereits nach wenigen Metern die Sinnesfrage. Die Begegnung mit einigen Promillegeschädigten Typen die in  mir sicher den Mann vom Mars sahen, halfen mir aber weiter und ich war mir sicher dass es mir jetzt schon wesentlich besser ging als ihnen und in einigen Stunden überhaupt.

Nach zehn Kilometer bin ich in Grinzing am Beginn der Höhenstrasse, bin trotz eisiger Kälte und Wind auf Grund meiner guten Kleiderwahl auf Betriebstemperatur , bin in einen guten Rhythmus und es macht Spaß diesen außergewöhnlichen äußeren Umständen zu trotzen.

Ich nähere mich dem höchsten Punkt, dem Sendermasten auf dem Kahlenberg  und es wird plötzlich kalt, noch kälter als bisher. Ich ziehe meine Sturmhaube bis auf eine kleinen Sehschlitz über mein Gesicht, halte die Hände noch davor um mich zu schützen. Es gelingt,  ich überquere den höchsten Punkt meines Laufes bei minus 18 Grad  und es kann nur mehr besser werden, es geht nämlich ab jetzt nur mehr den Berg abwärts. Die wenige Autofahrer die mir begegnen, Straßendienst, Polizei, werden langsamer um mich genauer zu begutachten, so eine Begegnung hat man sicher nicht jeden Tag. Würde gerne wissen, was sich die Herrschaften in diesem Augenblick im warmen Auto so gedacht haben. Mit diesen und vielen anderen Gedanken komme ich in Klosterneuburg an wo ich zum ersten Mal versuche mit klammen Fingern (trotz dicker  Handschuhe), meine Trinkflasche (mit viel Alufolie und einem Dicken Socken geschützt und am Körper getragen) zu öffnen. Es gelingt, was für ein Erfolgserlebnis, dazu noch ein Gel und weiter geht es, ich habe noch ca. 12 Kilometer zu bewältigen.

 6 Kilometer vor dem Ziel (unser Clublokal „Schüttel“) bin ich direkt neben der Donau, laufe Flussabwärts gegen Osten der Reichsbrücke entgegen.  Ab jetzt weiß ich, dass sich dieser Lauf nicht nur wegen der Bestätigung körperlich und mental fit zu sein, gelohnt hat.

Dunkelrot, geht gegen 07:30 Uhr die Sonne über der Donau auf, das Licht spiegelt sich im Wasser, die Sonnenstrahlen  erfreuen Herz und Seele und man hat das Gefühl sie wärmen sogar ein wenig.

Die verbleibenden Kilometer vergehen wie im Flug und ich bin gegen 08:00 Uhr glücklich und sehr zufrieden, habe einen erfolgreichen Long Jog hinter  mich gebracht und habe…………wirklich, wenn auch erst rückblickend,  großen Spaß gehabt.

Meine Erlebnisse bei diesem Lauf decken sich auch mit den Eindrücken meiner anderen Laufkollegen/innen die schön langsam alle am „Schüttel“ eintreffen. Alle sind letztendlich Froh darüber, trotz widriger Wetterverhältnisse, den traditionellen Long Jog am Samstag gemacht zu haben. Sollte jemand Lust bekommen haben, einmal bei so einem Erlebnissamstag dabei zu sein, dann bitte bei mir oder bei Christian melden, es hat noch nie jemand bereut dabei gewesen zu sein.

Bei einem  mehr als reichlichen und sehr guten Frühstück, gespendet und zubereitet von unserem Geburtstagskind Ingrid, lassen wir diesen außergewöhnlichen Tagesbeginn ausklingen.

 Weiter viel Spaß beim Sport und g´sund bleiben, wünscht Kurt Ulreich

fdl