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100 km Lauf Steyr 17.9.2011 - Bericht Monika

Genussbetreuung beim 100 km-Lauf in Steyr am 17.9.2011

Bericht Monika

Vor einigen Wochen hatte mir Pauline vom Vorhaben ihres 100 km-Debüts in Steyr erzählt und war noch auf der Betreuer-Suche. Spontan bot ich ihr nach kurzem check meines Terminkalenders meine Dienste an, was sie freudestahlend annahm.

 Etwas Erfahrung im Betreuen hat man sich ja so im Laufe der Jahre aneignen können, aber so allein die Verantwortung zu tragen, empfand ich doch als Herausforderung.

Paulines erklärtes Ziel: „unter 10 h solls schon sein“ (auch wenn sie diesen Bewerb hauptsächlich im Hinblick auf den Ultralauf-Cup absolvieren wollte. Um im Cup gut zu punkten, hätte ihr in Anbetracht der bereits abgelieferten Leistungen über 6 h und 24 h aber bereits eine wesentlich langsamere Zeit weitergeholfen).

 Ich wusste, meine Aufgabe würde im Wesentlichen sein, Paulines Anfangstempo zu „regulieren“, sprich sie zu bremsen ...

68 Runden zu je 1,470 km waren zu absolvieren, ich holte mir bei Kurt Expertenrat ein, es galt, Paulines km/Schnitt zwischen 6:00 min und 5:35 min zu kontrollieren, sie sollte also pro Runde zwischen 8:10 bis 8:50 laufen. Pauline bestätigte dies, also alles klar !

 Start des Bewerbes war für SA 7:00 h angesetzt, unser Entschluss, von FR auf SA im Turnsaal der Schule in Dietach (bei Steyr) Quartier zu nehmen, stellte sich als sehr richtig heraus, denn eine Anreise am SA früh von der Heimatgemeinde Paulines, Windhaag, hätte uns in Teufels Küche gebracht, weil wir das Gelände des Bewerbs (ungenügende bzw nicht vorhandene Information in der Ausschreibung) nur mit einigen Umwegen fanden. Wir machten es uns also im Turnsaal so „bequem“ wie möglich (hartes Lager soll gut für die Wirbelsäule sein). Ein paar Mitbewohner nahmen es mit dem Wort Ruhe nicht so genau und auch sonst waren allerhand Geräusche im Raum, um 4:37 h räumten die ersten Ruhelosen das Feld, worauf Pauline, sicherlich nicht ausgeschlafen aber völlig entspannt wirkend begann, ihre Verpflegung anzumischen.

 Wir hatten unsere Verpflegungsstelle nach einer Kurve, etwa 150 m nach Start/Ziel eingerichtet, Heinz-Peter hatte seinen Platz mit seinen Betreuern (Mama und Schwester) nur wenige Meter neben uns eingerichtet.

 Unter den 51 Teilnehmern (darunter nur 4 Damen) machten sich nun die beiden sehr ambitionierten, bestens gelaunten Vertreter unseres Vereins Freunde des Laufsports, um 7:00 h auf den Weg.

 Also, nach der ersten Runde kommt sie lächelnd in 7:54 min bei mir vorbei und gibt mir keine Chance, sie zu „maßregeln“ (denn sie erledigt es selbst).

 Ab der zweiten Runde pendelt sie sich dann uhrwerksmäßig bei Rundenzeiten zwischen 8:13 und 8:20 ein (mit 1-2 Ausreißern). Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, mir würde die nächsten paar Stunden fad werden ... nicht bedacht hatte ich dabei, dass 8 min knapp ausreichen, um das entsprechende Getränk (die jeweilige Flasche immer versehen mit dem einzig vorhandenen Lieblingsverschluss) herzurichten, stenografisch die  Befindlichkeiten etc im Rundenprotokoll festzuhalten, die Gesamtzeit fürs rechtzeitige Verabreichen von Gel im Auge zu behalten, Austausch eines voll geladenen MP3-players uvm. Es tröpfelt immer wieder und ich überlege hin und her, wie ich unser Equipment regensicher verstauen kann, und und und.

 Eine Aufgabe spare ich mir bald, nachdem ich feststellte, dass auf einem Bildschirm knapp nach der Matte die aktuelle Rundenzeit eingeblendet wird, hieß aber, mich zwischen Matte und Bildschirm zu positionieren und mit Pauline jeweils bis zu unserer eigenen Verpflegungsstelle mitzulaufen (so kann ich etwa 60 x 150 m Intervalltraining in mein Laufbuch schreiben).

 Grade wiege ich mich in „Sicherheit“, ruft sie von weitem nach Taschentuch & Co, einmal wird eine Runde nicht korrekt am Computer angezeigt, ich setze mich mit den Zeitnehmern auseinander, die den Fehler aber sofort beheben, usw usw.

 Ab 50 km tut sich der Himmel auf, die Sonne scheint um die Wette, damit kommt erst Paulines Stärke (erklärte Hitzeläuferin !!!) zum Tragen, die Halbdistanz hat sie um 4h36 h, sie sieht unglaublich frisch aus, jetzt kann schon seriös hochgerechnet werden, und Pauline wiederum zu einem Zwischenspurt veranlasst (aber sie weiß eh ...). Ich höre, wie sie zwei Läufern, mit denen sie schon ein paar Runden läuft erklärt: „das ist meine Bremserin“.

 Nach der 46. Runde gebe ich Pauline die Falschinformation, noch 12 Runden. Ich bemerke meinen Irrtum natürlich sofort, aber gesagt ist gesagt. Ich machte mir große Vorwürfe und überlege, ob und wie ich diesen Blödsinn wieder „gut machen“ kann, hoffentlich hatte ich sie damit nicht allzu sehr verwirrt. Beim nächsten Durchlaufen meint sie „das kann aber nicht stimmen“, ich ein „stimmt, war ein Blödsinn“. Offensichtlich hatte meine Fehlinfo keine größeren Folgeschäden verursacht, Gottseidank !!!

 Jetzt kommen hin und wieder kleinere Spezialwünsche (kaltes Cola mit Wasser oder so, und bin sehr froh, DASS sie Wünsche hat, ich werte das als gutes Zeichen), meine kleinen Überraschungen (Melone oder so) nimmt sie dankbar ohne zu fragen an.

 Eine große Blase an der Zehe (wir können mit dem Blasenpflaster im Stress nicht umgehen) und ein nicht geplanter längerer Aufenthalt am WC bringt Pauline ein bisschen aus der Fassung. Ich widerspreche ihr, dass das Ganze enorm viel Zeit gekostet habe, erstens stimmts nicht, was machen schon 3-4 Minuten, sie ist auf Superkurs.

 Bei Runde 59 erklärt sie mir, es sind noch 7 Runden. Die nächste Herausforderung, wie sag ich ihr so schonend wie möglich, dass sie sich irrt ? Ganz einfach, man sagt, es sind noch 10, dann kann sie sich über eine Runde weniger mehr freuen, oder ? Wir haben uns dann auf die tatsächliche Zahl 9 geeinigt.

 Nach wie vor hält sie ihr Tempo regelmäßigst. Ab Runde 65 will sie dann eigentlich nichts mehr, und schon gar keinen Buffer. Sie sieht nach wie vor prächtig aus, jetzt kann aber wirklich überhaupt nichts mehr passieren.

 Die letzten beiden Runden fliegt Pauline nur so dahin, meine Empfehlung, die letzte Runde jeden Meter zu genießen, braucht sie nicht, denn sie tut es !!!!!

 Nach 9:20 h war Pauline im Ziel. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht sagen.

 Dass Pauline von allem Anfang an die Bandbreite von 5:35 bis 6:00 min ausschließlich im unteren Bereich anpeilte, war völlig (mir jedenfalls nach ein paar Runden) klar, dass sie es mit einem Gesamtschnitt von 5:38 min/km so hunterprozentig durchgezogen hat, ist dabei mehr als erwähnenswert.

 Nach der recht netten Siegerehrung, welche ich als Betreuerin der souveränen Siegerin dieses Bewerbs sehr genossen habe, chauffierte ich uns ins ca 60 km entfernte Windhaag, wo wir von Paulines Eltern um etwa 21:30 h herzlichst empfangen wurden.

 Dass Paulines Beine auch im Bett noch „weiter gelaufen“ sind, sie fror usw, habe ICH traumhaft verschlafen.

 Am Sonntag Vormittag zur Abrundung des Ganzen eine wunderschöne kleine Wanderung bei Traumwetter hinauf in den Wald bei Windhaag, anschließend ein Mittagessen vom Feinsten bei Paulines Eltern.

 In meinem Gepäck nicht nur einige Kilo baumfrischer Äpfel und von Paulines Mama gebackenen Germgugelhupf, handgearbeitete Geschenke von Paulines Papa, sondern auch die Erinnerung an ein unvergessliches Erlebnis an diesem Wochenende.

 Ich wusste schon vorher, das „Projekt Betreuung“ würde mir großen Spaß bereiten, aber es ist mehr, es ist spannend sowie verantwortungsvoll und einfach schön, wenn man zum Erfolg eines Sportlers beitragen kann, ich würde sagen, es fühlt sich eigentlich wie eigener Erfolg an.

Liebe Pauline, Dich zu betreuen, war EINFACH EIN GENUSS !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Monika

 PS: Heinz-Peter wird mir verzeihen, dass ich hier seine tolle Leistung nicht so sehr beschreibe, aber es ist dies eben mein Bericht aus der Sicht der Betreuerin von Pauline.

Jedenfalls HUT AB vor Deiner Glanzleistung: einen 100er in 8:13:57 (als Dritter in der Gesamtwertung) zu absolvieren, dazu gehört schon allerhand, und wir wissen, dass Du zuletzt mit viel Verletzungen gepeinigt warst. Auch hier nochmals allerherzlichste Gratulation !

Paulines Bericht  ist auch schon online  

 

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