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Schobergruppe - „Durch“wanderung vom 1.8. bis 7.8.2010
Bericht von Monika
 
Im vergangenen Jahr konnte ich Berggemse Fritzi Bieber sofort dafür begeistern, für uns eine Hüttenwanderung durch die Schobergruppe zu organisieren. Und so wollten ursprünglich fünf weitere Damen dieses Abenteuer erleben, kurzfristig stellten sich jedoch bei einigen Verletzungen ein, sodass Fritzi, Renate und ich am 1.8.2010 nach Osttirol, nämlich Kals am Großglocker, per Fahrgemeinschaft anreisten, wo wir nach einem letzten Organisieren unserer 8-kg-Rucksäcke am Parkplatz beim Lucknerhaus (1922 m) gleich unsere ersten Höhenmeter in Angriff nahmen:
 
Erste Etappe: Wir erreichten nach etwa 2,5 h die Glorerhütte (2642 m). Eine Dusche, ein wunderbares Abendessen und danach Besprechung der Wanderroute für die kommenden Tage. Wir wollten uns im Wesentlichen an die blaue Route gemäß Prospekt „Nationalpark Hohe Tauern“  halten  („5 Hütten mit drei Wander-Dreitausendern“)
 
Trotz komfortablem 3-Bett-Zimmerlager schliefen wir  nicht ganz so gut (logisch: innerhalb weniger Stunden von 278 m auf 2642 m !).
 
Die zweite Etappe am 2.8.2010, sollte von der Glorerhütte zur Elberfelderhütte über Böse Weibl  (3119 m) führen:
Bei bestem Bergwetter wanderten wir um 8.00 früh unbekümmert und fröhlich los. Nach jeder Ecke ein neues wunderschönes Panorama, blühende Wiesen und Berghänge, umgeben von den nicht weniger als 50 Dreitausendern in diesem Teil des Nationalparks Hohe Tauern, auch immer wieder freier Blick auf Seine Majestät, Großglockner, bis zur Weggabelung Peischlachtörl, wo wir uns bei einer kleinen Pause in Ruhe orientierten. Der immer steiler werdende, aber wenig schwierige Anstieg auf den steinigen Gipfel des Böse Weibl war für mich auf den letzten Höhenmetern vor dem Gipfelkreuz - infolge Abweichens von der „Ideallinie“-  obwohl zwar trittsicher und schwindelfrei -  schon eher schwierig und fühlte sich fast schon wie Klettern an. Zuguterletzt kam uns etwa 15 m vom Gipfelkreuz entfernt ein völlig überforderter, schwitzender, zitternder Bergtourist entgegen, der die Gipfelüberschreitung als absolut unbewältigbar bezeichnete. Daraufhin verkündete ich, keinen Schritt mehr weiter zu gehen. In diesem Augenblick traf Scout Fritzi die einzig mögliche Entscheidung, nämlich auf der Stelle umzukehren, was wir auch umgehend taten. Für den leichteren Weg ab der Weggabelung beim Peischlachtörl zur Elberfelderhütte war es jedoch zu spät, voraussichtlich hätten unsere Kräfte nicht gereicht und wir mussten mit dem Einbruch von Dunkelheit rechnen, so wurde gemeinsam entschieden, zum Lucknerhaus abzusteigen. Facit: 10-Stunden !
 
Die Übernachtung im Lucknerhaus (wo man um € 25,00 inkl Frühstücksbuffet, Sauna, Dampfbad und vielen Extras im Luxus-Bettenlager höchst komfortabel nächtigen kann)  und einem ausgiebigen Abendessen haben wir die Erlebnisse Revue passieren lassen und verarbeitet, und fanden nach kurzer Beratung eine Lösung, um die unterbrochene Rundwanderung ab der Lienzerhütte wieder plangemäß fortsetzen zu können.
 
Dritte „Etappe“ 3.8.2010: Mit Postbus vor der Haustüre beim Lucknerhaus über Huben und Lienz, von dort mit dem Taxi zum Parkplatz Seichenalm, von wo wir bei ordentlichem Schnürlregen zur Lienzerhütte hochwanderten.
 
Nachdem ich mich ja mitten im Marathontraining befinde, und an diesem Tag noch eine Konditionsreserve hatte, lief ich nochmals den Weg hinunter fast bis zum Parkplatz und wieder hoch, womit diese dann in Anbetracht von 278 hm auf 2,5 km ausgeschöpft war. Obwohl ich mich vorher ob vorhandener Dusche vergewisserte, teilte man mir bei meiner Rückkehr vom Laufen mit, dass für heute kein warmes Duschen mehr möglich sei, na ja ...
 
Vierte Etappe Lienzerhütte (1977 m) – Hochschoberhütte (2322 m) am 4.8.2010: Der erst steile Anstieg bei traumhaftem Wetter durch den Wald ließ uns oben auf einem Plateau angekommen vor lauter schöner Gegend, nämlich eine Hochalm und rundherum schroff aufragende Berge, mehr als nur staunen. Eine kleine Rast wurde über mein Drängen abrupt beendet (eine Horde von Kühen kam laut brüllend immer näher und näher ...).
 
Voller Stolz erreichte ich die Mirnitzscharte (2432 m) als erste und musste mir zur Strafe dafür nochmals Schilderungen des deutschen Bergtouristen (den wir schon seit der Glorerhütte kannten) von seinen lebensgefährlichen Erlebnissen der letzten Tage anhören. Nach einer kurzen Rast auf der Scharte beschlossen wir beim Anblick des Prijakt (ein rundherum grimmig aussehender 3000er, im Wanderführer zur Besteigung vorgesehen) diesen einfach links liegen zu lassen und haben auf diesen Gipfelsturm verzichtet. Nun ging's extrem steil auf lockerem Erdreich und Schotter, danach über ein kurzes Schneefeld bergab und waren danach kletternd, springend, bauch- und ...lings über riesige Blockhalden unterwegs. Nach etwa drei Stunden erblickten wir hoch erfreut die Hochschoberhütte. Dort angekommen waren wir uns vollkommen einig: wir hatten einen wundervollen etwa 8-h-Wandertag, aber größere Steine wollten wir in nächster Zeit nicht mehr sehen ...
 
Hüttenwirt und -koch Harry hat uns mit einem köstlichen Abendessen verwöhnt. Auf Berghütten lernt man immer interessante Menschen kennen, so begegneten wir wieder jenem Deutschen, der seine Erlebnisse offenbar noch immer nicht verarbeitet hatte ... außerdem erfuhren wir vom Hüttenwirt, dass er, wenn er sich nicht gerade Auszeit auf der Hochschoberhütte nimmt, dem Beruf des Privatkochs – in Monaco – nachgeht ...).
 
Die Wetteraussichten waren eher schlecht, den eingeholten genauen Erkundigungen nach hätte der Weg der am folgenden Tag vorgesehenen Etappe zur Lesachalmhütte wieder über viele Steine und entlang eines Moränenrandes geführt, sodass wir aus Sicherheitsgründen abermals umdisponierten und beschlossen, ins Tal abzusteigen. Dort wollten wir – je nach Wetterlage - weiter sehen.
 
Fünfte Etappe 5.8.2010: Hochschoberhütte – Lucknerhütte (2241 m), bei Gott kein fader Tag: Beim etwa 2,5-stündigen Abstieg nach Oberleibnig, ein kleines Nest etwa 20 km von Lienz entfernt, waren wir intensiv mit der Lösung unseres aktuellen Problems beschäftigt: Wie sollten wir zurück zum Auto beim Lucknerhaus gelangen ??? Fritzi hatte in der Früh ausnahmsweise ein paar Minuten ein Handynetz und wollte einen alten Freund telefonisch um Hilfe bitten, konnte aber nur dessen Frau mitteilen, dass wir ins Tal absteigen.
Habt Ihr schon mal von Loipen-Charlie gehört ? Ich hatte die Ehre, dieses Original erster Güte (er spielte in etwa 10 Heimatfilmen mit, was er sicherlich seinem überaus filmtauglichen Aussehen mitsamt der schlaksigen, groß gewachsenen Figur und dem buschigen, grauen Bart verdankt, er gab auch dem „Nachtwächter „ im Kunstkalender von Georg Loewit das Gesicht) kennen zu lernen. Und was macht Loipen-Charly, nachdem er erfährt, wohin wir unterwegs sind? Er macht sich doch tatsächlich auf den Weg und wandert uns vermeintlich entgegen, nimmt aber an einer Abzweigung einen anderen Weg … Von drei auch von der Hochschoberhütte auf seiner Variante absteigenden Wanderern erfährt er jedoch alles Notwendige (man muss ja nur mit den Leuten reden, gell). Jetzt machte auch der an der Weggabelung verlassen lehnende Rucksack Sinn, den unser „Retter“ dort als Anhaltspunkt für uns zurückgelassen hatte. Unser letztendliches Zusammentreffen wurde dann gebührend gefeiert: mit selbstgemachtem Hanfschnaps, Bio-Müsliriegel und einer Rarität von Schokolade, deren Herkunft ich vergessen habe, was sich alles im zurückgelassenen Rucksack befand. Der liebe Mann hat uns dann noch die etwa 50 km zum Lucknerhaus gebracht. Also ein weiteres unvergessliches Erlebnis dieser Tour …
 
Im Lucknerhaus gab es kein Quartier mehr, und so wanderten wir noch hoch zur Lucknerhütte, wo wir uns in einem 2-Bett-Zimmer bzw einem fast leeren Lager und bei Superessen äußerst wohl fühlten. Außerdem ein idealer Ausgangspunkt für die letzte Wanderung vor unserer Abreise, nämlich die
 
Sechste Etappe 6.8.2010: Lucknerhütte – Stüdlhütte (2842 m):
Ein absolut würdiger Abschluss unserer Wanderwoche ! Der leichte Wanderweg, der einem so nahe zum Gipfel des Kraftbergs Großglockner bringt, fasziniert mich immer wieder aufs Neue ...  Renate und ich hatten den Aufstieg (immerhin 601 hm) in rekordverdächtigen 1:29 h bewältigt ! Beim Rückweg von der Stüdlhütte nochmals eine kurze Einkehr in der Lucknerhütte (die frisch "gezapfte" Milch war ein Traum), wo wir einen Teil unseres Gepäcks deponiert hatten, und sodann noch etwa 50 min zurück zum Auto. So, das war’s also.
 
Danach sind wir dank der souveränen Autofahrerin Fritzi alle wieder wohlbehalten und gesund gegen Mitternacht zu Hause angekommen.
 
Es war meine dritte hochalpine Durchwanderung. Die vier im Wanderführer angegebenen Dreitausender-Gipfel konnten wir zwar aus den geschilderten Umständen nicht wirklich erobern, doch drei Freundinnen des Laufsports haben bewiesen, dass sie großen konditionellen Anforderungen mehr als gewachsen sind (was Laufen so alles ermöglicht) und außerdem auf alle unvorhersehbaren  Umstände äußerst flexibel reagieren können und ... und ... und ...
 
Es war eine unvergessliche Woche mit vielen vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen !!!! Schon am Rückweg haben wir beschlossen: es war nicht unsere letzte gemeinsame Tour ...
 
Eigentlich war ich persönlich auf „Dienstreise“: wir haben Renate das Laufen derart schmackhaft machen können, dass sie Anwärterin auf eine Mitgliedschaft bei den Freunden des Laufsports geworden ist.
 
Herzlichst, Eure Monika
fdl